Erreichbarkeit der Klinik in 30 Minuten ist „hohes Gut“

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Landrat Dr. Joachim Bläse zur Diskussion über die Neustrukturierung der Gesundheitsversorgung.

Aalen / Schwäbisch Gmünd. Landrat Dr. Joachim Bläse kennt den Ostalbkreis. Der gebürtige Lindacher und langjährige Gmünder Bürgermeister weiß um die Schwerfälligkeiten beim Zusammenwachsen der früheren Landkreise Gmünd und Aalen in den vergangenen knapp 50 Jahren. Deshalb versuche er, die Neustrukturierung der Kliniken „objektiv“ anzugehen, sagt Bläse im Gespräch mit dieser Zeitung. Denn bei diesem Thema „ringen wir nicht nur um die Kliniken, sondern es geht um die Gesundheitsversorgung insgesamt“. Von dieser seien die Kliniken ein Teil neben niedergelassenen Ärzten oder solchen Einrichtungen wie dem früheren Margaritenhospital und heutigen „Haus der Gesundheit“ in Schwäbisch Gmünd. „Nur über die Kliniken zu reden, das wäre zu kurz gesprungen“, sagt Bläse.

Bläse zählt einmal mehr die Möglichkeiten auf:

alles lassen, wie es ist

strukturell eingreifen

ein Zentralklinikum schaffen

Der Landrat selbst schließt dabei „nichts aus“. Die Kreispolitik müsse sagen, was die Maxime ist. Allerdings: Ein Krankenhaus in einem Notfall in maximal 30 Minuten Fahrzeit zu erreichen, ist für Bläse ein „hohes Gut“. Und: Er könne sich nicht vorstellen, „dass der Kreistag etwas anderes will“. Wenn dem so sei, sei man bei der Zweihäusigkeit. Ein einziges Zentralklinikum für den gesamten Ostalbkreis, für das die Wirtschaftlichkeit sprechen würde, wäre dann aus dem Rennen. Bei der Zweihäusigkeit gibt es die zwei aktuell diskutierten Varianten: Ein neues Klinikum zwischen Gmünd und Aalen, die Ellwanger Klinik bliebe dann erhalten. Oder ein Neubau für Aalen und Ellwangen, dann bliebe das Stauferklinikum für den Raum Gmünd erhalten. In beiden Fällen hätte dann der Neubau die Funktion eines Regionalversorgers. Die Ellwanger Klinik oder das Stauferklinikum blieben ein Haus der Basis- und Grundversorgung und würden bei Bettenzahl und medizinischen Disziplinen angepasst. Bläse begründet dies damit, dass eine Doppelstruktur schwierig wäre wegen der gesetzlich vorgeschriebenen personellen Mindestbesetzung. Der Weg des Landrats ist ohnehin eher der entgegengesetzte: Dem Personal- und Fachkräftemangel will der Landrat mit einer Beseitigung von Doppelstrukturen begegnen. Zudem ist er überzeugt: Je attraktiver ein Klinikum ist, desto reizvoller ist dieses für potenzielle Mitarbeiter.

Entschiede der Kreistag für eine der beiden strukturellen Veränderungen, wäre gewiss, dass Immobilien frei werden. In Bezug auf eine Nachnutzung sei noch nichts gemacht worden, doch es sei richtig, sich damit auch jetzt schon zu befassen, sagt Bläse. Dabei sieht der Landrat im Weg des früheren Margaritenhospitals ein Beispiel. Das frühere Krankenhaus ist als „Haus der Gesundheit“ und Dienstleistungszentrum in die medizinische Versorgung des Ostalbkreises eingebunden worden. Angeboten wird dort zum Beispiel ambulantes Operieren, Ergo- und Physiotherapie, Strahlentherapie oder Augenheilkunde.

„Diese Diskussion fiel nicht vom Himmel“, sagt Bläse auf die Frage, ob der Ostalbkreis eine Neustrukturierung der Kliniken hätte früher schon anpacken sollen. Er selbst habe die Entwicklung der Kliniken als Kreisrat über Jahre begleitet. Beschleunigt hätten die Diskussion zunehmender Fachkräftemangel und steigende Verluste. Diese beliefen sich 2019 auf zwölf Millionen Euro und 2020 auf 20 Millionen Euro. Corona habe viel beschleunigt und sichtbar gemacht. In dieser Zeit habe das Klinikum 15 Prozent seiner Kundschaft verloren. Auch setze sich die Ambulantisierung, die zunehmende ambulante Behandlung bislang stationärer Behandlungen, fort. „Jede Entscheidung hat ihre Zeit“, sagt daher Bläse zur nun anlaufenden Klinikdebatte. Michael Länge

Jede

Dr. Joachim Bläse,, Landrat im Ostalbkreis

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