Ein politischer Film bringt sie in die Schlagzeilen

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Nina Gladitz

Im Alter von 75 Jahren starb die Regisseurin Nina Gladitz. Zuletzt war sie wieder in Gmünd zuhause.

Schwäbisch Gmünd. Ihr neues Buch ist kürzlich erschienen, ihr neues Filmprojekt konnte sie nicht mehr verwirklichen: Nina Gladitz, aus Schwäbisch Gmünd stammende Regisseurin, ist jetzt im Alter von 75 Jahren gestorben.

Ihre Kindheit verbringt sie in den 1950er-Jahren am Nepperberg. Auch wenn sie in einem Haus mit Blick über die Stadt aufwächst, der Garten unendlich zu sein scheint, ist die Stimmung gedämpft. Nina Gladitz berichtet in einem früheren Gespräch mit der GT von einem strengen Elternhaus. Viel ist sie mit ihrem „Lieblingsbruder“ Wilhelm unterwegs, der sich später den Künstlernamen Peter Krieg gibt, weil er auch Filmemacher ist und der Name Gladitz in der Szene nicht zweimal vorkommen sollte. Er wird mit dem „Septemberweizen“ besonders bekannt. Die Stadt wächst Nina Gladitz in der Kindheit nicht so richtig ans Herz. Protestantisch erzogen, erlebt sie die katholischen Zeremonien, setzt sich auch mal ins Münster, sieht die Fronleichnamsprozession und fühlt sich immer wieder als Außenseiterin. Manches ist ihr auch unheimlich. Der Heimweg führt über den Stationenweg der Wallfahrtskirche St. Salvator. Täglich erlebt sie dort Leiden und Tod aus christlicher Sicht. Oft habe sie sich auf dem Weg von und zur Schule gefürchtet, vor allem in der Dunkelheit des Winters. Aufgearbeitet hat sie diese Zeit später in einem Film, in dem die junge Franka Zanek die Hauptrolle spielte: „Die steinigen Geheimnisse einer Kindheit“.

Gmünd kehrt sie 1965 den Rücken. Sie ist auf dem Weg zur Filmemacherin, lebt in Berlin. Der Streifen „Zeit des Schweigens und der Dunkelheit“ ist so etwas wie ihr Lebenswerk, auch weil sich das Leben danach verändert. Dabei begibt sie sich auf die Spuren von Leni Riefenstahls Film „Tiefland“, der von 1940 bis 1944 gedreht wird. Als Komparsen soll Riefenstahl im Lager Maxglan in der Nähe von Salzburg internierte Sinti und Roma eingesetzt haben, die später nach Auschwitz abtransportiert wurden. Gladitz findet Zeugen, die Krieg und Konzentrationslager überlebt haben und schwere Vorwürfe gegen Riefenstahl erheben. Einen anschließenden Prozess gewinnt die Gmünderin weitgehend, muss lediglich die Behauptung zurückziehen, Riefenstahl habe Bescheid gewusst und den in Maxglan Internierten Hilfe versprochen, aber nie gegeben. Nina Gladitz ist zu der Zeit auf dem Höhepunkt ihrer Bekanntheit. Später ließ sie wissen, dass ihr von da an der WDR keine weiteren Aufträge mehr gegeben hat.

Die späten Jahre verbringt sie wieder in Gmünd, um hier weiter aktiv zu sein. Sie schreibt das Buch „Leni Riefenstahl – Karriere einer Täterin“, will einen Dokumentarfilm über die Widerstandskämpfer Lina und Alfred Haag drehen. Realisieren konnte sie dieses Vorhaben nicht mehr. Sie starb in der Nacht zum Montag. Kuno Staudenmaier

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