Einsame Weihnachtszeit in Herdtlinsweiler

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Die Macher Frank Messerschmidt und Georg Schleicher im Krippendorf in Herdtlinsweiler.

Nach dem Lockdown soll das Krippendorf bis Lichtmess geöffnet sein.

Gmünd-Herdtlinsweiler "Es ist traurig, dass durch den Lockdown unsere Krippenausstellung nicht geöffnet sein darf", sagt Frank Messerschmidt, der mit elf weiteren Teammitgliedern dafür sorgt, dass Herdtlinsweiler eine Krippenausstellung zeigt, die für viele Menschen zur Weihnachtszeit einfach dazu gehört.

Einmal anschauen reicht nicht aus. Denn es lohnt sich, die Krippenausstellung in jedem Jahr aufs Neue zu besuchen. Die Ausstellung wächst, es kommen neue Krippen hinzu, ein neuer Ausstellungsplatz. Es wird daran gearbeitet, die Atmosphäre zu verschönern.

Die Ausstellung wächst

Oberbürgermeister Richard Arnold hat seine Scheune geöffnet. Die elf Teammitglieder um Messerschmidt haben daraus einen verwunschenen wunderbaren Advents- und Weihnachtsraum gemacht. Mit Tannen, Girlanden und Lichtern ist die richtige Weihnachtsatmosphäre entstanden, in der man auch ein Glas trinken könnte zum Aufwärmen, ein Videofilm läuft in Dauerschleife … wenn nicht Lockdown wäre.

Aber vergisst man das und stellt sich vor, man könnte das Weihnachts-Herdtlinsweiler besuchen: Schon kurz nach dem Hofcafé erstrahlen die Lichter. An jeder Krippenstation eine Laterne als leuchtender Leitfaden, damit man keine der zahlreichen Krippen verpasst. Sie sind im Kirchlein, aber auch als Schaukasten oder in der kleinen Garage zu finden oder im neuen "Schaufenster", das an des OBs kleinem Schuppen eingerichtet ist.

Ein Vorhang gibt den Blick in ein Biedermeierzimmer frei, in dem die Heilige Familie versammelt ist. Eine "Krippe" mit erneuerten Wachsfiguren. Alles überstrahlt von einem Kristallleuchter. Auf der Tafel neben dem Fenster die Erläuterung: Angeregt durch "Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern", einem Märchen von Hans Christian Andersen, wurde diese Kulisse entwickelt. Das, was man sich theoretisch kaum vorstellen kann, sieht sehr natürlich und echt aus, wenn es die eigenen Augen schauen. Da muss jemand ein Händchen haben, um Altes und Neues, schier Unvereinbares miteinander verbinden zu können. Das trifft auf Frank Messerschmidt zu, der allerdings schnell hinzufügt, dass die sieben Damen im Team vor der Eröffnung stets für den "Feinschliff" sorgen. Seine Hingabe an Krippen hat er sich aus der Kindheit bewahrt. Da faszinierte ihn eine, die beim "Dinser" im Schaufenster stand. Heute ist er glücklich, weil diese Krippe den Weg nach Herdtlinsweiler fand.

Man kann sich kaum sattsehen an der stimmungsvollen Szenerie. Maria, Josef, das Kind in der Krippe, Ochs und Esel sind überall zu finden. Aber der Stall zeigt sich in vielen Formen. So, wie man sich einen Stall vorstellt, kärglich aus Holz die einen. In eine morgenländische Kulisse mit dräuendem Himmel jene in dem Gedenkkirchlein in der Nähe des Altars. Auf der anderen Seite eine "gebirgige" Landschaft aus einem großen trockenen Holzstück, durchfurcht, mit "Stufen", in die sich Moos krallt und dem Geschehen Farbtupfer versetzt.

Eine ganz eigene Stimmung

Überraschend anders eine Darstellung der Geburt Christi in einem verfallenen Tempel. Für Messerschmidt ein Sinnbild für die neue Zeit im Christentum. Oder eine Krippe aus Italien, umtönt von einem "Ave Maria". Hingebungsvoll arrangierte er die Figuren auf selbstverlegtes Terrakotta und vergaß nicht, auch ein teegebräuntes Leinenstückchen über den Balken zu hängen.

Die Krippen stammen aus vielen Ländern der Welt. Stephan Kirchenbauer-Arnold hat viele von seinen Reisen mitgebracht. Andere wurden und werden gespendet. Kommt eine neue dazu, beginnt das Krippenteam des Dorfes schon ab Ostern mit der Planung. Ideen für die Präsentation werden gesammelt, Aufgaben zur Erledigung verteilt, Requisiten beschafft. Oder wie in diesem Jahr, das Krippenhäuschen gebaut im Schuppen des OB. Zuerst brachte ein alter Herdtlinsweilermer ein Modell. Dann sorgte er dafür, dass ein altes Fachwerkfenster fachgerecht eingebaut wurde für den Blick ins Biedermeierzimmer mit Heiliger Familie.

Dieses Krippendorf hat seine ganz eigene Stimmung. Jede Krippe bekommt ihre eigene leise Melodie. Alles ist liebevoll und gut ausgedacht aufgebaut. Informationen erläutern mehr, als man sehen kann. Aber man kann derzeit nur einige in den "Schaukästen" betrachten. "Aber wenn im Januar wieder die Möglichkeit zum Besuch besteht, bleibt das Krippendorf bis Lichtmess geöffnet", hofft Frank Messerschmidt.

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