Fische vom Tod bedroht - Strümpfelbach bekommt Wasser-Infusionen

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Viel Steine, wenig Wasser: Der Strümpfelbach in Bettringen steht kurz vor dem Trockenlaufen. Es wäre der sichere Tod für die Fischpopulation.
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Der Bettringer Bach steht kurz vor dem Austrocknen, die Fische vor dem Tod – die Gmünder Stadtwerke sorgen mit einer Spülung von rund 30 Hydranten für ein paar Tage Aufschub.

Schwäbisch Gmünd. Wann der Bettringer Strümpfelbach vollends austrocknet, kann Armin Gold auf den Tag genau vorhersehen: „Der wird normalerweise am Donnerstag aufhören zu fließen“, hat der Gewässerwart des Bezirksfischereivereins Lein-Rems am Mittwoch gegenüber der GT erklärt. „Der Bettringer Bach läuft immer als erstes trocken“, sagt der Waldstetter aus Erfahrung.

Doch Gold hat es geschafft, das wegen der langen Trockenheit scheinbar Unausweichliche noch für kurze Zeit abzuwenden. Der Gewässerwart hat die Stadtwerke als Helfer gewonnen, die am Mittwoch und an diesem Donnerstag rund 30 Hydranten anzapfen, die in der Nähe des Bachs ihren Platz haben. Es werde dabei nicht überflüssig Trinkwasser vergeudet, versichert Armin Gold: „So etwas würde Ihnen niemand machen – und das sehen wir auch vollkommen ein.“

Der Wasserverbrauch - jeder Hydrant wird mit einigen Kubikmetern Wasser gespült – müsse ohnehin sein: „Die Stadtwerke machen das alle sechs Monate, um die Hydranten sauber zu halten, es ist eine normale Revision.“ Nur dass diesmal das Spülwasser nicht in die Kanalisation läuft, sondern aus Hydranten in Herdtlinsweiler, Weiler, Bettingen und Bargau mit Feuerwehrschläuchen in den Strümpfelbach geleitet wird.

Die Wasser-Infusionen, die Gold organisiert hat, geben den Fischen, die im Bettringer Bach leben, noch eine Gnadenfrist. Drei, vier Tage könne man damit das Trockenlaufen hinauszögern, schätzt der Experte. „Es sind nur drei Tropfen auf den heißen Stein.“ Wenn es am Wochenende nicht regnet, worauf Gold und seine Vereinskollegen hoffen („Fünf Liter pro Quadratmeter wären gut“), bedeutet das den Tod für die Fischpopulation. „Die Fische gehen jetzt alle in die Gumpen. Wenn nichts nachläuft, ist dort der Sauerstoff irgendwann verbraucht.“

Kritisch sieht Armin Gold auch die Lage in Waldstetten. „Im Ort ist der Bach am Kippen, das sieht nicht gut aus.“ Darum hat Gold auch bei der Gemeinde Waldstetten angefragt, ob dort eine Hydrantenspülung ebenfalls aktuell machbar ist. Ab der Waldstetter Kläranlage ist die Situation besser: „Der Josefsbach wird wegen der Kläranlage nie trockenlaufen.“ Ohne den Zufluss aus der Böbinger Sammelkläranlage, sagt Armin Gold, sähe auch an der Rems die Lage anders aus: „Was dort im Moment fließt, ist zu 80 Prozent geklärtes Abwasser.“

 

Um die Fische im Strümpfelbach zu retten, falls der schlimmste Fall kurz bevorsteht, könnte man die Tiere mit einer so genannten Elektroabfischung retten und umsiedeln. Dabei werden die Fische durch einen Stromschlag betäubt und dann eingesammelt, sie würden danach in der Rems wieder ausgesetzt. Im Strümpfelbach lebt als „Leitfisch“ die Bachforelle, außerdem Gründling, Elritze und Bachschmerle, erzählt Gold. Im Hitzesommer 2003 habe man das gemacht, nun habe sein Verein sich gegen eine Elektroabfischung entschieden. „Wir lassen das bleiben“, denn es bedeute hohen Stress für die Fische, außerdem sei der personelle Aufwand enorm.

Zur Not muss eben im kommenden Jahr das Gewässer wieder „aufgebaut“ werden, wie es die Fischer ausdrücken. Es werden Fische ausgesetzt, dann wird der Bach für zwei bis drei Jahre gesperrt, so Gold: Fischen wäre verboten in dieser Zeit.

Ob sich das im Fall des so früh vom Trockenlaufen bedrohten Strümpfelbachs in Zukunft noch lohnt angesichts der unausweichlichen Klimaerwärmung, darüber wird diskutiert im Bezirksfischereiverein. Armin Gold: „Es gibt Stimmen, die sagen, wir sollten diese Kleingewässer aufgeben.“

Noch ist genug Sauerstoff im Wasser der Seen

Drei Rückhaltebecken betreut der Bezirksfischereiverein Lein-Rems: Die Stauseen Reichenbach, Rehnenmühle und Götzenbach. Der relevante Wert, damit die Fische überleben, ist die Sauerstoffsättigung, die in zunehmend warmem Wasser geringer wird. Die Seen sind „im gelben Bereich“, aber noch stabil, sagt Armin Gold. In der Nacht, wenn keine Photosynthese stattfindet, sinke dort der Sauerstoffgehalt im Wasser derzeit auf fünf, sechs Milligramm pro Liter. „Das geht noch; kritisch wird es ab drei.“

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