Ein Siedlung voller Pferde

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Der Mann, mit dessen Familie alles begann und die zwei Heimatforscher (v.l.): Michael Schang, Carsten Weber und Jan-Ruben Haller.
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Ponyweg und Trakehnerstraße: Wie ein Stuttgarter Unternehmer zwölf Straßennamen für Bartholomä erfand.

Bartholomä

Wenn Michael Schang durch die Amalienhof-Siedlung geht, läuft er durch ein Stück seiner Familiengeschichte. Gäbe es den Amalienhof nicht, wäre er kein Bartholomäer. Als vierjähriger Bub ist Schang nach Bartholomä gekommen, weil sein Vater und Großvater hier ein Bauprojekt hatten: die Ferienhaussiedlung auf dem ehemaligen Gutshof des Baron von Woellwarth. „Der Plan war, so lange zu bleiben, bis er in die Schule kommt“, erzählt Michael Schangs Mutter Sigrid.“

Alles begann 1969: Der Baron wollte seinen Gutshof mit den dazugehörigen landwirtschaftlichen Grundstücken verkaufen. Bruno Heiler, damals Bartholomäs Bürgermeister, kaufte für die Gemeinde alles auf, um die Nutzung der Flächen so zu steuern, wie sie zur Gemeinde passen. „Dann wurde das Gelände in Einzelteilen weiterverkauft“, erzählt Jan-Ruben Haller, einer der jungen Heimatforscher, die in Bartholomä aktiv sind. Den Baugrund für die spätere Ferienhaussiedlung kaufte die Schwäbische Wohnbau GmbH aus Stuttgart. Projektleiter war Achim Schang, der Vater von Michael Schang.

In dessen Büro sind die zwölf Straßennamen erdacht worden, die heute zu Bartholomä gehören. „Wir haben es zusammen beschlossen, und es ist dann so von allen angenommen worden“, erinnert sich Sigrid Schang. Weil am nördlichen Ende des Baugrunds die Pferdekoppel des Gutshofs gewesen war, kam dort der Koppelweg hin, dann kamen verschiedene Pferderassen an die Reihe: Trakehnerstraße, Ponyweg, Lippizanerweg. Insgesamt elf verschiedene, mit 183 Häusern, die in verschiedenen Bauabschnitten entstanden sind.

Inge und Rolf Kiesel aus Fellbach haben ein Häuschen im Araberweg. Die beiden Rentner gehören, wenn man so will, zu den Ureinwohnern der Amalienhofs. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie hier ihren Zweitwohnsitz, und sie haben nie daran gedacht, ihn wieder aufzugeben. Inzwischen fühlen sie sich zu Bartholomä gehörig: „Wenn ein Fest im Ort ist, dann gehen wir da hin“, sagt Inge Kiesel.

Die Kiesels haben einige Umbrüche erlebt in ihren fast 50 Amalienhof-Jahren. Am Anfang war die Ferienhaussiedlung in Selbstverwaltung organisiert, es lief mehr schlecht als recht. „Es hat nicht funktioniert“, sagt Rolf Kiesel schlicht. Es gab Missgunst und Misswirtschaft, was eben verkommt in Eigentümergemeinschaften. Die Lösung führte zum heutigen Status der Siedlung: „2001 hat die Verwaltung die Infrastruktur übernommen“, berichtet Jan-Ruben Haller. Es sei „der Wunsch vieler Bewohner“ gewesen, erinnert sich Rolf Kiesel. Seitdem gehört der Amalienhof zu Bartholomä, mit allen Rechten und Pflichten, die Kiesels sind froh drum.

In 50 Jahren hat das Ehepaar viel Wandel um sich herum erlebt. Der Generationswechsel ist längst in Gang. Inzwischen verbringen immer mehr Bewohner dort nicht nur ihre Freizeit, sondern wohnen dauerhaft dort, für Singles oder als Alterswohnsitz sind die relativ kleinen Häuser gut geeignet. „Etwa die Hälfte ist dauerhaft bewohnt“, sagt Michael Schang.

Aus den zwei Jahren, die Michael Schang mit seinen Eltern bleiben sollte, ist inzwischen ein halbes Jahrhundert geworden. Die Bartholomäisierung seiner Familie in seinen Kinderjahren sei ein „schleichender Prozess“ gewesen, und sie ist längst abgeschlossen. Heute ist er der Adler-Wirt in Bartholomä, im Amalienhof gehören ihm zwei der Häuser. Was sein Großvater und Vater dort geschaffen haben, findet er nach wie vor beachtlich: „Es war nicht zum Nachteil der Gemeinde“, findet er.

Wenn ein Fest im Ort ist, dann gehen wir da hin.“

Inge Kiesel, , Amalienhof-Bewohnerin, aus Fellbach

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