Die Kinder brauchen die Nähe

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Carola Herber gibt den Kindern Bastelanleitungen mit und freut sich, wenn etwa Schneemänner und Clowns zurückkommen.
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Erzieherin Carola Herber erzählt von einem Corona-Ausbruch im Kindergarten, von Notbetreuung und Vorfreude auf die Kinder.

Schwäbisch Gmünd-Großdeinbach

Carola Herber ist im Laufe des vergangenen Jahres in viele Rollen geschlüpft: von einer Kontaktpersonen-Nachverfolgerin und Hygienekonzept-Entwicklerin über eine EDV-Fachkraft bis hin zur Telefonauskunft. Doch eigentlich ist die 49-Jährige Erzieherin in der Villa Holder in Großdeinbach – und arbeitet am liebsten am Kind. Derzeit hat sie dazu intensiver Gelegenheit als sonst, weil sie und ihre beiden Kolleginnen in der Gruppe lediglich neun Kinder in der Notbetreuung haben.

Ab kommender Woche, wenn die Kitas wieder öffnen, werden es 22 Kinder in der Gruppe sein, in der Villa Holder insgesamt über 50. So sehr sie es genieße, sich momentan auf jedes einzelne Kind einlassen zu können, ohne dass zehn andere nach ihr rufen, so sehr freue sie sich auch, die anderen wieder zu sehen. Denn "ich habe schon immer im Hinterkopf: Was machen die Kinder zuhause?". Wohl wissend, dass die Situation in manchen Familien mit berufstätigen Eltern und mehreren Kindern sehr angespannt ist.

Der Kindergarten sei für die Kinder momentan neben dem Zuhause der einzige weitere Lebensbereich: Sie dürfen sich nicht mit Freunden treffen, das Vereinstraining und auch andere Aktivitäten fallen aus. Umso wichtiger ist es den Erzieherinnen, den Kontakt mit den Kindern daheim zu halten. So bringen Carola Herber und ihre Kolleginnen einmal die Woche Post bei den Familien vorbei und reden manchmal auf Abstand an der Haustür auch kurz mit Eltern und Kindern.

In den Umschlägen befinden sich unter anderem Bastelanleitungen mit den passenden Materialien: Auf einen Schneemann folgten Luftschlangen zum Selbermachen und nun Schneeglöckchen zum Basteln und Ausmalen. Eine Ausfertigung ist für daheim bestimmt, eine bringen die Kinder in den Kindergarten. Per E-Mail bekommen die Eltern zudem Videos etwa vom Kasperletheater im Kindergarten – "das kommt besonders gut an", sagt Carola Herber. Doch sie weiß auch: "Nichts ersetzt den direkten Kontakt zu den Kindern."

Dass sie und ihre Kolleginnen seit November im Kindergarten stets Mund-Nasen-Bedeckungen tragen, störe die Kinder kein bisschen. Für sie seien die Masken Normalität. Manche erzählten sogar, dass sie nun auch Maske tragen, weil sie sechs werden. "Aber nicht im Kindergarten", antwortet Carola Herber dann. Die Kinder müssen sich angesichts des Hygienekonzepts im Kindergarten bereits an so viel halten: etwa abgestimmt mit den anderen Gruppen Hände waschen oder sich mit den Aktivitäten im Garten nach den anderen richten. Zudem ist die Erzieherin überzeugt: Kinder müssen gegenseitig ihre Mimik sehen. Doch die Kinder auf Abstand zu halten, das funktioniere nicht – "und das wollen wir auch gar nicht", sagt die Erzieherin. Denn "die Kinder brauchen die Nähe".

Sie selbst legt aus gutem Grund Wert auf die FFP2-Maske zum Eigenschutz: Als Anfang November sieben von 18 Erzieherinnen der Villa Holder an Corona erkrankt seien, habe es sie nicht erwischt. "Die FFP2-Maske hat mich gerettet", ist Carola Herber überzeugt. So kam es, dass sie alleine die Stellung im Kindergarten hielt, während die Einrichtung geschlossen war. Da habe sie ihren "Crashkurs in EDV" bekommen, um allerlei Listen für Eltern oder das Gesundheitsamt zu erstellen. Und ständig klingelte das Telefon, etwa weil Eltern wissen wollten, wie lange sie und ihre Kinder noch in Quarantäne sind – eine Frage, die nur das Ordnungs- oder Gesundheitsamt beantworten konnten. Wenn sie sich dann völlig geschafft zu Fuß auf den Heimweg machte, sei sie so manches Mal gefragt worden, ob sie die freien Tage genieße angesichts des geschlossenen Kindergartens ...

Durch Zufall in die Villa Holder

Carola Herber hat bis 1993 am Institut St. Loreto Jugend- und Heimerzieherin gelernt und arbeitete dann in der Stiftung Haus Lindenhof mit Menschen mit Behinderung. "Es hat mich immer gereizt, mit besonderen Kindern zu arbeiten, bei denen nicht alles nach Plan läuft und die von der Gesellschaft schnell in eine Schublade gesteckt werden", sagt Carola Herber. Sie kam 2010 als Sprachförderkraft in die Villa Holder. Eigentlich mehr durch Zufall: Die Leiterin fragte sie, ob sie sich das vorstellen könnte, als sie ihr jüngstes der insgesamt drei Kinder dort abholte. Unter anderem weil Familie und Beruf hier doch besser zu vereinbaren seien, habe sie zugesagt – und es nicht bereut.

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