Glauben in schweren Zeiten bewahren

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Jede Krippe erzählt auf ihre ganz eigene Weise die Frohe Botschaft: „Gott ist Mensch geworden.“

Advent und Weihnachten sind eine Zeit voller Hoffnung und spiritueller Erwartung. Anlässlich des Heiligen Abends haben Dekanin Ursula Richter und Dekan Robert Kloker daher jeweils Kurzpredigten verfasst.

Dekanin Ursula Richter: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude“, sagt der Engel und schickt die Hirten nach Bethlehem. Macht euch selbst ein Bild. Denn viele Fakes und Verschwörungslegenden sind zurzeit im Umlauf. Wahrheit ist viel wert. So verlassen die Hirten in der Nacht ihre Herde und finden die Krippe mit dem Kind. Hinterher erzählen sie, dass sie den Heiland gesehen haben. Leute, die sich weit weg und zweifelnd gegenüber Gott glaubten.

Wahrheit, die sich als echt erweist, sogar froh macht, ist willkommen wie nie. Ein zweites Weihnachten in Pandemie samt Sorgen, Fakes und Spannungen quer durch Gesellschaft, Freundeskreise und Familien setzt uns schwer zu. Politikerinnen und Politiker brauchen Fürbitte, statt Bedrohung. Zudem müssen wir eine Wahrheit verarbeiten, die uns das Virus neu lehrt: wir haben weniger in der Hand, als wir dachten. Und nicht nur der Mensch bedroht die Natur, auch in ihr selbst liegen Chaoskräfte.

Aber nun wird Weihnachten in all dem! Und erinnert uns zwischen „Delta“ und „Omikron“ an den, der „Alpha und Omega“ ist. A und O, Anfang und Ende (Offb. 1,8). Zwischen dem sind die Anfangsbuchstaben all dessen aufgeboben, was uns das Fürchten lehrt. Und wir hören die Stimme des Engels in der Mitte unseres Herzens „Fürchtet euch nicht. Euch ist heute der Heiland geboren.“ Ich bin da. Gott wird Mensch. Berührung in Pandemie.

Kraftreserven und Hoffnungsbilder tun not. Weihnachten hat solche- konträr zur Lage. Zweifelnde Menschen werden berührt. Und erkennen im Kind in der Krippe den „ich bin da“. Der vom Aufgang der Sonne kommt. Dem kein Dunkel gewachsen ist. „Gott hilft“. Jesus. Kind mit Löwenkraft- berührend, erlösend, am Ende Tod und Chaos bezwingend. Zukunft und Hoffnung in unsicherer Zeit.

Eine schöne Legende? Gar ein Fake? Geht hin. Besucht ihn. In Euren Herzen. In der Gemeinschaft der Glaubenden. In Hinterhöfen und bei Armen. Bei Zweifelnden. Beim Selber-Lesen eines Evangeliums. Im Gebet. Im Nachdenken über Gott, die Welt, das Leben. All das wird zur Krippe, wo mir der Heiland geboren wird. Hör auf die Stimme des Engels. Mach dir selbst ein Bild. Man muss sich dazu auf den Weg machen! Such! Du wirst finden. Such! Du wirst gefunden. „Ich bin da, bei dir!

Wahrheit macht frei. Und froh. Und ist viel wert. Die Hirten nehmen sie in ihre Umwelt mit. Setzen Fakes, Hass und Furcht eine Freude entgegen, die allem Volk widerfährt. Der man trauen kann. Du bist A und O, Alpha und Omega! Darum trotz Delta und Omikron: Frohe Weihnachten!

Dekan Robert Kloker: Zum zweiten Mal werden wir ein eher ungewohntes Weihnachtsfest feiern. Die Corona-Pandemie hat uns und unser Leben weiterhin fest im Griff. Von dieser Unsicherheit und Ungewissheit war auch das ganze Jahr 2021 geprägt. Schmerzlich wurde uns bewusst, wie wenig verlässlich vieles ist und wie schwankend der Grund ist, auf dem wir stehen, auch in unserer hoch modernen und entwickelten Welt. Ein Virus lehrt uns alle das Fürchten und hält uns noch in Atem.

Und trotz alldem und in alldem feiern wir wieder Weihnachten, das Fest der Liebe und des Friedens. „Erschienen ist die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes ….“ (Tit 3,4), so wird es uns an Weihnachten verkündet. Es fällt uns in diesen Zeiten wahrlich nicht leicht, an diesen „weihnachtlichen Gott“ zu glauben, der immer doch bei uns ist und sein will in Jesus Christus. Die Corona-Pandemie ist für viele auch zu einer Glaubensprobe geworden. Wie kann Gott das nur zulassen? Werden wir bestraft? Lässt Gott die Welt im Stich? – Solche oder ähnliche Fragen beschäftigen viele.

Wenn wir tiefer in die Weihnachtsbotschaft hineinhören, finden wir vielleicht doch auch Spuren, die Sinn und Halt und Trost spenden. Auch die Welt, in die der Sohn Gottes hinein geboren wurde, war keineswegs „heil“! Gerade deswegen sandte Gott ja seinen Heilsbringer. Er sollte mit seiner Botschaft von der Liebe Gottes und seinem Heilshandeln ein neuer Sinnstifter sein. Nach über 2000 Jahren sind seine Spuren nicht verblasst, sondern in den Herzen von unzähligen Menschen lebendig. Sie tragen gerade in schweren Zeiten und schaffen Licht im Dunkeln. Die Botschaft Jesu spricht in ihrem Kern von einem gütigen und menschenfreundlichen Gott, den er selber wie niemand sonst verkörpert hat, er, der Sohn Gottes.

Dass wir den Glauben an ihn auch und gerade in schwerer Zeit bewahren, das ist mir ein Herzensanliegen. An die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes glauben zu können, das verbindet uns als Christenmenschen. So wünsche ich uns allen ein gesegnetes Weihnachtsfest. Sehr herzlich laden wir trotz der geltenden Einschränkungen und unter gewissenhafter Einhaltung aller Bestimmungen zur Mitfeier des Weihnachtsfestes und der weiteren weihnachtlichen Festtage in unseren Kirchen ein. Lassen wir die Freude über das Geschenk der Menschwerdung Gottes nicht lautlos verhallen!

Dekanin Ursula Richter
Dekan Robert Kloker
Weihnachtsstern Münster
Weihnachtsbaum
Kreuz Kirche Jesus

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