Die Radler wollen was abhaben von den Autostraßen

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Die Forderung: ein echte Radspur um die Altstadt.
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Aktivisten der Critical Mass radeln den neu ausgewiesenen Altstadtring ab – und machen einen Alternativvorschlag.

Schwäbisch Gmünd. Es ist ein miserables Zeugnis, das Volker Nick dem neuen Rad-Altstadtring ausstellt: „Keine einzige Stelle wurde im Sinne der Radfahrenden verbessert. An keiner Stelle wurde das Fahrradfahren sicherer, an keiner Stelle wurde es zügiger.“ Der Gmünder Radkurier war der Hauptredner bei der aktuellen Rad-Kundgebung der Critical Mass am Freitag, die sich zweimal im Uhrzeigersinn um die Stadt bewegte: einmal auf der Route des von der Stadt mit großen Boden-Piktogrammen ausgewiesenen neuen Altstadtring. Einmal auf einer Runde, die die Critical-Mass-Radler als bessere Alternative ansehen. Mit mehr Platz, und Platz, der Sicherheit bietet, weil er nur für Radler da ist: „Der Fahrradverkehr braucht eigene Spuren. Diese Spuren müssen durchgängig sein und breit genug.“ 

Volker Nick und seine Mitstreiter hatten eine Reihe von Kritikpunkten am Altstadtring:

Zu langsam: auf dem unteren Marktplatz, in der Kappelgasse, in der Vorderen Schmiedgasse – dort überall gilt Schrittgeschwindigkeit. „Zügig vorankommen“, wie Nick sich ausdrückt, das wollen schließlich auch radelnde Verkehrsteilnehmer, so das Argument. Auf dem neuen Altstadtring gelinge das nicht. 

Zu schnell: Es ist gewissermaßen das gegenteilige Problem: in der Uferstraße, an den Querungen der Königsturmstraße und der Parlerstraße – überall dort begegnen Altstadtring-Radler Autos, für die Tempo 50 gilt.

Zu viele 90-Grad-Knicke: „Alle paar Meter wird man in 90-Grad-Abzweige geführt“, sagt Nick. In der Turmgasse, in der Gemeindehausstraße, in der Waldstetter Gasse – viel zu oft müssen Radler auf dem Ring gefährlicher und bremsende Ums-Eck-Situationen bewältigen, so die Kritik.

 Zu viele Autos: Volker Nick sieht auf dem Atstadtring „jede Menge Dooring-Situationen“ – ein Szenario, in dem Radfahrer von einer sich öffnenden Autotür („door“ auf englisch) überrascht oder gar getroffen werden. Zum Beispiel in der Gemeindehausstraße. Das Mittel zur Vermeidung solcher Konflikte und Gefahren: eigene Radspuren.

Zu viele Fußgänger: Das Problem, dass geteilter Raum Gefahren schafft, gilt nach Ansicht der Rad-Aktivisten auf dem Altstadtring genauso fürs Zusammenspiel von Fußgängern und Radfahrern. Etwa in der Kappelgasse, am Schillersteg, unterm Zeiselberg, beim Forum Gold und Silber.

 Jonathan Calame-Rosset ist oft mit dem Rad in Gmünd unterwegs, aber der Critical-Mass-Teilnehmer kannte den Altstadtring noch gar nicht in allen Details. „Klar, dass ich da gar nicht fahren will“, habe er öfter gedacht bei der Proberunde.

Volker Nicks Fazit fällt vernichtend aus: „Alles, was ein Fahrradring haben sollte, hat der städtische Radring Altstadt nicht. Alles, was ein Fahrradring auf keinen Fall haben sollte, hat dieser Radring. Dieses Konstrukt ist die Farbe nicht wert, die es gekostet hat. Dieser Radring Altstadt hilft niemand. Er kann weg.“

 Viel tauglicher finden die Aktivsten, den Alternativvorschlag, den sie auf ihrer zweiten Runde abfuhren: auf der Remsstraße, der Königsturm- und Klösterlestraße, dann in der Rektor-Klaus-Straße. „Vielleicht ist Euch aufgefallen, wie viel Platz da war“, fragt Timo Leister rhetorisch bei der Verabschiedung der Mitradler?

Da wäre Raum für den wirklich tauglichen City-Ring für Radler, argumentiert Volker Nick. „Der von uns gefahrene und eingeforderte Radring um die City findet fast vollständig auf Straßen statt, die dreispurig ausgebaut sind.“ Man müsste ihn halt umverteilen, den Platz: „Alle drei Spuren werden von Autos dominant in Anspruch genommen, die dritte Spur fast immer als Abbiegespur. Dafür wird den Radfahrenden eine sichere und zügige Fahrradspur vorenthalten.“ Es sei ein Beispiel dafür, „warum es nicht voran geht mit der so dringend benötigten Verkehrswende in Gmünd.“

Farbe, die nichts bewirkt? Die Critical-Mass-Radler finden den neuen Altstradtring untauglich.

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