Die gute Seele des Schwanen wird 70

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Emmi und Helmut Gloning beim Schmiedgassen-Fest. An diesem Montag wird sie 70, in einer Woche er 80.

Emmi Gloning kann jetzt ihren Ruhestand genießen. Schon in der Jugend kräftiges Zupacken gelernt.

Schwäbisch Gmünd. Das hätte ein richtiges Fest werden können, mit Verwandten und Freunden, vielleicht sogar mit dem berühmten „Schwanen“-Sauerbraten. An diesem Montag feiert die frühere Schwanen-Wirtin Emmi Gloning ihren 70. Geburtstag. In einer Woche wird Helmut Gloning 80. „Natürlich hätten wir zusammen gefeiert“, sagt die Jubilarin, die in ihrem Leben unzählige Geburtstagsfeste der „Schwanen“-Gäste ausrichtete.

Nun hätte sie sogar Zeit für sich selbst, denn das war während des Berufslebens nie so richtig möglich. Die Arbeitstage endeten meist lange, nachdem der letzte Gast aus dem Haus war. „Erst wenn alles aufgeräumt war, bin ich ins Bett gegangen“, so erinnert sich Emmi Gloning und Helmut Gloning, der das Gespräch mitverfolgt, kommentiert: „Die gute Seele im Betrieb ist immer eine Frau.“

Eine Frau, die in ihrer Jugend nicht daran denkt, jemals in der Gastronomie zu arbeiten. Emmi Gloning wächst als eines von sieben Kindern in Stimpfach auf, die Eltern betreiben eine Landwirtschaft. Was Gastronomie heißt, lernt sie als Jugendliche bei ihrer Tante in der Gaststätte „Frosch“ in Ellwangen kennen. Der große Biergarten ist im Sommer voll besetzt, hunderte Essen werden zubereitet. „Nie im Leben heiraten wir einen Wirt“, das haben sich Emmi und ihre Cousinen damals vorgenommen.

Die entscheidende Frage

Klar kommt es anders. Sie arbeitet 1969 für ein Jahr in einer Gmünder Familie als Haushaltshilfe, gemeinsam geht‘s auch mal zum Essen in den „Schwanen“. Helmut Gloning entgeht das nicht. Er kann Emmi dazu bewegen, am Wochenende im Lokal auszuhelfen. Dann die entscheidende Frage: „Dätsch net im Schwana bleiba?“

Sie bleibt, 1976 ist Hochzeit. In den Jahren danach kommen die Söhne Andreas und Michael, später Tochter Christine zur Welt. Sie ist heute im Hotelfach in der Schweiz tätig, die Söhne haben sich nach Erfahrungen in der Gastronomie inzwischen beruflich verändert. Der Schwanen, 1914 von Helmut Glonings Vater gekauft, ist für die Familie jetzt Geschichte. Und Anlass für Geschichten. Die tauscht sie am liebsten mit Freundinnen aus, beim Besuch im Café Margrit oder auf einem Caféhaussessel auf dem Marktplatz. „So schade, dass das jetzt nicht möglich ist“, sagt sie und muss sich damit begnügen, von der Wilhelmstraße einen Spaziergang durchs CityCenter in die Innenstadt zu unternehmen.

Auch da gibt es Begegnungen, bei denen Erinnerungen wach werden. Ans gute Essen natürlich und ganz besonders an Emmis köstliche Leckerbissen, ohne die Stammgäste gar nicht aufstehen wollten: Es sind die legendären Schäumle in Schwanenform, geschaffen aus Eiweiß, Zucker und einem guten Tröpfle. Dazu die schwäbischen Brownies, die ebenso kostenlos auf den Tisch kamen. Nicht vergessen ist auch die persönliche Ansprache. Einfach nur Essen servieren, das war Emmi Gloning zu wenig. Die meisten Gäste kannte sie ja persönlich, da musste ja ein wenig geplaudert werden. Ein Leben ohne den Schwanen? „Ja, das geht“, sagt sie heute. Der Tag ist für sie entspannter, „ich habe ein sorgloses Leben“. Bis auf die Pandemie eben, die ihr das „runde“ Geburtstagsfest nimmt.

Kuno Staudenmaier

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