Doch kein Wolf? Ein Wolfsexperte schätzt die Chance auf 50/50

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Wolfsexperte aus Schlat schätzt die Chance auf 50/50.

Wildtierbeauftragter aus Bartholomä: „In sehr vielen Fällen waren es wildernde Hunde.“ Wolfsexperte aus Schlat schätzt die Chance auf 50/50. Von Dirk Hülser

Ottenbach

Noch immer ist nicht klar, ob es ein Wolf war, der Ende vergangener Woche ein Kalb auf einer Weide in Ottenbach gerissen hat. DNA-Proben werden derzeit im Frankfurter Senckenberg-Institut für Wildtiergenetik untersucht, ein Ergebnis liegt noch nicht vor. „Es war keine eindeutige Todesursache erkennbar“, sagt Andreas Kühnhöfer aus Bartholomä. Er ist der Wildtierbeauftragte des Landkreises Heidenheim und wurde alarmiert, nachdem seine Göppinger Kollegin nicht greifbar war. 

Am ausgeweideten Kalb sei nichts weiter zu erkennen gewesen, „es gab auch keine Fellreste vom Beutegreifer“, berichtet Kühnhöfer. Die Weide sei mit einem Elektrozaun eingezäunt gewesen. Der Experte will nicht spekulieren, ob es tatsächlich ein durchziehender Wolf war, auch andere Möglichkeiten kämen in Betracht. „In sehr vielen Fällen waren es wildernde Hunde“, sagt Kühnhöfer: „Auf einen Wolfsriss in Deutschland kommen 200 Risse durch Hunde.“ Denkbar sei auch, dass das Kalb tot auf die Welt kam und dann von einem Fuchs ausgeweidet wurde.

Auch Hartmut Felgner aus Schlat will sich im Ottenbacher Fall nicht auf einen Wolf festlegen. Der ausgewiesene Wolfsexperte war über Jahrzehnte Referent für Großraubtiere beim Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg und ist dort auch jetzt noch für Wölfe zuständig.  Auf „50/50“ schätzt er die Wahrscheinlichkeit, dass das Kalb in Ottenbach einem Wolf zum Opfer fiel. Es könne aber durchaus ein durchwandernder Rüde gewesen sein, glaubt Felgner. Das sei jetzt die Jahreszeit, wo die männlichen Jungtiere von ihren Rudeln verstoßen werden, um Inzucht zu verhindern. 80 bis 100 Kilometer weit könne ein solcher Wolf pro Nacht zurücklegen. „Sie laufen auf jahrhundertealten Routen, die sie im Instinkt haben.“ Felgner vermutet, dass – sollte es ein junger Wolf gewesen sein – das Tier in Richtung Bayerischer Wald unterwegs war. 

Karin Schindler aus Zell u.A. hat schon Wölfe in in ihrem heimischen Jagdrevier gesehen. Sie ist selbst aktiv beim Nabu. „Wir haben immer wieder Wanderwölfe“, erzählt Schindler, erst im vergangenen Jahr habe sie wieder einen gesehen. „Solange das keine residenten Tiere sind, ist das kein Problem.“ Aber „ich wäre nicht glücklich, wenn er sich hier ansiedeln würde.“

Was den aktuellen Fall in Ottenbach angeht, glaubt Karin Schindler nicht, dass die DNA-Untersuchung in Frankfurt etwas zutage fördert: „Wenn es zum Senckenberg-Institut geschickt wird, kommt als Ergebnis nie ein Wolf raus, weil das nicht sein darf.“ Sie geht davon aus, dass es viel mehr Risse durch Wölfe gibt, als bekannt ist – aber: „Man will ja auch die Bevölkerung nicht verunsichern.“ Zudem gebe es mittlerweile viele Wolfshybriden, also Mischlinge aus Wolf und Hund, die von ihren Besitzern ausgesetzt wurden und durch die Wälder streifen. Auch diese stellten eine große Gefahr dar.

Gemse und Luchs

Jägerin Karin Schindler aus Zell u.A. hat in ihrem Jagdrevier diverse Fotofallen angebracht. Sie sagt: „Wir haben immer wieder interessante Tiere auf den Kameras. Vor ein paar Jahren sogar mal eine Gemse“. Immer wieder erwische eine Kamera auch Luchse, die auf der Durchreise sind. Es gebe auch Luchse, die mit Peilsendern ausgestattet sind. „Einer ist mal vom Schurwald nach Aalen gewandert“, berichtet Schindler. „Die haben riesige Reviere.“

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