Gmünder Jazzmission: 800 Bewerbungen im Jahr

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Matthias Flum mit dem neuen Programm.
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Wie steht’s in Gmünd um den Nachwuchs im Jazz? Gut bei den Musikerinnen und Musikern –im Publikum sind wenig junge Leute.

Schwäbisch Gmünd. Neulich an der Kasse bei einem Jazz-Konzert in der Region, es ging um ermäßigte Eintrittspreise. Auch für Rentner? „Dann kommt hier ja fast jeder ermäßigt rein“, sagt ein Besucher flapsig.

Ist der Jazz alt geworden? Nachgefragt bei Matthias Flum, dem Vorsitzenden der Gmünder Jazzmission. Seit 23 Jahren gibt’s den Verein, unter den Machern sind nach wie vor viele, die von Anfang an dabei waren. „Die meisten bei uns sind zwischen Mitte 40 und 60“, erzählt Flum, „wobei wir damit unter den Jazz-Clubs in Baden-Württemberg noch zu den jüngeren gehören.“ Aber die Tendenz ist sichtbar: „Der Verein wird älter, das muss man definitiv so sagen.“ 

Die Aktiven der Jazzmission haben mit fast 350 Konzerten in 23 Jahren der Jazzmusik einen festen Platz im Kulturleben der Stadt verschafft. Am Nischendasein des Jazz in der Musik haben sie natürlich nichts ändern können – es ist ein gesetztes Spartenpublikum, das dominiert. „Es kommen nicht unbedingt Jugendliche zu unseren Konzerten“, sagt Flum. „Das beschäftigt mich, es ist ein generelles Problem, dass die junge Generation ein bisschen fehlt. Ich weiß da auch keine Lösung.“

Bei den aktiven Musikern sieht es besser aus mit dem Nachwuchs in und um Gmünd: Beim „Sparkassen Jazz-Heimspiel“ an diesem Samstag auf dem Johannisplatz und im Café Margrit spielen nicht nur alte Gmünder Hasen wie Volker Held, Andreas Kümmerle, Alois Geiger oder Johannes Groß, sondern auch ein 21-jähriger Percussionist: Max Gerwien, der im Rems-Murr-Kreis geboren ist.

Es gibt mehr junge Musiker und eine junge Jazzszene in Gmünd, wobei die Schulen eine ganz wichtige Rolle spielen, vor allem durch die vier Schulbigbands im Parler, HBG, Scheffold und der Adalbert-Stifter-Realschule, an der Flum unterrichtet. Dazu kommt die Schwörhaus-Bigband der Musikschule. Für die Jungen gibt’s einen extra Platz im Programm der Jazzmission – beim „Friday für Future Jazz“ im Januar.

Die Jazzmission versucht eine große Bandbreite im Programm zu haben. Top-Acts sind immer die Konzerte im Prediger. „Da wollen wir Musiker präsentieren, die schon eine internationale Karriere haben.“ Wichtig sei aber auch der regionale Bezug und der Nachwuchs. Idealerweise bei einem Konzert wie in diesem Sommer im Remspark, als die Gmünder Saxophonistin Julia Langenbucher mit ihrem Quintett aufgetreten ist. Jazzmusikerinnen und -musiker, die spielen wollen in Gmünd, gibt es mehr als genug: „Wir bekommen um die 800 Bewerbungen im Jahr“, erzählt Flum.

Das verbindet den Jazz mit dem Theater und der Klassik: Ohne Förderung geht es nicht. Die Jazzmission wird maßgeblich gefördert vom Gmünder Kulturbüro und von der Kreissparkasse nebst weiteren Sponsoren. Wenn die Gmünder noch mehr Förderung einstreichen wollten, könnten sie ausschließlich Jazzmusiker aus Baden-Württemberg auftreten lassen. „Manche Clubs machen das, aber das wäre uns zu einseitig. Berliner ticken einfach ein bisschen anders als Stuttgarter, Leute aus NRW haben andere Schwerpunkte“, sagt Flum. 

Info: Die Gmünder Jazzmission hat rund 100 Mitglieder; in 23 Jahren hat der Verein fast 350 Jazz-Veranstaltungen in Gmünd organisiert. An diesem Samstag startet mit dem „Sparkassen Jazz-Heimspiel“ auf dem Johannisplatz und im Café Margrit die neue Wintersaison an Konzerten.

Drei verschiedene Gruppen treten auf: Ab 19.30 Uhr auf dem Johannisplatz „Vier Männer von Welt“ (Uli Reverend Krug, Johannes Groß, Magnus Barthle und Hans-Jörg Renschler), um 20 Uhr im Café Margrit das Jo Wittmann Piano Trio (Johannes Wittmann, Volker Held, Alois Geiger), und ab 21.30 Uhr „Jazz Hits Folk“ mit Andreas Kümmerle, Christoph Braun, Thorsten Meinhardt und Max Gerwien.

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