Ein Ostergarten voller Lokalkolorit

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Ewald Sehl hat sich auch von Corona nicht abhalten lassen und in Tierhaupten wieder seinen wunderschönen Ostergarten aufgebaut.

Warum Ewald Sehl aus Tierhaupten jedes Jahr aufs Neue vor seinem Haus eine prachtvolle Landschaft aufbaut und was man dort in diesen Tagen alles bestaunen kann.

Täferrot-Tierhaupten

Es sind rund 3600 bunt bemalte Ostereier, die derzeit im Vorgarten der Familie Sehl in Tierhaupten in der Frühlingssonne leuchten. Als Ewald Sehl vor rund 14 Jahren mit seiner Familie nach Tierhaupten zog, vermisste der Rentner im ländlich geprägten Ort das alte Brauchtum eines Osterbrunnens. Mit der Zeit reifte der Gedanke und vor zehn Jahren legte Ewald Sehl los.

Die erste Version des privaten Ostergartens mit Brunnen fiel damals noch relativ bescheiden aus: 60 selbstbemalte Eier in einem Blumenkorb waren das Beiwerk zu einem "Osterzelt". Jahr für Jahr vergrößerte der gelernte Glasbläser seine Osterdeko – geschätzt 3600 Ostereier in allen Größen können jetzt bei Ewald Sehl bewundert werden. Die genaue Zahl kennt der Hobbykünstler selbst nicht, "es ist fast wie eine Sucht", bekennt er schmunzelnd.

Nur Eier bunt anzumalen und zu präsentieren, das war für Ewald Sehl bald zu unspektakulär. Sein Ostergarten sollte einen Bezug zu seiner lieb gewonnenen neuen Heimat erhalten. Also begann er mit Nachforschungen in der Geschichte des kleinen Ortes. Und hat nun in Stationen das dörfliche Leben auf bunten Eiern verewigt. Das Wahrzeichen von Tierhaupten, der "Ochsenkopf", war noch einfach. Sehl stellte ihn mit 499 schwarzen und pinkfarbenen Eiern nach. Aufwendiger geriet die Darstellung der früher im ländlichen Raum gebräuchlichen Hausnamen. Sehl hat sie recherchiert, aufgemalt, den entsprechenden Familien zugeordnet und mit den Wohnplätzen des Ortes auf einer Tafel angebracht. "Die Tafel hat die Umrisse des Ortes", erläutert der Chronist, der bei seinem Hobby wirklich nichts dem Zufall überlässt. Seit drei Jahren ziert eine Tafel in Form der Bundesrepublik den Garten, jedes Bundesland erhielt seinen richtigen Platz, auf Gänseeiern sind die Landeswappen zu bewundern.

Acht Tage benötigt Ewald Sehl für den Aufbau. Angst, dass etwas zerstört wird, hat er eigentlich nicht. "Nur das jüngste Sturmtief hat mir Sorge bereitet." Auf dem "Ereignisbaum" archiviert der Rentner alle Ereignisse, die das Dorfleben geprägt haben, auf Straußeneiern. Hier wird an den Großbrand von 1959, bei dem fünf Häuser den Flammen zum Opfer fielen, ebenso erinnert wie an die tollen Leistungen der Trampolinspringerin Vanessa Imle, die 2017 Deutsche Meisterin wurde.

Die Feste im Jahreslauf der kleinen Gemeinde finden sich im Ostergarten. Akribisch recherchiert liegt die "ganze Welt" den Betrachtern zu Füßen. Zu entdecken sind auch die Tierkreiszeichen und im Hintergrund tanzen "Tierhauptener Jungfrauen" einen Reigen. Als Künstler sieht Ewald Sehl nicht, "eher wie Picasso, nur nicht so perfekt".

Nur das jüngste Sturmtief hat mir Sorge bereitet.

Ewald Sehl

Die Pandemie hat dem kreativen Rentner Zeit gegeben, weitere Exponate zu entwerfen. Als Anspielung auf die im Ort abgelehnten Windkraftanlagen sieht sich ein "schiefes Windrad" dem Angriff eines Rotmilans ausgesetzt, Graureiher und Rebhühner, 20 an der Zahl, beobachten den ungleichen Kampf.

Die örtlichen Vereine, ansässige Familien sowie das ländliche Leben – alles gibt es im Vorgarten. "Neuankömmlinge" finden besondere Beachtung am "Baby-Mobile", der Straußeneikinderwagen darf ruhig jedes Jahr neu bestückt werden. Und mit einem "Herzlich willkommen beim Osterbrunnen Tierhaupten" begrüßt ein "Eierbanner" Vorübergehende.

Bei all der bunten Pracht vermisst Ewald Sehl diesmal aber das karfreitägliche Osterfeuer und das "Eierhurzeln" für die Kinder am gegenüberliegenden Dorfhaus. Die Pandemie habe dies bereits zum zweiten Mal verhindert. Ob es bei Sehls auch an Weihnachten so festlich im Garten zugeht? Nein. "Weihnachten kann jeder", lacht Ewald Sehl, aber das größere christliche Fest Ostern wird privat wohl nur in Tierhaupten in diesem Umfang geehrt.

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