Partys im Bunker: Es bleiben eine Menge Müll und Ärger

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Da hatte jemand die Nase voll von wilden Partys und Müll im Staatswald und weist darum auf Flyern darauf hin, dass das Gebiet nun überwacht wird - dazu hat sich dann noch ein Einkaufswagen vom Discounter gesellt.
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Weil die Partys an und in Bunkern im Staatswald zwischen Bettringen und Waldstetten überhand nahmen, kontrolliert dort nun die Polizei.

Waldstetten/Bettringen

Da hatte jemand genug von wilden Partys und Müll an und in den Bunkern im Staatswald zwischen Bettringen und Waldstetten. Davon ist der Bettringer Karl Stehle überzeugt angesichts von DIN-A4-Flyern, die er an einen Baum längs des Fußwegs zum Staatswald und an einem der Bunker entdeckt hat. Mit Folie gegen Wettereinflüsse geschützt und mit Paketklebeband gesichert, zeigen sie das, was andere hier hinterlassen haben: eine ganze Batterie leere Flaschen und jede Menge Müll.

Stehle sieht die Flyer auf seinen regelmäßigen Laufrunden auf seinem Hausberg. Als Jogger kennt er dort „jedes Wegle“ und weiß auch, dass es bei den Bunkern „immer wieder Festle“ gibt. Dafür hat er durchaus Verständnis, „wir waren alle mal jung“. Doch er sieht auch den Müll, den Unbekannte dort hinterlassen. „Ich schaue da ja schon lange zu“, sagt er, und findet, es wäre schon viel getan, wenn jeder seinen Müll wieder mitnehmen würde. Dass die Verursacher der Hinterlassenschaften offenbar sogar einen Einkaufswagen beim Waldstetter Discounter entwendet haben, um ihre Partyzutaten in den Wald zu schaffen, hat er fotografiert. Der Einkaufswagen habe etwa 14 Tage lang direkt unter dem am Baumstamm befestigten Zettel geparkt, erzählt er. Und mutmaßt: „Wer die Flyer aufgehängt hat, hatte wohl auch die Nase voll.“ Zumindest weiß derjenige offenbar, was nun geboten ist: „Die örtliche Behörde ist informiert. Die Bunker werden jetzt überwacht“, steht nämlich unten auf den Zetteln.

Waldstettens Bürgermeister Michael Rembold weiß zwar, dass es insbesondere während der Zeit verschärfter Pandemieregeln immer wieder „Zusammenkünfte“ gab, „wo sie nicht sein sollten“. Diese Orte im Gemeindegebiet seien auch immer wieder bewusst von den Ordnungshütern angefahren worden. Dass es an und in den Bunkern, die nicht zur Gemeinde gehören, sondern Landes- oder Bundesbesitz seien, jüngst Partys gegeben habe und dieses Gebiet nun überwacht werde, sei ihm jedoch „nicht bekannt“. Dasselbe bei der Bettringer und der Gmünder Verwaltung.

Dass die Aussage auf den Flyern zutrifft, kann hingegen Johannes Brändle bestätigen, der als Revierleiter Bundeseigene Liegenschaften zuständig ist für den Staatswald zwischen Bettringen und Waldstetten. Es habe Partys in und an den Bunkern gegeben, „das waren zum Teil bis zu 80 Leute“, die dort oben in den vergangenen Wochen gefeiert und „eine Mordssauerei hinterlassen“ haben. Und zudem mit Autos und Motorrädern auf den für Fahrzeuge gesperrten Waldwegen zu ihrem Festort gelangt seien. Flaschen seien in und vor den Bunkern zerschlagen worden, jede Menge Müll blieb liegen. „Das geht einfach nicht“, stellt Brändle fest, darum sei die Polizei informiert worden.

Zwei Fälle von Partys im Umfeld der Bunker seien der Polizei gemeldet worden, sagt Rudolf Bihlmaier von der Pressestelle im Polizeipräsidium Aalen. Darum werde die Polizei dort nun „in unregelmäßigen Abständen vorbeischauen“

Eine Mordssauerei.“

Johannes Brändle,

Stress und Gefahr für Fledermäuse und Vögel

Für Fledermäuse sind die Bunker im Staatswald vor allem „ein ganz wichtiges Winterquartier“, sagt Walter Beck vom Naturschutzbund (NABU) in Gmünd. Der Verein zählt etwa 160 Tiere in etwa fünf speziell mit Hohlblocksteinen als Schlafplätzen und schweren Gittern zum Schutz vor Eindringlingen versehenen Bunkern. Dass im Umfeld Partys gefeiert werden, sei zur Zeit „nicht ganz so kritisch“ wie in der Winterschlafphase, aber sicher „nicht gut“, weil Lärm und Licht die Tiere stören. Zwar haben Fledermäuse, die zur Zeit ihre Jungen aufziehen, ihre Wochenstube eher in Häusern oder Baumhöhlen. Jedoch seien auch in den offenen Bunkern vereinzelt Fledermäuse präsent. Und falls ein Muttertier wegen einer Störung sein Jungtier wegtrage, bedeute das Gefahr und Stress. Fledermäuse bekommen in der Regel nur ein Junges pro Saison, sagt Beck, von Verlusten erholen sich die streng geschützten Populationen dementsprechend eher schwer. Vögel könnten bei Störungen ebenfalls ihre Brut verlassen.an

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