Die Bescheidenheit als das Zeugnis der Christen

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Führung durch die Kapelle Zimmern. Foto: Jan-Philipp Strobel
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Kapellenfest in Zimmern am Sonntag mit Gottesdienst, Mittagstisch und Führung.

Gmünd-Zimmern. Trotz teilweise strömenden Regens halfen am Samstagmittag viele fleißige Hände beim Aufbau fürs Kappellenfest in Zimmern. Endlich konnte diese Traditionsveranstaltung, die im vergangenen Jahr nur in sehr kleinem Rahmen aufgrund der Pandemie stattfinden konnte, wieder als große Veranstaltung durchgeführt werden.

Der Einsatz lohnte sich, am Sonntag blieb es trocken. Und so kamen die Besucher am frühen Morgen zum Gottesdienst, der als Auftakt zum Kapellenfest gilt. Als Pfarrer Johannes Waldenmaier diesen eröffnet hatte, eilten noch Gäste herbei. So wurde flink manche Bank im Außenbereich aufgestellt.

Einzig auf den gemeinsamen Gesang vom Kirchenchor aus Hussenhofen und dem aus Zimmern musste verzichtet werden, da es in der Kapelle zu eng war in Hinblick auf die Pandemie. Dafür sangen die Besucher umso mehr mit bei den Liedern, die Waldenmaier anstimmte. Mit „Da wohnt ein Sehnen tief in uns …“ eröffnete er musikalisch den Gottesdienst.

Rund um die Bescheidenheit ging es im Anschluss - in Anlehnung an Johannes, den Täufer. „Ich bin nur die Stimme, die in der Wüste ruft“, zitierte der Pfarrer die Bibelstelle, die sich um den glühendsten Anhänger Jesu dreht. „Es ist manchmal wichtig, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen“, empfahl der Geistliche. Viele fragten sich in der heutigen Zeit, ob das Wort Barmherzigkeit nicht veraltet und verstaubt sei. Wo Durchsetzungsvermögen und Selbstdarstellung bereits in der Schule gefordert wird. Und manche den Schülern aufgegebene Präsentation in Übertriebenheit ausarte. Johannes Waldenmaier ging auf die Bedeutung des Wortes Bein. Erläuterte, dass dieses ein komplexes Wort ist, da es gleich drei Sinnrichtungen hat. Zum einen rede man von bescheidenem Leben. Das der Mensch sich in freiwilliger Selbstbestimmung auferlegt hat. Sprich, man ein Dasein in einfachsten Lebensumständen friste. Wie einst Johannes der Täufer in der Wüste. Zum anderen gebe es die unfreiwillige Bescheidenheit, in der man unfreiwillig ein einfaches Leben führen müsse.

Wo sich der Mensch durch Zwänge einfügen muss. Und zum Dritten gebe es noch die „unaufrichtige Note“. Hier rede der Mensch von seinem „bescheidenen Beitrag“, den er zu einem Projekt leistete. In Wirklichkeit bedeute dies jedoch, dass dieser Mensch meine, dass ohne sein „bescheidenes“ Zutun das Projekt nicht hätte realisiert werden können. Sprich, dieser Mensch ist das Gegenteil von bescheiden. „Es geht darum, in die Tiefe zu blicken. Es geht um die Grundhaltung, die Wesensart, die Charakterisierung“, betonte Waldenmaier angesichts der vielen Nuancen des Wortes. Er legte ans Herz: „Wir sollen unseren Blick auf unseren Nächsten werfen, nicht auf uns selbst. Es geht um Liebe, Solidarität, Barmherzigkeit und Mitgefühl.“ Und er schloss: „Bescheidenheit ist der Ausweis unseres Lebens als Christen.“

Alle Generationen helfen mit

Während die Gottesdienstbesucher den Worten des Pfarrers lauschten, agierten weiter unten viele Ehrenamtliche aus Zimmern.

Der Mittagstisch wurde vorbereitet, der unter anderem wieder den beliebten Kapellenteller mit Kartoffelsalat, Maultaschen und Steak vorsah. Die organisatorischen Fäden liefen seit langer Zeit wieder bei Barbara Ritzer zusammen. „Alle Generationen helfen mit“ freute sie sich über die große Hilfsbereitschaft. Bereits morgens um sieben Uhr hatte sich ein fünfköpfiges Kochteam in der „Krone“ eingefunden.

Unter den Besuchern waren neun Flüchtlinge aus der Ukraine, die in Zimmern eine neue Heimat gefunden haben. Sie hatte man explizit eingeladen. Nach dem Mittagstisch nutzten viele die Gelegenheit, an einer Kapellenführung mit Werner Ritzer teilzunehmen. ⋌Anja Jantschik

Nach dem Mittagstisch nutzten manche Gäste die Gelegenheit, an einer Kapellenführung mit Werner Ritzer teilzunehmen. Foto: Jan-Philipp Strobel
Führung durch die Kapelle Zimmern. Foto: Jan-Philipp Strobel

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