Gassi-Regeln für Hundebesitzer?

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Bei Spaziergängen können Hunde ihre Energie loswerden.
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Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat die neue Gassi-Regelung vorgeschlagen. Was Vertreter von Tierschutzbund, Hundeschule und Tierheim davon halten.

Schwäbisch Gmünd/Aalen

Wenn der kleine Maltester-Mischling übers Feld düst, zeigt sich, wie viel Energie er hat. Beim Gassigehen kann er diese loswerden. Doch dieses Privileg hat nicht jeder Hund. Einige Hundehalter gehen kaum mit ihren Tieren raus, weiß Hans Wagner, Leiter des Tierheims Dreherhof bei Aalen. Er erinnert sich dabei etwa an den kleinen Yorkshire Terrier Lassie. "Der Hund hatte lange und schon fast eingewachsenen Krallen. Das ist durchaus darauf zurückzuführen, dass der Hund kaum Auslauf hatte."

Damit sowas erst gar nicht passiert, hat Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, vorgeschlagen, dass es eine neue Gassi-Regelung für Hundebesitzer geben soll. Diese besagt, dass die Besitzer mindestens zweimal am Tag mit dem Hund Gassi gehen müssen.

Pia Biber von der Hundeschule "For Dogis" in Schwäbisch Gmünd findet die vorgeschlagene Regelung zu ungenau. "Diese besagt nur, dass man mit den Hunden zweimal am Tag raus muss, doch es wird nicht gesagt, wie lange", sagt sie. Es bringe nichts, nur zehn Minuten zu laufen. "Man sollte mindestens eine halbe bis Dreiviertelstunde gehen", meint sie. Diese Zeit sei notwendig, damit die Hunde ausreichend schnuppern und in Kontakt mit anderen Hunden kommen können. "Für einen Hund ist gerade im jungen Alter alles interessant", sagt Biber.

Auch Nadja Straube-Daiber von "Nadjas Hundeschule" in Schwäbisch Gmünd findet die vorgeschlagene Regelung seltsam. "Es sollte für jeden Hundebesitzer normal sein, dass der Hund seine Energie loswerden muss", findet sie. Man könne solche Vorschriften nicht für alle Hunde gleichermaßen formulieren. "Es kommt auf die Rasse an." Kleinere Hunde brauchen weniger Auslauf als große und aktive Hunde.

Kontrolle wird schwierig

Hundetrainerin und Hundeverhaltensberaterin Jana Aichner sieht diese Regelung sogar kritisch. Vorschriften sollten an die Bedürfnisse des Hundes angepasst werden, immer mit dem Ziel, dass es dem Hund gut gehe damit. Wie das Einhalten des möglichen Gesetzes kontrolliert werden soll, ist der Hundetrainerin auch nicht klar. "Wenn ich mir überlege, dass 2018 bloß 2700 Hunde in Aalen angemeldet waren, kann ich mir nicht vorstellen, dass dann bei der Gassi-Geh-Regel eine Kontrolle funktioniert", meint Aichner.

Hans Wagner vom Aalener Dreherhof findet, dass sich die Idee zwar gut anhört, "man kann aber keine pauschale Regel machen", sagt er. Kleinen Hunden würde meist auch schon ein Garten reichen. "Man muss nämlich nicht mit allen Hunden drei Stunden laufen gehen, vor allem nicht, wenn es im Sommer ziemlich heiß ist", sagt er.

Für einen Hund ist gerade im jungen Alter alles interessant.

Pia Biber, Leiterin der Hundeschule "For Dogis"

Folgen von zu wenig Auslauf

Die Hunde brauchen Bewegung. Doch leider haben Hundebesitzer oft keine Zeit, da sie lange aus dem Haus sind. Das kann auf lange Zeit einige Verhaltensänderungen aufweisen:

  • Angst: Häufig werden Hunde panisch, wenn sie Fahrradfahrern oder Autos begegnen. "Deshalb ist wichtig, dass sich die Hunde an die Umgebung und Kontakte gewöhnen", sagt Hans Wagner.
  • Verhaltensänderungen: Manche Hunde, vor allem die besonders aktiven, müssen irgendwo ihre Energie loswerden. "Wenn sie alleine sind, kann es durchaus sein, dass sie dann mal an den Möbeln kauen", sagt Nadja Straube-Daiber. Es könne aber auch zu anhaltendem Bellen kommen oder zu Unsauberkeiten, wie Tierschutzbund-Sprecher Tasso Griep sagt.
  • Psychische Probleme: Auch Hunde können bei zu wenig Aufmerksamkeit durchaus psychische Probleme bekommen. Diese sind zum Beispiel depressive Phasen oder auch ständiges Lecken an Pfoten und Schwanz.

Wenn man sich einen Hund holt, solle man sich davor ausreichend informieren, um die richtige Rasse zu wählen. "Es kann nämlich auch schwierig werden, wenn sich Hundebesitzer einen ‘faulen' Hund holen und selber aber sehr aktiv sind", sagt Straube-Daiber. Man trage schließlich mindestens in den nächsten zehn Jahren die Verantwortung für das Tier, sagt Griep.

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