Ein kleiner Herrscher für Straßdorf

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OB Richard Arnold (l.) enthüllte die Skulptur von Andreas Futter. Rechts Ortsvorsteher Werner Nußbaum. ⋌Foto: Jan-Philipp Strobel
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Andreas Futters Skulptur vor dem Bezirksamt enthüllt.

Schwäbisch Gmünd-Straßdorf. „Straßdorf wird als Kunstdorf wahrgenommen!“, würdigte Oberbürgermeister Richard Arnold den Ortsteil in seiner Rede zur offiziellen Enthüllung des „Herrscher“, eine neue Plastik des Künstlers  Andreas Futter aus Metlangen. Die „Wege zur Kunst“ mit zwölf Plastiken führen rund um Straßdorf, so der OB, diese Plastik vorm Bezirksamt in den Ort selbst. „Wem sieht er ähnlich?“, fragte Arnold nach der Enthüllung.

Ein Hochstapler?

Andreas Futter antwortete. Keine eindeutige Antwort, denn das würde der Skulptur nicht gerecht. Man muss sich ein wenig Zeit nehmen, um diesem Herrscher näher zu kommen. Grad, wenn man glaubt, seinen Gesichtsausdruck eingefangen zu haben, dann den Kopf ein wenig neigt, muss man erkennen: Das, was ich gesehen habe, ist nicht alles. Der Herrscher verändert mit der Bewegung des Betrachters seinen Gesichtsausdruck. In seiner kulturkenntnisreichen Rede entführte der Künstler sein Publikum in Literatur und Schauspiel. Das Werk mit einer Krone, die doppelt so groß wie der Kopf ist, das Gesicht mit Knollennase, der Körper vornübergebeugt, die Hände überm Knie, auf einem Thron, der eher ein Stuhl ist, scheint kein Herrscher zu sein. „Ist er ein König am falschen Platz, ein Hochstapler?“, so Futter. Man möge ihm gut zusprechen: Setz dich erst mal ordentlich hin!

Oder ist er so selbstbewusst, dieser Kronenträger, dass er vermittelt, innere Werte sind entscheidend? Eigentlich sei es riskant, einen gekrönten Herrscher vorm Rathaus zu haben, fuhr der Künstler fort, denn das Rathaus wolle ja nicht abweisend, autoritär  wirken. Hier sei nicht Big Brother vor der Tür, sondern eher der Small Brother, der kleine Bruder. Der dem Besucher des Bezirksamts ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Ein Herrscher, der tief in uns hineinschaut, um zu vermitteln: „Wir sind die Herrscher unseres Lebens!“ Passend dazu brachte der Musikverein Straßdorf unter Leitung von Stefan Klotzbücher Jimmy Cliffs „You Can Get It If You Really Want“.

Es war ein kleines Fest auf dem Vorplatz des Bezirksamts, zu dem sich viele einfanden. Mit einem flotten Medley aus Film- und Popmusik starteten die Musikerinnen und Musiker. Ortsvorsteher Werner Nußbaum war erfreut, dass die Enthüllung des „Herrscher“ das 20-jährige Bestehen der „Wege zur Kunst“ markiert, die die bildhauerischer Tradition Schwäbisch Gmünds sichtbar machen. Möglich wurde der Erwerb dieser Skulptur durch den Förderverein und den Ortschaftsrat: „Heute sind wir wieder um eine Attraktion reicher“, endete Nußbaum. Er dankte allen, die mit Tat und Kraft das Aufstellen ermöglichten. 

Anderer Standort

Ob der „Herrscher“ an seinem jetzigen Platz neben der Garage beim Straßdorfer Bezirksamt bleiben wird, ist noch offen. Oberbürgermeister Richard Arnold wünscht sich einen anderen Platz. An der Straße, meint er, solle er platziert werden, damit er für Vorbeifahrende und -gehende sichtbarer werde. Das wird sicherlich noch diskutiert. Aber bis dahin schaut der Herrscher auf seine Betrachter herunter, vielleicht mit „Ihr könnt mir nix vormachen!“ Oder besinnlich, abgeklärt mit der Aussage: „Nichts Neues, was ihr da macht!“ ⋌Gise Kayser-Gantner

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