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Die vegane Kuttelbowl

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Bernd Müller
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Bernd Müller über kreative Kraft, die der Menschheit neue Food-Erlebnisse beschert.

An Billig-Dirndl aus Polyester und Lederhosen-Imitate sind wir inzwischen gewöhnt in dieser herbstlichen Jahreszeit. Inzwischen gibt’s eine neue Ausbaustufe des Oktoberfesthype: innovative Kreationen, die essbares Kulturgut aus Bayern kulinarisch-kunstvoll zitieren. Zum Beispiel die „Ofen-Weißwurst“, erfunden von einem Discounter (400 Gramm für 2,99 Euro), eine Art hellgelber, ansatzweise hefezopfförmiger Leberkäs zum Aufbacken, serviert in einer dekorativ-appetitlichen Aluschale. Oder die tiefgekühlte „Pizza Oktoberfest“, für nur 1,99 bei einem Konkurrenten, mit Weißwurstscheiben als Belag, samt Sauerkraut, Zwiebeln, Schnittlauch. Dekorative „Oktoberfest-Cupcakes“ in weiß-blauer Rautenpappe lassen sich dazu im Netz bestellen, mit kleinem Marzipan-Maßkrug oder einer mutmaßlich klebrigsüßen Mini-Brezn als Deko drauf. Werte Damen und Herren Food-Designer, nicht schön, wie Ihr den Bayern ihr heimatliches Essen verhunzt. Andererseits: so bleiben wir Schwaben vielleicht noch unter Eurem Radar. Ob wir aber dauerhaft sicher sind vor so viel kulinarischer Kreativkraft? Maultaschen-Burger sind ja schon gesichtet worden. Und früher oder später werden sie kommen: der Rostbraten-Wrap, die Kässpätzle-Tacos - und die vegane Kuttelbowl.  Bernd Müller

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