Festnahmen von Jugendlichen zeigen Wirkung

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Nach den Festnahmen ist es ruhiger geworden.

Die Polizei zieht vier Unruhestifter aus dem Verkehr, die viel Ärger gemacht haben.

Winterbach/Schorndorf. Es war eine Schneise der Verwüstung, die sich nach einer Nacht Anfang Juli durch Schorndorf zog: abgerissene Mülleimer und Zäune und allgemeines Chaos im Stadtpark, mit Feuerlöscher besprühte Autos im Bantel-Parkhaus, eingeworfene Scheiben an der Rainbrunnenschule. Doch das war nur die krasseste Häufung von Vorfällen, es waren in den vergangenen Monaten längst nicht die einzigen dieser Art, und es traf nicht nur Schorndorf.

Nun hat die Polizei vier Jugendliche aus dem Verkehr gezogen, die als Rädelsführer einer größeren Gruppierung gelten, die in wechselnder Besetzung für die Randale in jener Julinacht und für viele weitere Straftaten verantwortlich sein soll: von Sachbeschädigung über Ruhestörung und Gewalt bis zu Raub und Diebstahl.

Die Festgenommenen sind im Alter zwischen 15 und 18 Jahren und kommen aus Rudersberg, Schorndorf und Remshalden. Drei von ihnen befinden sich in Haft, einer ist in einer "geschlossenen Jugendeinrichtung" untergebracht, wie Polizeisprecher Robert Kreidler sagt.

Seit den Festnahmen ist es in und rund um Schorndorf merklich ruhiger geworden, stellt die Polizei fest. Das bestätigt auch der Winterbacher Bürgermeister, dessen Gemeinde in den vergangenen Monaten mehrfach heimgesucht wurde. "Es hat in den vergangenen Wochen nichts mehr stattgefunden", sagt Sven Müller.

Erdbeerstand-Feuer ungeklärt

Noch keine Spur oder mögliche Täter im Visier hat die Polizei mehr als zwei Monate danach für den abgefackelten Winterbacher Erdbeerstand. Doch der ist ohnehin ein Fall für sich: Nachdem kurz danach zwei weitere Stände des Großheppacher Landwirts Martin Bauer in Flammen aufgingen, geht die Polizei weiter der Frage nach einem Tatzusammenhang nach.

Zur Erinnerung: Im Juli brannten in kurzer Folge drei Obstverkaufsstände von Martin Bauer nieder. Zunächst der in Winterbach, dann einer im Gmünder Stadtteil Großdeinbach und schließlich noch einer in Welzheim. Da lag die Frage nahe: Hat jemand was gegen die Verkaufsstände oder gegen Martin Bauer? Und es gab Parallelen zwischen den Fällen: Immer brannte es in den frühen Morgenstunden gegen 4 Uhr oder etwas früher. Ein Polizeisprecher sagte im Juli, dass von einem Tatzusammenhang auszugehen sei. Aktuell sagt Polizeisprecher Robert Kreidler auf Nachfrage: "Es ist weiterhin nicht gesichert, dass es sich um einen Täter handelt." Es gebe bislang keine konkreten Ermittlungsansätze und keine Tatverdächtigen.

In Winterbach war direkt nach dem Brand des dortigen Erdbeerstands spekuliert worden, ob eine Gruppe Jugendlicher dahinterstecken könnte, die in der gleichen Nacht lärmend durch den Ort gezogen sein soll – Spekulationen, die sich durch die Polizei bisher nicht erhärten ließen. Zu den nun festgenommenen notorischen Straftätern ließ sich bislang auch kein Zusammenhang herstellen. "Wir haben keine Hinweise darauf", sagt Robert Kreidler.

Gleiches gilt bislang übrigens für den Brand in der Schorndorfer Rainbrunnenschule, der dort wenige Tage nach der eingangs erwähnten Randale-Nacht gelegt wurde, in der die Scheiben der Schule eingeschlagen wurden. "Die Ermittlungen laufen", sagt Robert Kreidler: "Aus ermittlungstaktischen Gründen" könne er dazu derzeit nicht mehr sagen.

Wie lange hält der Frieden?

Davon abgesehen ist die Tatsache frappierend, dass es sich bei der Welle von Zerstörungswut, Gewalt, Raub- und Diebstahlsdelikten dieses Sommers nicht um die erste in diesem Jahr in und rund um Schorndorf gehandelt hat – und immer standen ähnliche Protagonisten im Zentrum. Bereits um den Jahreswechsel 2019/20 häuften sich die Straftaten, ein Hotspot waren der Schorndorfer Bahnhof und sein Umfeld. Dann nahm die Polizei im März drei Jugendliche fest, die damals als die Rädelsführer beziehungsweise der Kern der Unruhestifter galten, die wie jetzt aus dem ganzen Rems-Murr-Kreis kommen. Tatsächlich wurde es in der Folge ruhiger. Die vier, die jetzt aus dem Verkehr gezogen wurden, waren allerdings laut Robert Kreidler bereits damals dabei.

Wie lange der Frieden dieses Mal hält, wird sich zeigen. Die Gemeinde Winterbach setzt, was die Jugendlichen im Ort angeht, verstärkt auf Prävention. Die Polizei werde weiterhin die im Sommer bewusst hochgefahrene Präsenz im Ort zeigen, sagt Bürgermeister Sven Müller, und Sozialarbeiter Jens Schmierer werde weiter als Streetworker unterwegs sein, das heißt, auf Jugendliche an ihren Treffpunkten im öffentlichen Raum zugehen und Kontakt suchen.

Zudem ist die Gemeinde Winterbach jetzt der Initiative Sicherer Landkreis (ISL) beigetreten. Das ist eine ehrenamtliche Initiative, die sich als Förderverein für die Kriminalprävention versteht. Michaela Kreß und Leo Keidel, beide von Beruf Polizeibeamte und im Ehrenamt für den Verein aktiv, stellten Winterbacher Gemeinderäten ihre Arbeit vor. Die zeigten sich begeistert und stimmten dem Beitritt zur Initiative einhellig zu – bei einem jährlichen Mitgliedsbeitrag von 50 Euro keine schwere Entscheidung.

Reinhold Manz

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