Es war eine grandiose Zeit

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Pokalturnier auf dem alten Sportplatz zwischen Lorcher Straße und Rems in den 1960er-Jahren.

Der Turn- und Sportverein Waldhausen wurde vor 120 Jahren gegründet. Die Erinnerungen von Vater und Sohn Reinert geben Einblicke bis in die Anfangszeit.

Lorch-Waldhausen

Vor Kurt Reinert liegen zwei Fotoalben. "Hier, das war meine Gudrun mit ihrer Korbballmannschaft", sagt er, blättert um und lacht: "Und das war beim Fasching in der Holzoper." Bilder erzählen vom Leben im TSV Waldhausen über mehrere Jahrzehnte. Reinert lächelt viel beim Betrachten. Der 72-Jährige trat 1955 als Siebenjähriger dem Verein bei. Ab 1980 hatte er über 20 Jahre das Amt des zweiten Vorsitzenden inne. Heute sagt er: "Es war eine grandiose Zeit."

Der Turn- und Sportverein habe damals das Leben seiner Mitglieder geprägt. "Es gab Feste im Frühling und Herbst, zu Weihnachten und Fasching." Der Sportbetrieb bestimmte viele Wochenenden, und jedes Jahr gab es Skiausfahrten und Wanderungen. "Wir waren eine richtig schöne Gemeinschaft." Für die Jugend damals gab es keine Ablenkungen wie Fernsehen. "Die Kinder waren miteinander beim Sport." Nicht zuletzt lernte Reinert im Verein seine Frau Gudrun kennen. Heute liegen vor ihm neben den Fotoalben weitere Schätze. "Das sind die Protokollbücher des Vereins, von Anfang bis 1967." Dort liest man zum Beispiel von einer Versammlung im Jahr 1904. Auf der nächsten Seite steht groß "Nachtrag". Darunter sind die Vereinsgründer gelistet, die sich am 12. August 1900 getroffen haben. "Sie hatten wohl damals kein Papier zur Hand", vermutet Reinert. In der Festschrift zum 60. Vereinsgeburtstag liest man den 19. August als Gründungstag. In den Protokollbüchern lässt sich aber der 12. August erkennen, trotz verschnörkelter Schrift.

Wie das Vereinsleben in frühen Zeiten war, davon erzählen die Erinnerungen von Kurt Reinerts Vater. Karl Reinert schrieb 1990 viele Seiten über sein Leben auf. Darunter 16 Seiten über den TSV, dem der 1916 Geborene stets verbunden war. Er erzählte von Turnen und Leichtathletik am damals flachen Remsufer hinter dem heutigen Dorfhaus oder von Siegeszügen durch den Ort, wenn die oft erfolgreichen Turner begeistert empfangen wurden. Fußball gespielt wurde ab 1934. Manche Spiele seien "wahre Schlachten" gewesen, wenn zum Beispiel "die Lammgass gegen die Vorstadt" gespielt habe. Und die Partie Waldhausen gegen Weitmars sei wie ein Länderspiel gefeiert worden.

Viel Arbeit reingesteckt

Karl Reinert beschrieb den Bau der ersten Turnhalle, der "Holzoper" im Jahr 1952 ausführlich, weil er und viele Mitglieder viel Arbeit hineingesteckt hatten. Bestimmte Männer hätten den Verein getragen, Reinert nennt zum Beispiel Wilhelm Hudelmaier, "Schorsch" Maile und Gotthilf Kugel. Auch sein Sohn betont: "Der Verein war immer von Menschen geprägt." In erster Linie von Gerhard Anselment. Der 2013 verstorbene Waldhäuser leitete den Verein ab 1962 28 Jahre lang. "Er hat den Verein geeint und nach vorne gebracht." Schnell sei die Mitgliederzahl auf über 500 angewachsen. "Der Verein hatte ein gutes Ansehen im Ort." Nicht zuletzt auch wegen der sportliche Erfolge.

Aktuell steht ein Dreiergespann an der Spitze, Marco Bahmüller, Karin Jezek und Dietmar Haug. Der Verein gehe es gut, er leide aber auch unter dem demografischen Wandel, erzählt Bahmüller. So musste die Fußballjugend aus Mangel an Spielern nach Lorch ausgelagert werden. Die Aktiven und die AH-Mannschaft gehe es aber gut, die Turnabteilung sei stabil und auch im Handball gebe es viel Positives zu berichten. Feste gebe es immer weniger. "Wir halten in erster Linie den sportlichen Betrieb aufrecht." Bahmüller wünsche sich, dass der Verein sein 125-Jahr-Jubiläum groß feiern könne. Kurt Reinerts Wünsche für die Zukunft? "Dass der Verein seinen Mitgliedern weiter eine Perspektive gibt."

Der TSV Waldhausen wurde am 12. August 1900 im Gasthof "Zur Germania" von 28 Männern gegründet. Zu Anfang stand das Turnen im Vordergrund, außerdem wurde Faustball gespielt. Später kamen Fußball dazu, nach 1945 auch Korbball für Damen, dann Tennis.Bevor Anfang der 1970er-Jahre das heutige Sportgelände samt Halle entstand, turnte man beim Dorfhaus. Dort stand bis 1979 eine Turnhalle, die "Holzoper". Gekickt wurde nahe der Rems in der Lorcher Straße. Heute hat der Verein 650 Mitglieder, die sich auf die Abteilungen Fußball, Handball und Turnen verteilen.

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Kurt Reinert

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