Die Natur als Kreislauf verstehen

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Bei einer exklusiven Führung durch die Weleda-Heilpflanzengärten erfahren Leser der Gmünder Tagespost viel Wissenswertes über das Zusammenspiel mit der Natur.
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Zur exklusiven Tour für Leser der Gmünder Tagespost durch die Weleda-Heilpflanzengärten gesellt sich eine Zeitreisende, die Rudolf Steiner persönlich kennt und aus dem Nähkästchen plaudert.

Schwäbisch Gmünd-Wetzgau

Auch wenn das damals zarte Pflänzchen noch nicht Weleda hieß – vor 100 Jahren begann die industrielle Produktion von Heil- und Körperpflegemitteln in Schwäbisch Gmünd, weshalb das mittlerweile weltweit bekannte Unternehmen dieses Jahr sein hundertjähriges Bestehen feiert, etwa mit exklusiven Führungen in den Weleda-Gärten, bei denen tatsächlich eine Zeitgenossin und Verehrerin des Anthroposophen Rudolf Steiner auftaucht, der mit Mitstreitern die Internationale Laboratorien AG, einen Vorläufer der Weleda, um 1920 herum gründete.

Am Freitagnachmittag fand die letzte dieser Führungen mit Heike Groll statt, die mit einem Blick in die Tinkturenherstellung anfing. Dort landen die Heilpflanzen nach der Ernte. Zunächst wird untersucht, ob sie genügend Inhaltsstoffe enthalten und nicht verunreinigt sind und ob der Wassergehalt stimmt. Erst dann werden sie „ausgezogen“, erklärte Heike Groll. Das heißt, sie werden in Öl, Alkohol oder Wasser angesetzt. Nach der Pressung bleibe Trester zurück, der alles andere als Abfall ist, weil er kompostiert wieder zu wichtiger Nahrung für die Pflanzen werde. „Alles geschieht im Zeichen der Lemniskate, der liegenden Acht, die für Unendlichkeit steht“, wies Heike Groll auf den Kreislaufgedanken der anthroposophischen Philosophie hin.

Die Führerin wartete mit viel Wissenswertem über den Heilpflanzengarten – ein einzigartiges, großes Biotop – und die biologisch-dynamische Bewirtschaftungsform auf. Rund fünfzig verschiedene Vogelarten und etwa tausend verschiedene Pflanzen finde man auf dem rund 24 Hektar großen Gelände in Wetzgau, nur rund 400 werden medizinisch oder kosmetisch genutzt – „600 stehen für Biodiversität“.

Sie ging auch auf die wichtige Bedeutung von Insekten ein, jedes habe einen Sinn. Mit Wespen etwa gebe es weniger Stechmücken. Überhaupt sei jeder Schädling auch ein Nützling. Und Acker werde seit Tausenden von Jahren bewirtschaftet, die längste Zeit ohne Kunstdünger und Pestizide. Bei der Weleda bearbeite man die Felder „wie die Urväter“ mit der Dreifelderwirtschaft: Ein Feld liege jeweils brach und werde mit Klee, Senf oder Raps bepflanzt. An den Wurzeln der Pflanzen bilden sich Knöllchenbakterien, auch Rhizobien genannt, mit denen sie Stickstoff aus der Luft binden.

Weiter ging es mit Brennnesseln, Eisenhut, einer der giftigsten Pflanzen in Europa, Johanniskraut, das unter anderem mit Gold gedüngt wird, und vielen anderen Pflanzen, als sich plötzlich eine Frau zur Gruppe gesellte, die etwas aus der Zeit fiel und sich als Frau Meyerling vorstellte. Sie habe eine Verabredung mit Dr. Steiner, behauptete sie. Bald schon stellte sich heraus, dass es sich um einen Zeitsprung handeln musste und die Dame in die Zeit vor hundert Jahren entführte.

Frau Meyerling, hinter der sich Susanne Lutz verbarg, erwies sich als Verehrerin Steiners und vermittelte interessante Dinge über den Begründer der Anthroposophie. Er habe Goethes Werke rezipiert und neben der biologisch-dynamischen Landwirtschaft auch weitere neue Konzepte wie die Waldorfpädagogik und die Eurythmie entwickelt. Zusammen mit der Frauenärztin Ita Wegmann begründete er die anthroposophische Medizin. Durch und mit der Natur habe er die Menschen heilen wollen. Den Boden habe er als das Verdauungsorgan der Pflanzen begriffen, der sauber gehalten werden müsse. „Hinter dem florierenden Weltunternehmen sehe ich die Gedanken Steiners“, zollte die Zeitreisende der Weleda tiefen Respekt.

Alles geschieht im Zeichen der Lemniskate.“

Heike Groll

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