Geschichte zum Anfassen

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Informationsspeicher aus der vor-digitalen Zeit: Gerda Fetzer mit einem der vielen Ordner aus dem Gmünder Schulmuseum.
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Zum Beispiel 70 Kartons voller Puppen: Das Gmünder Schulmuseum bietet vieles, was im Internet nicht zu finden ist.

Schwäbisch Gmünd

Auf den Ausruf „Wo ist das?“ gibt es im Archiv des Schulmuseums nur eine Antwort: „Wirf einen Blick auf die Ordnerrücken!“ Die stehen dicht an dicht und signalisieren schon auf ihrem Rückenschild sehr genau, was in ihnen steckt. Geordnet und zusammengestellt von Gerda Fetzer, Susanne Trunk und Elsbeth Steeb, den ständigen Ehrenamtlichen, unterstützt von freiwilligen Helfern.

Säuberlich gesichtet und neu geordnet stehen die Ordner meterweise in den Regalen. Allein 70 Handarbeitsordner zu Lehrerausbildung und Handarbeitstechnik. Letztere auch mit Musterbeispielen aus „Textiles Werken“: Wie man Stoff verändern kann durch Besticken oder Aufnähen von Litzen und Borten, für welche Stoffart sich welches Knopfloch eignet. Oder wie eine Häkelschlinge entsteht, die Bewegungsführung bei Luft- oder Festmaschen, bei Stäbchen oder die verschiedenen Wendemöglichkeiten. All dies auf in Formschrift bezeichneten Kartonblättern, mit Stoffen und Fäden samt Zeichnung ausgeführt.

Raffinierte Strickmuster

„Kriegt man auch im Internet als Anleitung oder Video“, mag mancher denken. Aber die Vorlagen aus dem Archiv machen unmittelbar hungrig darauf, es selbst zu probieren. Es ist ein Unterschied, ob man virtuell zuschaut oder ob ein fertiges Stückchen real vor dem Betrachter liegt. Vor allem wird die Fantasie angeregt, wenn man längst vergessene Stickereien oder raffinierten Strick mit ungewöhnlichen Abnahmen, dreidimensionalen Einlagen und unterschiedliche Lösungen für eigene Handarbeiten sieht.

Spannend wird es bei den Puppen. In 70 Kartons liegen sie fein säuberlich eingepackt. Von Bisquitporzellan bis Schildkröt und Barbie, kleine Püppchen, Babypuppen, große und die feinen, alle mit zahlreicher Garderobe ausgestattet, von rustikal bis elegant. Sie waren nicht nur beliebtes Spielzeug, sondern sind heute Kulturzeugen ihrer Zeit. Das steckt auch in den zahlreichen Kartons voll Puppengeschirr, komplett ausgestatteten Puppenküchen, Puppenmöbeln und Miniaturschulzimmern mit allem Drum und Dran.

Weitere Zeitzeugnisse sind Schultabellen. Die älteste im Gmünder Schulmuseum stammt aus dem Jahr 1860. Diese Tabellen geben genaue Auskunft über Schülerinnen und Schüler: Anzahl, ihre schulische und gesundheitliche Entwicklung, ihre Noten. Anders als heute waren diese damals abgestuft von 8 bis 1. Beste Note 8 gleich recht gut, 7 war gut bis recht gut, 6 gut, 5 ziemlich gut bis gut, 4 ziemlich gut, 3 mittelmäßig bis ziemlich gut, 2 gleich mittelmäßig, 1 sehr mittelmäßig.

Buch geführt über Sitten

Neben Namen, Geburtsort und -datum wurde Buch geführt über Talent, Fleiß, Sitten und Religion. Über Sprachen, eingeteilt in Lesen von Schreib- und Druckschrift, mündlichem Gedankenausdruck und Memorieren. Schönschreiben in Deutsch, Lateinisch und Rechtschreiben, Aufsatz und Sprachlehre. Auch beim Rechnen wurde Schriftliches und Mündliches getrennt bewertet. Weitere Fächer waren „Realien“ wie Anschauungsunterricht, Geografie, Naturlehre, Naturgeschichte und Geschichte. Singen, Zeichnen und Turnen vervollständigten den „gläsernen“ Schüler neben der Rubrik „Schulversäumnisse“. In Wochenbüchern wurde der Unterrichtsfortschritt festgehalten, gleichzeitig auch ein Leistungsnachweis für Lehrer.

Neu geordnet wurde von Elsbeth Steeb aus dem Vorstand die Vereinsarbeit. Der Verein steht im 26. Jahr. Zusammengetragen wurde die Vereinsarbeit seit 1991 mit Aufbau des Schulmuseums, Fotos, Zeitungsarchiv, Verwaltung, Sachspenden von A – Z und mehr. Minutiös wird diese Rubrik geführt mit Namen des Spenders, dem Objekt, mit Jahreszahl und laufender Nummer, so dass jederzeit jedes Stück belegt werden kann.

Potenzial für Ausstellungen

Alles, was im Schulmuseum im Archiv wartet, könnte in Ausstellungen verwendet werden. Es gibt so vieles, zu dem das Internet nicht die Informationen bietet, die hier gefunden werden können. Sei es eine Fibel, sei es ein historisches Utensil, das nirgendwo mehr zu haben ist.

Mehr über das Gmünder Schulmuseum im Klösterle unter www.schulmuseumgd.de oder per E-Mail: schulmuseumgd@gmail.com

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