Die "Wilde Wefzg" sticht nur digital

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Da weinen nicht nur die "Wilden Wefzgen" der 1. Wexhainer Narrenzunft: Der Nachtumzug zum Himmelsgarten und alle anderen Fasnetsveranstaltungen müssen pandemiebedingt abgesagt werden.
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Die 1. Wexhainer Narrenzunft muss ihre Fasnetsveranstaltungen erneut absagen. Was die jüngste Gruppe in der Region - mit Heimvorteil im digitalen Raum - als Alternative geplant hat.

Schwäbisch Gmünd-Wetzgau

Es ist dieser Traum von einer Handvoll Konfetti, mit einem Lachen in die fröhlich feiernde Menge geschleudert. Das ist der Traum, den die Aktiven der 1. Wexhainer Narrenzunft nicht aufgeben - auch, wenn sich die Erfüllung um ein weiteres Jahr verzögert. "Wir haben lange mit uns gerungen. Unsere ersten Pläne sogar noch mal abgespeckt", erzählt Zunftmeister Robin Kucher. Doch es geht nicht: Der für den Freitag, 7. Januar geplante Nachtumzug zum Saisonauftakt ist abgesagt.

Niemand begleitet also die "Wilde Wefzg" aus dem Turm der Kolomankirche, wo sie seit Aschermittwoch eingesperrt ist, in den Himmelsgarten. Niemand darf einen Narrensprung live erleben, auch nicht die Taufe der neuen Mitglieder der jüngsten Zunft in der Region. "Humor und Lachen sind für uns trotzdem wichtig. Sie tragen uns durch diese besondere Zeit", ist sich Robin Kucher sicher und kündigt deshalb eine tolle Fasnet an auf einem Spielfeld, auf dem die Jugend "Heimvorteil" habe. "Das gibt ein echtes Überraschungspaket", verspricht der 21-Jährige digitale Veranstaltungen, die dem witzigen Narrensprung samt -taufe vom vergangenen Jahr in nichts nachstehen.

Allzu viel will der Zunftmeister nicht preisgeben, schließlich soll jeder Besuch auf der Homepage der Wexhainer, die auch in Facebook, bei YouTube oder auf Instagram aktiv sind, spannend sein. Doch so viel lässt er sich im Gespräch entlocken: Die Maskengruppen der Zunft werden sich in pfiffigen Videos vorstellen. Denn wer kennt schon die Geschichten, die hinter den Gloggenglauern, den Hofgeistern und den Taubentalhexen stehen? Überlieferte Erzählungen von Reichtum und Laster von Diebstahl und Strafe. "Historisches aus dem Kontext von Wetzgau, das einfach in die Fasnet als Brauchtumsveranstaltung passt", findet Robin Kucher. Weshalb er die Videoparade der Narrenfiguren auch noch ergänzen will durch Zeitzeugenvideos. Die sollen Anekdoten zutage fördern wie etwa die Geschichten vom legendären Dorfbüttel Hirten-Franz, der unter anderem einer häufig betrunkenen Bäuerin einen frivolen Streich spielte.

Darüber hinaus findet die junge Zunft der Wexhainer, dass Wetzgau sein eigenes Fasnetslied braucht - und plant nicht nur das, sondern auch ein Musik- und Tanzvideo. Schließlich soll auch in der digitalen Fasnet besondere Stimmung aufkommen.

Darüber freuen sich die "Wilden Wefzgen" und ihre Begleiter im übrigen: "Wir sind als Jüngste sehr gut aufgenommen worden im Kreis der Zünfte", erzählt Robin Kucher glücklich von anerkennenden Kommentaren über die Wexhainer Masken beim Fasnetsauftakt am 11. November. Auch dass in der allerersten Saison der Wexhainer, die im übrigen auch nur digital ablaufen konnte, über 20 Zünfte aus ganz Baden-Württemberg teilgenommen haben, macht die Wetzgauer stolz.

Deshalb wird diese virtuelle Gaudi 2022 auf jeden Fall eine Fortsetzung finden, berichtet der junge Zunftmeister von bereits laufenden Abstimmungen und einer guten Zusammenarbeit der Narrenzünfte in der Region. Ganz abgesehen davon dürfte auch die Narrentaufe wieder ein Highlight werden. Denn Corona zum Trotz hat die 1. Wexhainer Narrenzunft auch 2021 neue Mitglieder gewinnen können, die selbstverständlich standesgemäß in den Kreis der Gleichgesinnten aufgenommen werden sollen. Insider haben noch immer die lustig-mutige Eiswasser-Challenge der ersten Wexhainer Narrentaufe in Erinnerung. "Was wir diesmal machen, ist noch nicht entschieden", sagt der Zunftmeister, wohl wissend, dass die Messlatte hoch liegt.

Klar, "die Fasnet lebt von Begegnungen. Eine digitale Ausgabe ist deshalb nur ein kleiner Ersatz", gibt Robin Kucher zu. Doch in dieser schwierigen Zeit mit vielen Menschen ausgelassen zu feiern, sei das falsche Signal - auch mit Blick auf diejenigen, die tagtäglich um das Leben der schwer Erkrankten kämpfen müssen. Weshalb die jungen Wexhainer sich nicht beklagen, sondern das beste aus der Situation machen wollen. Und sich freuen auf 2023, wenn die "Wilde Wefzg" dann noch mehr Kraft gesammelt hat und wilder und umtriebiger denn je agiert, sobald sie aus der dunklen Kammer im Turm entlassen ist.

"Humor und Lachen tragen durch diese Zeit."

Robin Kucher,, Zunftmeister

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