Frust und Aggressionen bei Schülern nehmen zu

  • Weitere
    schließen
+
Der Redebedarf bei Schülern wie auch bei Eltern sei gestiegen.
  • schließen

Schulsozialarbeiter berichten im Sozialausschuss, wie es Schülern und deren Familien während Corona geht.

Schwäbisch Gmünd. „Corona nimmt uns unsere Jugend“, fasst ein Gmünder Schüler zusammen, wie er die Auswirkungen der Pandemie empfindet. Andere Schülerinnen und Schüler meinen, „Videokonferenzen machen Kopfschmerzen“, „mir fehlt der Sport“, aber auch Homeschooling und ausschlafen seien „cool“ und „zuhause kann ich mich besser konzentrieren“. Mit diesen Zitaten geben Schulsozialarbeiter den Stadträten des Sozialausschusses Einblick, wie es Schülern an verschiedenen Schulen – von der Grundschule bis zum Gymnasium – derzeit geht.

„Es fehlt vielen an Zuversicht und Motivation“, erzählt Marisa Desirò, die am Parler-Gymnasium und am Hans-Baldung-Gymnasium als Schulsozialarbeiterin tätig ist, aber auch für die anderen Schulen spricht. Sie und ihre Kollegen nehmen vermehrt Ängste bei Schülern wahr, das reiche bis hin zur Depression. Die Schulsozialarbeiter stellen zudem eine erhöhte Aggressivität bei Schülern fest und verstärkt sexualisiertes Verhalten. Der psychologische Beratungsbedarf steige. Doch die Wartelisten bei Psychologen seien auch vor der Corona-Pandemie lang gewesen – und werden nun noch länger, berichtet Marisa Desirò.

Sie geht auch auf die Situation in den Familien ein. Viele hätten gelernt, mit der Situation umzugehen. Doch „die Ungewissheit belastet alle“. Vor allem, wenn es für Eltern gelte, in mehrere Rollen zu schlüpfen: im Homeoffice zu arbeiten, das Homeschooling zu begleiten und Kleinkinder zu betreuen. Die Angst vor Armut, Krankheit und Freiheitsverlust verschlimmere die Lage noch.

Der Redebedarf bei Schülern wie auch bei Eltern sei gestiegen, sagt Christine Brückner-Weber, Schulsozialarbeiterin an der Hardtschule, auch im Namen ihrer Kollegen. Um sie trotz geschlossener Klassenzimmer zu erreichen, bieten die Schulsozialarbeiter zum Teil Spaziergänge, Videotelefonate oder Onlinekonferenzen an. So haben sich die Schwerpunkte der Schulsozialarbeiter verschoben, die normalerweise in den Klassen oder mit einzelnen Schülern an der Schule arbeiten und Freizeitangebote gestalten.

Die Schulsozialarbeit, die immer ein freiwilliges Angebot sei, erreiche in Schwäbisch Gmünd über 4000 Schüler und könne viel auffangen, meint Christine Brückner-Weber. Doch die Corona-Krise bringe Auswirkungen mit sich, „die wir jetzt noch nicht erahnen können“.

Das sieht Erster Bürgermeister Christian Baron genauso: Die Probleme werden nach der Pandemie nicht von einem auf den anderen Tag weggeblasen sein. Etwa für Schüler, in deren Familien nicht deutsch gesprochen werde, sei der Klassenverband enorm wichtig für ihre Deutschkenntnisse.

Nach dem Bericht der Schulsozialarbeiter nennt Christian Baron die Situation „erschütternd“ und „alarmierend“. Er betont, dass Schulsozialarbeit gerade in Krisenzeiten wichtig sei. Ähnlich äußern sich die Stadträte und signalisieren Zustimmung zu der Frage, ob die Schulsozialarbeit fortgeführt werden soll:

an der Grundschule Hardt mit 75 Prozent,

am Scheffold-Gymnasium mit 50 Prozent,

am Hans-Baldung-Gymnasium mit 50 Prozent,

am Parler-Gymnasium mit 50 Prozent,

an der Schiller-Realschule mit Werkrealschule im Verbund mit 200 Prozent,

an der Rauchbeinschule mit 50 Prozent,

an der Gemeinschaftsschule Friedensschule mit 150 Prozent,

an der Adalbert-Stifter-Realschule mit 150 Prozent,

an der Klösterleschule mit 100 Prozent und

an der Gemeinschaftsschule Mozartschule mit 150 Prozent.

Entscheiden muss darüber der Gemeinderat. Julia Trinkle

Zahlen zur Gmünder Schulsozialarbeit

14 Schulsozialarbeiter sind an insgesamt zehn der 21 Gmünder Schulen tätig, berichtet Manuela Bittner, Einrichtungsleiterin des Canisius-Hauses bei der Franz von Assisi gGmbH, welche im Auftrag der Stadt die Schulsozialarbeiter stellt.

4000 Schüler erreichen die Schulsozialarbeiter, die sich 10,25 Stellen teilen.

840 000 Euro kostet diese Schulsozialarbeit in Gmünd insgesamt. Davon finanzieren das Land und der Landkreis 430 000 Euro, den Rest die Stadt, sagt Klaus Arnholdt, Leiter des Schul- und Sportamts. jul

Zurück zur Übersicht: Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL