Schon früh hat es „Ping“ gemacht

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Katharina und Martin Schuster blicken heute auf 50 Ehejahre zurück
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Katharina und Martin Schuster aus Großdeinbach blicken auf 50 gemeinsame Ehejahre zurück und fragen sich: „Wo sind die Jahre geblieben?“

Schwäbisch Gmünd-Großdeinbach

Rückblickend auf ihre 50 gemeinsamen Ehejahre können Katharina und Martin Schuster aus Großdeinbach nur fragen: „Wo sind die Jahre nur geblieben?“

Bereits in früher Jugend hatten sich beide in ihrer alten Heimat, dem kleinen Örtchen Walkendorf, einem Stadtteil von Bistritz in Siebenbürgen, kennengelernt. Martin war mit seinen Eltern als 14-Jähriger in die unmittelbare Nachbarschaft von Katharina gezogen.

Immer wieder waren sich die beiden in ihrer Kindheit über den Weg gelaufen, denn die evangelische Jugend in dem Örtchen pflegte einen engen Zusammenhalt. Sie traf sich zum Beispiel zum Tanz oder zur Kirchweih – und immer mit dabei: Katharina und Martin. Bis es irgendwann einmal „Ping“ gemacht habe, erinnert sich Katharina. In diesem Moment hatte der „Topf“ sein „Deckelchen“ gefunden.

Über viele Jahre hatten die Familien des Paares versucht, eine Ausreisegenehmigung aus Rumänien zu erhalten. Kein einfaches Unterfangen. Erst im Mai 1970 konnte Martin mit seiner Familie nach Deutschland ausreisen – ob Katharinas Familie die Genehmigung ebenfalls erhalten würde, stand zu diesem Zeitpunkt noch in den Sternen.

Monate später, am 2. Oktober 1970, hatte Katharinas Familie ebenfalls deutschen Boden unter den Füßen. Ein schöneres Geburtstagsgeschenk habe ihr Vater an diesem Tag nicht erhalten können, erinnert sich Katharina. Viel Gepäck sei damals nicht erlaubt gewesen, „nur das, was in eine Transportkiste passte“, so Katharina. Dennoch sei die Freude bei ihr groß gewesen, als sie am Flughafen von Martin und einem ganzen Empfangskomitee von Freunden und Verwandten empfangen wurde. „Das gab mir das Gefühl des Ankommens“, erinnert sich Katharina.

Eine Fernbeziehung

Über mehrere Stationen und Übergangswohnheime landete Martin schließlich in Schwäbisch Gmünd. Dort kamen er und seine Familie in einem Übergangswohnheim in der Werrenwiesenstraße unter – weit weg von Katharina. Denn sie durfte mit ihrer Familie bei Nürnberg bei einem Onkel wohnen.

Da Katharina ihr Abitur in Deutschland nicht vollenden durfte, begann sie eine Ausbildung bei einem großen Drogeriekonzern. Martin, der in Siebenbürgen als Lehrer gearbeitet hatte, fing derweil bei Triumph in Heubach als Industriekaufmann an. Der sechs Jahre ältere Martin machte sich in der Folgezeit alle zwei Wochen auf, um Katharina in Nürnberg zu besuchen.

Mit „Sack und Pack“ reiste die knapp 19-jährige Katharina schließlich am 12. Mai 1972 zu ihrer standesamtlichen Trauung nach Schwäbisch Gmünd. Ein verregneter Tag, wie sich beide erinnern. Doch am Tag der kirchlichen Hochzeit in der Augustinuskirche habe die Sonne gescheint.

Langeweile kommt keine auf

Nach einigen Umzügen innerhalb von Schwäbisch Gmünd erwarb das junge Paar schließlich ein Haus im Wustenrieter Weg in Großdeinbach. „Das Haus haben wir vor dem Kauf nur von außen gesehen, aber der große Garten gefiel uns sehr gut“, erinnert sich das Paar. Es musste einiges renoviert werden. Außerdem sei zunächst keine Heizung in dem Gebäude vorhanden gewesen.

1986 baute das Paar ein neues Haus in den großen Garten des alten Gebäudes. Nebenan wohnt nun Tochter Elke mit Familie. Langeweile komme daher bei den Schusters selten auf, sagt das Jubelpaar. Martin ist immer in Bewegung, Katharina bastelt und strickt für ihr Leben gerne und beide lieben die Gartenarbeit. Dreimal in der Woche schauen die beiden Enkelsöhne zum Mittagessen vorbei. Eine weitere Konstante im Rentnerdasein des Paares sind die jährlich anstehenden Urlaubsreisen in den Schwarzwald, ins Allgäu oder das Salzburgerland. Einen Besuch in die alte Heimat hat das Paar viele Jahre auf die „lange Bank“ geschoben. Als dann doch eine Reise nach Siebenbürgen anstand, hatte sich dort alles verändert: „Das schöne Örtchen gibt es nicht mehr“, erinnert sich Martin.

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