Die Nachfrage nach Plätzen für Kleinkinder steigt

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Sechs Kindergarten- und Krippengruppen gibt es im Kinderhaus Regenbogenland.
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Die Stadt investiert dieses Jahr 12,74 Millionen Euro für den laufenden Betrieb der Kindertagesstätten und baut das Angebot nach und nach aus.

Schwäbisch

Regina Stöckle hat eine Glaskugel auf ihrem Schreibtisch. Doch es hilft nichts: Wie sich die Nachfrage nach Betreuungsplätzen entwickelt, sei schwer vorherzusagen, erklärt die Leiterin der Abteilung Frühe Bildung und kommunale Betreuungsangebote bei der Stadtverwaltung den Stadträten des Verwaltungsausschusses. So gehe sie aktuell von den Geburtenzahlen des Vorjahres aus. Zu- und Wegzüge ließen sich kaum prognostizieren.

Doch der Trend sei klar: „Immer mehr Kinder benötigen immer früher einen Platz“, berichtet Regina Stöckle. Denn beide Elternteile wollten so früh wie möglich in den Beruf zurück. Sie wünschten sich passgenaue Angebote, verlängerte Öffnungszeiten oder Ganztagesbetreuung. Besonders hoch sei die Nachfrage nach Betreuungsplätzen in der Innenstadt, in Bargau, Straßdorf, Großdeinbach und Weiler, eben dort, wo es große Bauprojekte gebe. Daher baue die Stadt das Angebot an Betreuungsplätzen fortlaufend aus, erläutert sie und stellt einige Erweiterungen in Kitas vor. Etwa im Kindergarten Emerland in Straßdorf, wo 22 Plätze für Kinder über drei Jahren und fünf für Kinder unter drei Jahren entstehen. Doch die Gruppe habe noch nicht angefangen und sei schon voll, erklärt sie.

Die Stadt investiere dieses Jahr 12,74 Millionen Euro für den Betrieb der Kitas und trage damit über 50 Prozent der laufenden Kosten. Die Zuweisungen vom Land machten 30 Prozent aus, vom Bund 1,4 Prozent, Elternbeiträge rund 15 Prozent. Diese sollen angepasst werden, kündigt sie an. Die Gebühren für Plätze unter drei Jahren sollen um etwa zehn Prozent sinken, jene für über Dreijährige um fünf Prozent steigen. Doch den konkreten Vorschlag könne die Verwaltung den Stadträten erst vorstellen, wenn Ende Mai die Landesempfehlungen dazu stehen.

„Jeder für Kinder ausgegebene Euro ist ein guter Euro“, sagt CDU-Stadtrat Christian Krieg. Er fordert, die Plätze für unter Dreijährige auszubauen und so die für den Rechtsanspruch auf Betreuung von Kindern ab einem Jahr festgelegte Versorgungsquote von 34 auf 40 Prozent auszuweiten. Dem pflichtet SPD-Stadtrat Alessandro Lieb bei. Grüne-Fraktionssprecher Gabriel Baum lobt unter anderem, dass die Stadt nun mit Mutlangen kooperiert. Für den Waldnaturkindergarten dort verpachtet die Stadt der Gemeinde einen Teil der Fläche, Mutlangen bietet Gmünd im Gegenzug zwei Belegplätze an.

Wie Christian Krieg verweist Linke-Fraktionschef Sebastian Fritz auf Kritik von Eltern am Anmelde-Onlineportal Little Bird. Regina Stöckle sagt zu, gerne Verbesserungsvorschläge anzunehmen. Auf Nachfrage von BL-Stadträtin Brigitte Abele erklärt sie, die Nachfrage nach Waldkindergärten sei ungebrochen. Zur Finanzierung der Betreuungsangebote meint FWF-Stadträtin Dr. Dorothea Kosin: Wer einen Rechtsanspruch beschließe, müsse sich mehr an den Kosten beteiligen. „Jawohl“, unterstreicht Oberbürgermeister Richard Arnold, doch die Stadt sei nun mal das schwächste Glied.

Immer mehr Kinder benötigen immer früher einen Platz.“

Regina Stöckle,, Abteilungsleiterin für kommunale

So viele Plätze in Gmünder Kindergärten gibt es

56 Einrichtungen zur Betreuung von rund 2800 Kindern gibt es insgesamt in Schwäbisch Gmünd, berichtet Regina Stöckle von der Abteilung Frühe Bildung und kommunale Betreuungsangebote der Stadt. 14 der Einrichtungen sind städtisch, 14 in katholischer, sieben in evangelischer und 16 in freier Trägerschaft. Zudem gibt es drei Einrichtungen der „Tagespflege in geeigneten Räumen“ (Tiger) sowie zwei betreute Spielgruppen.

2395 Kindergartenplätzefür Kinder über drei Jahren stehen voraussichtlich im September 2021 in Schwäbisch Gmünd und seinen Stadtteilen zur Verfügung. Weil die Stadt kontinuierlich neue Plätze schafft, sind es ab Oktober und bis August 2022 insgesamt 2417 Plätze. Abgesehen von Juni und Juli 2022 weist die Stadt im nächsten Kindergartenjahr mehr Plätze aus als voraussichtlich Bedarf vorhanden ist. Allerdings heißt das nicht unbedingt, dass die Plätze in der Nähe des Wohnortes der Familien sind.

409 Krippenplätze gibt es im Kindergartenjahr 2021/22 in Schwäbisch Gmünd. Angesichts des Bedarfs fehlen damit bis Juli 2022 jeden Monat zwischen zwei und 32 Plätze für Kinder unter drei Jahren. Zu den Krippen- und Spielgruppenplätzen kommen 120 altersgemischte Plätze und 24 Tiger-Plätze. Zudem entstehen bis Januar 2022 zehn Krippenplätze im Kindergarten Arche, fünf Krippenplätze fallen in Weiler weg. Insgesamt werden dann 558 Plätze für Kinder unter drei Jahren angeboten. Zudem gibt es laut Verein P.A.T.E. 41 Plätze in der Kindertagesbetreuung durch Tageseltern.

12,74 Millionen Euro gibt die Stadt Schwäbisch Gmünd dieses Jahr voraussichtlich für die Kindergärten und die Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren aus. Der Zuschussbedarf der städtischen Einrichtungen-beträgt dabei rund 5,33 Millionen Euro. Für Einrichtungen anderer Träger schießt die Stadt rund 7,41 Millionen Euro zu. jul

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