Die Stadt Welzheim wird bunter

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In der Unterführung am Fuchshof haben Janosch Müller und Cedric Schiele aus Welzheim eines ihrer Graffiti-Kunstwerke angebracht – und das vollkommen legal.

Zwei Graffiti-Künstler verschönern die Stadt mit Schriftzügen, Landschaften und anderen Motiven – und ein großes Werk steht noch an.

Welzheim

Graffiti sind Geschmackssache – aber beileibe nicht nur. Streng genommen gilt das Sprühen von Farbe an Wänden sogar nach Paragraf 303 des Strafgesetzbuches als Sachbeschädigung – aber nicht, wenn man vorher fragt und die Erlaubnis bekommt. Wie Janosch Müller und Cedric Schiele aus Welzheim. Und wegen der beiden kommt in der Stadt jetzt kräftig Farbe ins Spiel.

Die beiden Jungs stehen am Busbahnhof in Welzheim und schauen ein bisschen verlegen drein. Dabei gibt es zur Verlegenheit gar keinen Anlass: Die Wände des Wartehäuschens leuchten in vielfältigen Grüntönen und zeigen die Landschaft rings um die Limesstadt, während hinter der überdachten Sitzbank die Waldbahn auf den Beobachter zudampft. "Das haben wir mit dem Stadtrat so abgesprochen", sagt Janosch Müller.

Warum nicht ihre Heimatstadt mit der Spraydose verschönern? Diese Idee hatten Janosch Müller (22 Jahre, studiert Mathematik und Kunst auf Lehramt) und Cedric Schiele (21, macht gerade sein Fachabi in Aalen). Und da ihnen der Sinn nach Kunst stand und nicht nach Krawall, schrieben sie eine E-Mail an die Gemeindeverwaltung. Die war überrascht, aber angetan, und lud die beiden zu einer öffentlichen Gemeinderatssitzung ein. Dort durften sie ihre Ideen vorstellen. "Wir hätten nie gedacht, dass das so glatt läuft", meint Janosch Müller. Eigentlich hatten sie weit mehr Widerspruch erwartet, aber der kam nicht. Also machten Janosch Müller und Cedric Schiele sich ans Werk.

In der Unterführung am Fuchshof steht das alte Wallenzin in Großbuchstaben dem modernen Welzheim an der anderen Wand gegenüber, auch hier umgeben von reichlich Grün. Auf verschiedenen Stromkästen versteckt sich ein Frosch in der Wiese, bieten bunte, grafische Bilder ein farbenfrohes Ganzes oder spazieren winzige Strichmännchen eine schwarz-weiß angedeutete Backsteinmauer entlang.

Wir hätten nie gedacht, dass das so glatt läuft.

Janosch Müller, Graffiti-Künstler

"Die Stadt hat sich gewünscht, was für eine Art von Motiven sie will", sagt Cedric Schiele. "Aber frei gestalten durften wir schon", ergänzt Janosch Müller. Geld gibt es übrigens keines dafür, aber die Stadt übernimmt die Kosten für das Arbeitsmaterial. Zum Einsatz kommen unter anderem spezielle Acryllacke, und die werden beileibe nicht nur mit der Spraydose aufgetragen, sondern auch mit dem Pinsel, dem Schwamm und manchmal sogar mit der Hand.

Wenn die beiden sich in den Sommerferien an ihr größtes Projekt wagen, wird es spannend, denn dann ist der Welzheimer Wasserturm an der Reihe, verschönert zu werden. Die untersten fünf Meter bekommen ein Makeover, und dafür muss extra ein Gerüst gebaut werden. Thema: Wasser, natürlich. Und das wird mit Sicherheit länger dauern als die Arbeit an der Bushaltestelle. Mit der waren die beiden nach knapp drei Tagen fertig.

Cedric Schiele gefällt es, das Aussehen der Stadt kreativ zu verändern. "Wenn ich herkomme", meint er, "dann kenne ich mich überall aus. Hier bin ich zu Hause." Und Welzheim wird, wenn die beiden jungen Künstler fertig sind, ein gutes Stück bunter sein.

Simone Dorra

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