Gemeinschaftsgefühl und Zusammenhalt stärken

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Karin Rauscher

Die FWF-Fraktion zu Finanzen, Aspen, Flächenverbrauch, Klimaschutz, Sport und Kultur.

Schwäbisch Gmünd. Gmünds Finanzen, der Technologiepark Aspen, Flächenverbrauch, Klimawandel sowie Kultur und Sport in der Folge der Pandemie sind die Themen, mit denen sich Gmünds Stadträte ab Herbst befassen müssen. Die GT-Redaktion hat die Positionen der Fraktionen erfragt.

Wie bewerten Sie Gmünds Finanzsituation und welche Schritte müssen unternommen werden?

Karin Rauscher: Seit der Pandemie sind Lieferengpässe, Klimawandel, Ukrainekrieg, Energiekrise und steigende Inflationsrate beherrschende Themen. In der Wirtschaft sieht man für die nächsten Jahre dunkle Wolken aufziehen und spricht offen über Rezession. Es wird mit einigen Ausfällen zu rechnen sein, die sich negativ auf die Gewerbesteuer, eine der Säulen der Gemeindefinanzen, auswirken. Steigende Energiepreise zur Bewirtschaftung der städtischen Immobilien, Baukostenentwicklung, Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen belasten neben den Ausgaben für Bildung und Soziales, Personalkosten etc. die Finanzen der Stadt. Wenn es „eng“ wird, müssten Projekte zeitlich nach „hinten“ geschoben werden. Die Devise lautet schlicht “Sparen, wo es vertretbar ist“.

Welche Chancen verbinden Sie mit Aspen?

Rauscher: Unser Oberbürgermeister hat auf den Einsatz der Wasserstofftechnologie für den Erhalt der in Gmünd vorhandenen Arbeitsplätze auf dem Automobilsektor hingewiesen. Die Technologien von Wasserstoff und Brennstoffzellen-Modulen gelten als zukunftsweisende Energieträger für Verkehr und Industrie. Der Gemeinderat, vom Konzept eines nachhaltigen Technologieparks überzeugt, hat die notwendigen Planungsschritte für „Aspen“ auf den Weg gebracht. Ein französischer Elektrolyseur zur Herstellung von grünem Wasserstoff siedelt sich auf dem Gügling an. Umfangreiches Flächenpotenzial für Industriezweige im Zusammenhang mit Wasserstoff- und Brennstofftechnologie bietet „Aspen“. Der hierfür benötigte grüne Strom wird aus Windkraftanlagen erzeugt. Die Genehmigungsverfahren hierfür sollten aber zügiger durchlaufen werden, damit der wirtschaftsstarke Süden nicht vom windreichen Norden abgehängt wird.

Verbraucht Gmünd zu viel Fläche?

Rauscher: Die Erstellung des neuen Flächennutzungsplanes 2035 ist ein kompliziertes und langwieriges Verfahren. Der endgültige Satzungsbeschluss nach Durchlaufen aller Gremien erfolgt erst im nächsten Jahr. Die Flächenkulisse für Gmünd wurde vor der Sommerpause dem Gemeinderat vorgestellt und auch in den Ortschaftsräten beraten. Herausforderung ist dabei, die Balance zwischen dem Erhalt von Flächen und dem Entwicklungspotenzial für Wohnen, Gewerbe und Industrie zu halten, in der Stadt wie in den Teilorten. Die Schließung von Baulücken und Nachverdichtung ist längst als notwendig erkannt. Eine zu eng gefasste Kulisse könnte aber dazu führen, dass zum Beispiel Betriebe in den Teilorten, weil sie im Ort keine Entwicklungsmöglichkeit haben, in andere Gemeinden abwandern oder nachfolgenden Generationen kein Baugrund zur Verfügung steht. Wir sind der Meinung, dass Spielräume vorhanden sein sollten, um der Stadt Optionen offen zu halten. Wegen des Klimawandels und der Energiekrise sollten zügig mehr Flächen für erneuerbare Energien ausgewiesen werden.

Tut Schwäbisch Gmünd genügend für den Klimaschutz?

Rauscher: Der Klimaschutz hat sich bei den städtischen Aufgaben zu einem „Querschnittsthema“ entwickelt. Mit dem Klimaschutzkonzept „die gut fürs Klima Stadt“ wurden die wichtigsten Maßnahmen definiert: Wärme, Strom, Planung, Mobilität, Forst. Ein neues „Amt für nachhaltige Entwicklung, Klimaschutz und Bürgerbeteiligung“ wurde geschaffen. Viele Veranstaltungen geben Infos zum klimafreundlichen Leben in Gmünd. Finanzielle Ansätze sind im Haushalt dafür vorgesehen. Ein Klima-Rat wurde gebildet. Angesichts der Energiekrise, den gestiegenen Lebenshaltungskosten, Handwerkermangel und Lieferengpässen wird die Umsetzung vieler Maßnahmen längere Zeit erfordern. Energiesparen steht derzeit im Vordergrund. Ferner besteht bei privaten Haushalten Verunsicherung, welcher Energieträger beim Neubau zu wählen ist. Bei Sanierungen alter Gebäude gestaltet sich dies noch schwieriger. Ein Wärmeplan für das Stadtgebiet soll in diesem Jahr noch vorgestellt werden. Angesichts vieler Unsicherheiten werden die Stadt und die privaten Haushalte in einigen Bereichen des Klimaschutzes vorerst „auf Sicht fahren“.

Angesichts Corona: Tut Gmünd genügend für Kultur und Sport?

Rauscher: Zum Ende der Freiluftsaison ist zu befürchten, dass viele Besucher sich im Herbst/ Winter bei etwaigen Corona-Beschränkungen, reduziert beheizten Räumen und weniger Geld in der Tasche wieder in ihr „Schneckenhaus“ zurückziehen. Dies macht die Planungen bei der Kultur schwierig. Auch den Sportvereinen sind in den letzten zwei Jahren viele Mitglieder abhandengekommen. Manche haben sich umorientiert z.B. Wandern, Radfahren neu entdeckt oder ganz pausiert. Herbst und Winter stellen auch den Sport vor Herausforderungen. Die eingeschränkte Wohlfühlatmosphäre könnte aber dadurch ausgeglichen werden, dass das Gemeinschaftsgefühl und der Zusammenhalt wieder verstärkt in den Vordergrund treten. Hier sind Ideen gefragt, die nicht unbedingt große finanzielle Anstrengungen bedeuten. Das Bewusstsein, sich bescheiden zu müssen, wird zur neuen Tugend.

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