Ex-Rapper Ben Salomo: Diskriminierung raubt Freiheit

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Ben Salomo an der Agnes-von-Hohenstaufen

Der ehemalige Rapper zeigt Gmünder Schülern schonungslos den Antisemitismus in Deutschland auf.

  • Ben Salomo: Engagiert gegen Antisemitismus

Schwäbisch Gmünd. Der Antisemitismus in Deutschlands Rap-Szene ist nicht erst seit dem kürzlichen Gil-Ofarim-Skandal oder dem Anschlag in Halle 2019 wieder ein Thema. „Seit Jahren gibt es ein Antisemitismus-Problem im Deutschrap“, wie Ben Salomo, langjähriger Rap-Szene Insider, Hip-Hop-Aktivist und Macher von „Rap am Mittwoch“, aus erster Hand zu berichten weiß. Auch im Alltag sei Antisemitismus in den vergangenen Jahren immer salonfähiger geworden. Mehr als 70 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus würden sich Juden noch immer mit den alten Vorurteilen konfrontiert sehen.

Unter dem Überschrift „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ fand die von der Friedrich-Naumann-Stiftung unterstützte Veranstaltung kürzlich an der Agnes-von-Hohenstaufen-Schule statt. In der Mensa des Beruflichen Schulzentrums begrüßte Schulleiter Jens-Peter Schuller zunächst zwei Klassen aus der Berufsfachschule und zwei Eingangsklassen des Beruflichen Gymnasiums.

Das erste Ziel der Friedrich-Naumann-Stiftung ist „Freiheit“, ein Thema mit dem auch Ben Salomo in seinen Vortrag einstieg. Freiheit bedeute für ihn, frei sein von Diskriminierung – wohingegen Diskriminierung Freiheit raubt. Anhand von Bildern und Video zeigte Salomo schonungslos den Antisemitismus in der Rap-Branche auf. Judenhass und Hetzkampagnen werden dort offen zur Schau gestellt. Der Rap ist ein Spiegelbild der Gesellschaft und hat einen einfachen Zugang in die Zimmer der Kinder und Jugendlichen, „das macht ihn gefährlich“, betonte der gebürtige Israeli.

„Greif den Juden an“

Besonders beeindruckend waren die Berichte aus seinem eigenen, direkten Erfahrungsschatz. So fragte ihn sein bester Freund im Alter von elf Jahren nach seiner Herkunft, was Salomo ehrlich beantwortete. Am nächsten Tag wurde er nach dem Aufruf „Greif den Juden an!“ von eben diesem Freund körperlich angegriffen. Die meisten Menschen jüdischen Glaubens, so Salomo weiter, wagten es heutzutage nicht mehr zu sagen, dass sie Juden sind. Er selbst habe sich jahrelang als Italiener ausgegeben.

Um auf die Entstehung von Judenhass hinzuführen, fragte Ben Salomo die Schülerinnen und Schüler, wer von ihnen einen Juden persönlich kenne. Das Ergebnis: Weniger als zehn Prozent der Anwesenden meldete sich. Nachdem er aber ein paar Vorurteile nach deren Bekanntheit abgefragt hatte, waren etwa 70 Prozent der Hände oben. „Auf der Welt leben etwa 15 Millionen Juden, aber die Gerüchte über sie sind mannigfaltig“, so Ben Salomo. Gerüchte und Lügen seien spannend und vor allem könne jeder mitmachen. „Die Wahrheit hingegen ist oft komplex und langweilig.“

Eine schlimme Erfahrung

Auf die Schülerfrage, was seine schlimmste Erfahrung gewesen sei, schilderte Ben Salomo die Begebenheit auf einer Party, zu der er, gerade volljährig geworden, eingeladen war. Er wurde gefragt, ob er die „Jüdische Hymne“ kenne, was er verneinte, weil es nur ein israelische Hymne gibt. Daraufhin zog sein Gegenüber ein Feuerzeug aus der Tasche und ließ unter Ben Salomos Nase Gas ausströmen. Ein eindeutiger Hinweis auf den Holocaust, bei dem ungefähr sechs Millionen Juden, meist durch Vergasung, getötet wurden.

Ben Salomo an der Agnes-von-Hohenstaufen

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