Der Künstler liebt den kompletten Ironiker

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Auf den Regalen einige seiner Skulpturen, in der Hand ein Lieblingsbuch - der "Zauberberg" von Thomas Mann. Der Künstler Andreas Futter in seinem Haus.
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Was lesen Sie in diesem Sommer? -  Andreas Futter, Bildhauer, Maler, Grafiker, greift gerne zu Klassikern. „Es ist wie mit einem großen Gemälde.“

Schwäbisch Gmünd. Bevor Andreas Futter beschloss Künstler zu werden, hatte er einen anderen Berufswunsch: „Als Kind wollte ich Schriftsteller werden. Ich war fasziniert davon, dass man mit einfachen Mitteln – Buchstaben, Worte – Geschichten erzählen kann.“ Heute tut das Andreas Futter, der seit 2005 als freier Künstler bei Reitprechts lebt und arbeitet, mit seinen Werken: „Irgendwann ist mir klar geworden, dass ich auch über Kunst Geschichten erzählen kann.“

Ein Leser ist der heute 53-Jährige schon lange Zeit: „Lesen war schon immer mein Interesse, auch schon vor dem Kunststudium.“ Er lese viel über Geschichte und andere Kulturen, erzählt er, „alles, was Menschen hervorgebracht haben“

Geschichte spiegelt auch eines seiner bekanntesten Kunstwerke im Gmünder Raum: „Weitblick“ in Straßdorf an den „Wegen zur Kunst“: Die stehende Skulptur ist ein Reiterstandbild, ein klassisches Genre der Kunst, mit dem Herrscher von der Antike bis in die Kaiserzeit im Wortsinn überhöht wurden, das Futter auf vielfältige Weise ironisiert: Das Pferd seines kleinen, knubbelnasigen Königs, hat keinen muskulösen Idealkörper, sondern steht auf einem Spielzeuggestell mit Stelzen und vier Rädern.

Feine Ironie und Humor im Umgang mit den Figuren liebt Andreas Futter auch beim Lesen, das lässt ihn immer wieder zu Thomas Mann und Theodor Fontane greifen. „Thomas Mann ist ein kompletter Ironiker.“ Futter hält es mehr mit den Klassikern als mit der Gegenwartsliteratur, die zeitgenössische Literaturproduktion finden er „ein bisschen uferlos“. Bei Mann, Fontane, auch bei ETA Hoffmann weiß Futter sicher, dass er nicht enttäuscht wird. Weshalb er immer wieder zu ihren Büchern greift, in denen es bei jedem Wiederlesen noch Neues zu entdecken gibt, findet Futter. Thomas Manns „Zauberberg“ ist eines der Lieblingsbücher des Künstlers, zu dem er auch in diesem Sommer greift. „Wenn man sich drauf einlässt, ist es wie mit einem großen Gemälde.“

Das eine Buch als Ferienlektüre gibt es nicht bei Andreas Futter, er ist ein Parallelleser. Auf dem aktuellen Stapel liegt auch eine Biografie des Naturforschers Alexander von Humboldt. Wie in seinen Kunstwerken schaut Futter auch beim Lesen solcher Bücher auf die Menschen: „Warum machen Leute Dinge, welche Intentionen hatten sie, wie haben sie’s durchgebracht?“ Dann komme man irgendwann auf die Essenz, „auf den Sinn des Tuns und auf das, was überall gleich ist: das Menschliche.“

Futters Kunstwerke erzählen oft von Menschen, die aufeinander bezogen sind in Kooperation oder Kommunikation. „Es geht immer um Beziehungen“, sagt Futter. Um die Frage: „Wie kommt man miteinander zurecht?“

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