Eine idyllische Schweinerei

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Alfred Roder zieht junge Wildschweine auf, die ihre Mutter verloren haben – und nimmt dafür einiges in Kauf.

Aalen-Wasseralfingen

Alfred Roder ist in Wasseralfingen bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. "Der mit den Schweinen", heißt es sofort, wenn die Rede auf ihn kommt. Der Hobby-Jäger Roder gibt immer wieder Wildtieren in Not ein Zuhause auf Zeit. Aktuell sind es vier junge Wildschweine. In seinem Hausgarten am Fuß des Schimmelbergs päppelt er sie auf wie Säuglinge.

"Checker" stammt aus Wüstenrot, "Sonja" sogar aus Wiesbaden. Und "die beiden Kleinen", wie Roder sie nennt, kommen aus dem Raum Essingen. Was alle gemeinsam haben: Diese jungen Borstentiere – Jäger nennen sie Frischlinge – haben keine Mutter mehr. Die Tiere wurden von Jägern oder Spaziergängern entdeckt, auch beim Kreis-Veterinäramt ging ein Anruf ein: "Da hat jemand ein Wildschwein gefunden."

Wie Roder hilft: In Abstimmung mit dem Veterinäramt des Landratsamts nahm Roder die Tiere bei sich auf. Zwischen sechs und zwölf Wochen sind sie jetzt alt. Um zu wachsen brauchen sie Nahrung – und zwar rund um die Uhr. Alle vier bis sechs Stunden rührt der 74-Jährige Milch an, bringt die Schale hinaus in den Verschlag im Garten hinterm Haus. Spezielles Pulver zur Ferkel-Aufzucht, gemischt mit Wasser. Wenn die Frischlinge größer sind, füttert er Haferbrei zu, auch gekochte Kartoffeln. Milchpulver zahlt er aus eigener Tasche, "Schrot bekomme ich meist von den Bauern und ein bisschen altes Brot vom Bäcker", erzählt er.

Das Wichtigste ist die Achtung vor der Kreatur.

Alfred Roder, Hobby-Jäger

"Wildschweine sehen schlecht, haben aber einen guten Geruchssinn und ein gutes Gehör", weiß Roder. "Checker kennt meine Stimme schon". Und tatsächlich: Sobald Roder ruft, spitzt der drei Monate alte Keiler die Öhrchen und läuft quiekend in seinem Verschlag auf und ab. Gibt nicht eher Ruhe, bis er Roder um die Beine streichen darf und dieser sich hinunterbeugt, über den borstigen Rücken streicht. "Sonja" und die beiden Kleinsten tollen derweil umeinander und wühlen die Erde – wildschweintypisch – immer wieder ein Stück mit der Schnauze auf.

Es ist eine Idylle im Roderschen Garten, aber eine auf Zeit: In etwa drei Monaten dürfen die Frischlinge zu den "Großen": in Roders Wildschweingehege am Ortsausgang von Wasseralfingen, Richtung Affalterried. Dort hält er schon seit 20 Jahren Wildschweine. Unzählige mutterlose Tiere hat er aufgepäppelt. Als passionierter Jäger rettet er auch Rehkitze vorm Tod im Mähwerk. "Das Wichtigste ist die Achtung vor der Kreatur."

Das tragische Ende des jungen Keilers Olaf

Alfred Roder und seine Wildschweine kamen im März 2018 bundesweit zu trauriger Berühmtheit. Sein etwa ein Jahr alter Keiler "Olaf" büchste aus dem Freigehege am Hang in Richtung Allfalterried aus, lief in den Rohrwang und betrat das Ostalb-Klinikum. Dort spazierte Olaf seelenruhig im Foyer herum, ließ sich sogar streicheln. Nachdem er keine Anstalten machte, das Gebäude zu verlassen, wurde er von der Polizei erschossen.

Immer wieder mal gibt Roder auch Wildschweine ab, zum Beispiel in Tierparks. Seine Tiere werden mit der Zeit oft zutraulich wie Haustiere. Vor Jahren ging er regelmäßig mit einer Wildsau spazieren – ohne Leine.

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