Die Menschen mit Gott in Berührung bringen

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Primiz Nico Schmid. Foto: Jan-Philipp Strobel
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Nico Schmid feiert mit zahlreichen Gläubigen seine Primiz in der St.-Jakobus-Kirche in Bargau.

Schwäbisch Gmünd-Bargau. Zur Mittagszeit schlängelte sich am Sonntag in Bargau durch die gesperrte Ortsdurchfahrt ein kleiner Festumzug, angeführt vom Bargauer Musikverein. Er machte Halt vor dem Haus Nummer 34, an dem floral dekorierte Säulen den Eingangsbereich schmückten. Gelb-weiße Fahnen hingen an jedem Fenster. Heraus kam Nico Schmid, der auf diese traditionelle Weise von seinem Elternhaus abgeholt und zur St.-Jakobus-Kirche begleitet wurde, um seine Primiz zu feiern. Immer wieder nickte er lächelnd den vielen Menschen zu, die die Straße säumten und sich schließlich dem Umzug anschlossen. So war es denn kein Wunder, dass es im Gotteshaus selbst neben den voll besetzten Kirchenbänken nur noch Stehplätze gab.

Im Mittelpunkt stand der „neue Platzhalter Gottes“ auf Erden, Nico Schmid. Vergangene Woche wurde er in Rottweil zum Priester geweiht, wie Domkapitular Monsignore Andreas Rieg, Regens des Priesterseminars der Diözese Rottenburg-Stuttgart, im Gottesdienst informierte. Er beschrieb, dass Schmids künftige Aufgabe darin liege, daran zu erinnern, dass Gottes Liebe Auswirkungen hat. Aber er sei kein „Alleskönner“ – „nein, das musst du nicht“, bemerkte der Domkapitular mit Blick auf den Primizianten. Es gehe auch nicht um „Selbstbeweihräucherung oder Selbstdarstellung“. Die Aufgabe sei einfach: „Die Menschen mit Gott in Berührung bringen“ durch Weihe und Sakramente. „Mit ihnen den Alltag erleben.“

Braucht es das Zölibat?

Ob es sein kann, dass ein „aufgeschlossener, intelligenter Mann“ diesen Schritt ins Priestertum gehe? Angesichts des Missbrauchs und des Machtmissbrauchs in der katholischen Kirche? „Braucht es überhaupt Priester und Zwangszölibat?“, benannte der Domkapitular die „Gemengelage“. Er hielt eine klare Antwort bereit: „Gott handelt – aber eben nicht ohne uns.“

Andreas Rieg stellte fest, dass Priester kein Empfehlungsschreiben brauchen. Denn: „Ihr seid ein Brief Gottes – und seiner Haltung gegenüber den Menschen. Geschrieben in das Herz, mit dem Geist des lebendigen Gottes.“ Zudem zitierte der Regens Papst Franziskus, der „keine Superpriester“ will, sondern auch mal „zerbrechliche Geistliche“, die mit Gott über ihre Zerbrechlichkeit reden. Auch empfahl er Nico Schmid, „ein Mann des Glaubens und der Gastfreundschaft“ zu sein. Wiederum zitierte er den Papst: „Priester sind Hirten, die den Geruch ihrer Schafe tragen.“ An die Gläubigen in der Kirche gewandt, stellte der Domkapitular fest: „Ein Volk, das sich von seinem Priester isoliert, ist nicht nur kein katholisches Volk, sondern auch kein christliches Volk.“

Nico Schmid, der nun sein erstes Vikariat in Schwäbisch Hall antreten wird, feierte mit der Gemeinde die Kommunion und zelebrierte das eucharistische Hochgebet.

Mit virtuosen Klängen mit Bernd Büttner an der Orgel wurde die Primiz unter anderem mit dem Agnus Dei, Credo, Kyrie und Gloria sowie Sanctus aus der Jakobusmesse musikalisch umrahmt. Kirchenchor und Bläser, Tobias Nagel an der Tuba, Peter Barthle und Steffen Huber an der Trompete, und die Posaunisten Andreas Schwenk und Lisa-Marie Friedrich boten festliche Klänge. Die Gesamtleitung hatte Magnus Barthle. Nach der Primiz traf sich die Festgemeinde in der Feinhalle, wo die stellvertretende Ortsvorsteherin Barbara Duschek feststellte, dass in Bargau seit 1900 insgesamt 14 Priester ihre Primiz feiern konnten. „Bargau ist ein Pfarrerdorf.“ Der gewählte Vorsitzende des katholischen Gemeinderats, Wolfgang Rieg, wünschte dem 27-jährigen Primzianten, dass er seine „Offenheit und Zugewandtheit gegenüber den Menschen behält“. ⋌Anja Jantschik

Primiz Nico Schmid. Foto: Jan-Philipp Strobel
Primiz Nico Schmid. Foto: Jan-Philipp Strobel

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