Für traurige Fußballer und Entdecker

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Erstmal musste die Wolkendecke aufreißen, damit der Hubschrauber zu Rundflügen starten konnte.

Das Besondere an einem Hubschrauberflug und wie man den Pilotenschein macht.

Gmünd-Wetzgau. Die Vorfreude steht Ilona Veit ins Gesicht geschrieben, die Großdeinbacherin kann es kaum erwarten mit dem Hubschrauber über ihrer Heimat zu kreisen. Zwei Tage lang stand Andreas Goldhofer mit seinem Hubschrauber auf einer Wiese zwischen Wetzgau und Großdeinbach bereit, um Flugbegeisterte mit auf einen Rundflug über Gmünd und Umgebung zu nehmen.

Das Wetter zeigte sich am Samstag nicht sehr kooperativ, "wir müssen unter den Wolken fliegen", erklärt Pilot Goldhofer. Dabei darf das Fluggerät allerdings eine Flughöhe von 500 Fuß – das entspricht 150 Metern über dem Boden - und 300 Meter, sprich 1000 Fuß über bebautem Gelände nicht unterschreiten. Bei Nebel in die Höhe schrauben? "Die Leute wollen doch was sehen" meint Goldhofer.

Ilona Veit wartet immer noch auf ihren Flug. "Granatenmäßig" findet sie die Idee, ihre Heimat von oben zu sehen. Als Seelentrost überlegt sich Edis Talic, mit sechs Personen einen Flug zu buchen: Seine Fußballmannschaft hat gegen Heuchlingen eine 8:1-Klatsche einstecken müssen, "da können die Spieler vielleicht ein Bonbonle vertragen", schmunzelt der Trainer. Das Frühstück bleibt auf jeden Fall drin, lacht eine junge Frau aus Pforzheim. Ihr Freund aus Geislingen hat sie mit einem Rundflug überrascht. Was so toll daran ist? "Der senkrecht nach oben gehende Start."

500 Kilometer weit kommt Pilot Goldhofer mit einer kompletten Tankfüllung. Auf einem Zehn-Minuten-Rundflug schafft man es "ungefähr bis Aalen und zurück".

Die Wolken reißen etwas auf, der erste Rundflug am Samstag kann starten, für sechs Passagiere heißt es jetzt, Maske auf, einsteigen, anschnallen und genießen. Die Rotorblätter drehen sich immer schneller und erzeugen schon mächtig Wind, ein Stück geht es senkrecht nach oben, dann senkt sich die Front des Fluggeräts etwas nach unten und ab geht die Reise über die Landschaft. Zehn Minuten später taucht der Hubschrauber wieder über Wetzgau auf und landet exakt an derselben Stelle. Die Rotorblätter werden langsamer und bleiben schließlich stehen, freudestrahlende Passagiere steigen aus, zwei Runden über Gmünd, und einen Abstecher ins "Hinterland" haben sie gemacht, lacht die junge Frau aus Geislingen, die sich sicher ist: "Das war nicht mein letzter Flug."

Einen Pilotenschein zu erlangen, ist langwierig, aufwändig und teuer, erzählt Goldhofer. Neben einer theoretischen Schulung dürfen die Flugschüler zu Beginn nur zusammen mit einem Fluglehrer hinter den Steuerknüppel. Zum Einstieg werden der Start und das "einfache Geradeausfliegen" trainiert. Später wird das richtige Verhalten in Notfällen simuliert. Nach rund 60 Flugstunden darf man als Privatpilot in die Lüfte steigen, "mit 185 Flugstunden kann man sich Berufspilot schimpfen", lacht Goldhofer.

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