Eins sein - und gegen die Hoffnungslosigkeit

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Rund 500 Wallfahrer haben sich auch vom Regenwetter nicht abhalten lassen und feiern die erste Wallfahrt nach der Coronapause auf dem Bernhardus mit. Foto: Jan-Philipp Strobel

Domkapitular Thomas Weißhaar predigt bei der Bernhardus-Wallfahrt. Weniger Pilger als sonst.

Schwäbisch Gmünd. Beim dritten Mal hat es geklappt: Nach den Absagen in den letzten beiden Jahren konnte Domkapitular Thomas Weißhaar aus Rottenburg zusammen mit rund 500 Wallfahrern den Gottesdienst am Bernhardus-Tag feiern.

Für die gastgebende Katholische Kirchengemeinde Mariä Himmelfahrt Weißenstein begrüßte die Gemeindereferentin Elke Lang die Pilger auf dem Bernhardus. Sie erinnerte an Abt Bernhardus, der ein tiefgläubiger Mann war und dessen Glaube weit in die Gesellschaft hineingewirkt habe. Der 20. August sei ein Feiertag, aber auch ein Tag, an dem vor 80 Jahren die jüdische Bevölkerung aus der Region nach Theresienstadt in den Tod getrieben wurde. Eine Fürbitte später galt diesen Ermordeten.

„Hören wir doch auf mit den Streitigkeiten in der Kirche!“ – mit diesen Worten begann Domkapitular Thomas Weißhaar seine Predigt. Über den Weg der Kirche in die Zukunft werde gestritten, und „es darf auch in der Kirche Auseinandersetzungen geben“. Denn: „Es wird nicht alles bleiben, wie es ist!“, sagte Weißhaar.

Es gehe aber um die Art und Weise der Auseinandersetzung. „Es gibt eben nicht das alleinige Erfolgskonzept, wie es weiter gehen soll, wie unsere Kirchen wieder voller werden.“ In einer Gesellschaft, die immer gewalttätiger diskutiere, sei es nicht gleichgültig, wie in der Kirche miteinander umgegangen werde. „Alle sollen eins sein!“, zitierte Weißhaar das Johannes-Evangelium. Auch erinnerte er an ein Wort von Bundespräsident Steinmaier bei der Eröffnung des Stuttgarter Katholikentages: „Die Welt braucht durch die Kirche keine Verdoppelung ihrer Hoffnungslosigkeit!“

Weißhaar forderte die Gläubigen auf, ihr Glaubenszeugnis in den Alltag, in ihre Begegnungen und auch in ihre Auseinandersetzungen zu tragen. Dort bewahrheite sich, was in jedem Gottesdienst gefeiert wird. Der Rottenburger Domkapitular schloss mit einem Zitat von Albert Schweitzer: „Wer glaubt, ein Christ zu sein, nur weil er in die Kirche geht, der irrt. Man wir ja auch kein Auto, nur weil man in der Garage steht.“

Der Wallfahrtsgottesdienst wurde von der Stadtkapelle Weißenstein musikalisch mitgestaltet. Der Gesang des Männerchores war erstmalig nicht zu hören, was bedauert wurde. „Heute sind erschreckend wenig Pilger da“, meinte einer der Gottesdienstbesucher enttäuscht. „Früher waren es mitunter Tausende!“ Für die, die den Wallfahrtsgottesdienst mit feiern konnten, war es ein schönes Erlebnis. Uwe Beck

Das Schlusswort: Domkapitular Thomas Weißhaar entließ die Pilger mit einer oberschwäbischen Weisheit: „Wo der Herrgott in seiner Güte eine Wallfahrtskapelle baut, da baut der Teufel eine daneben – eine Gaststätte!“ Die kulinarische Verköstigung erfolgte durch den Turnverein Weißenstein.

Rund 500 Wallfahrer haben sich auch vom Regenwetter nicht abhalten lassen und feiern die erste Wallfahrt nach der Coronapause auf dem Bernhardus mit. Foto: Jan-Philipp Strobel

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