Dilek Güngör: „Du willst nicht ausgesondert werden“

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Auftakt mit Lesung, im Oktober folgt ein Schreibworkshop: Schulpatin Dilek Güngör am Scheffold-Gymnasium.

Die aus Gmünd stammende Schriftstellerin Dilek Güngör ist nun Patin am Scheffold-Gymnasium.

Schwäbisch Gmünd. Ja, unbedingt, sagt Dilek Güngör, wenn man sie fragt, ob heutige Schüler noch Interesse am Schreiben haben. Für sie ist es ein Beruf; die aus Gmünd stammenden Autorin war am Mittwoch zu Gast im Scheffold-Gymnasium.

„Wie haben Sie Ihre Schulzeit erlebt?“, wollen Aman und Annika wissen, die beiden Moderatorinnen aus der Kursstufe 2. Eine „schöne Schulzeit“ habe sie gehabt, erzählt die Autorin, „aber Momente gab‘s immer wieder, in denen man getroffen war und gekränkt, aber man entwickelt eine dicke Haut.“

„Schaut mal, die Dilek“

Dilek Güngör hat immer wieder mal ihr Anderssein als Kind türkischer Eltern gespürt oder zu spüren bekommen. Gar nicht immer negativ, wie sie erzählt: „Du willst nicht ausgesondert werden, auch nicht positiv – `schaut mal, die Dilek, die hat ja so schön Deutsch gelernt´“.

In ihrer Gmünder Schulzeit vor 40 Jahren war Güngör eines von wenigen Kindern mit ausländischen Wurzeln. „Heute haben etwa 50 Prozent der Kinder an unserer Schule Migrationshintergrund“, erzählt Schulleiter Bernd Gockel. An seiner Schule ist Dilek Güngör nun Patin fürs Schwerpunktthema „Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage“; die Lesung war nur der Auftakt, im Oktober soll es eine Schreibwerkstatt für Schülerinnen und Schüler mit ihr geben.

Wie sie arbeitet, wie sie zum Schreiben gekommen ist, auch das war Thema der Schülerfragen im Musiksaal der Schule. Dilek Güngör erzählt von Glück, von Zufällen, aber auch vom Ja-Sagen und etwas wagen: „Ich bin immer ein bisschen in eine Richtung geschubst worden.“

„Ich hab‘ immer ja gesagt“

Mit einer Kolumne in der Berliner Zeitung hat es angefangen, weil sie von Kollegen gefragt wurde, ob sie das nicht machen will. „Ich hab‘ einfach immer ja gesagt. Macht auch Dinge, von denen ihr denkt, ich kann‘s doch nicht. Probiert‘s einfach“, sagt sie den rund 200 Schülerinnen und Schüler. „Ich wünsch Euch allen, dass ihr Menschen um Euch habt, die Ideen haben und Euch Vorschläge machen.“

Workshop mit der Autorin

Ausprobieren sollen sich die Schülerinnen und Schüler des Scheffold im Schreibworkshop am 20. Oktober dürfen, mit eigenen Texten zu Themen wie Herkunft, Identität und Zugehörigkeit.

Dabei gehe es nicht ums Ergebnis, sagt Dilek Güngör, sondern auch um das, was dem Schreiben vorausgeht. „Vor dem Schreiben muss man ja genau nachdenken.“ Gedanken sortieren und Gefühle: „Wie kann man auf Ideen kommen, wie kann man ein Gefühl, das man hat, in Worte fassen? Das ist etwas Wunderbares; vielleicht habt Ihr Lust mitzumachen.“

Dilek Güngör - ihre Anfänge, ihre Themen

Vater und Tochter: „Vatersprache“ ist der Titel ihrer ersten Kolumne in der Berliner Zeitung. Das Thema blieb: Es wurde eine „Vaterkolumne“, wie sich Dilek Güngör ausdrückt. 2021 folge der Roman „Vater und ich“. Das Verhältnis zwischen den Generationen ist eines ihrer bestimmenden Themen.

„Ich bin Özlem“: So heißt Güngörs zweiter Roman. „Es ist ganz verkorkster Titel, ich bin wirklich schlecht im Titel machen“, sagt sie. In dem Buch geht es ums Anderssein, das Roman-Thema sei ihr bei einem Streit im Urlaub mit Freunden gekommen: „Im dem Moment war mir klar geworden: Du kannst dich noch so sehr anstrengen, noch so viel Erfolg haben, du bleibst immer die andere.“   mü

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