Großdeinbachs Geschichte geht online

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Ortschronik von Gustav Brude

Nachfahren von Gustav Brude genehmigen dem Stadtarchiv die Nutzung seiner Ortschronik.

Gmünd-Großdeinbach. 1971 feierte Großdeinbach 700 Jahre urkundliche Ersterwähnung. Gustav Brude übergab 1970 aus diesem Anlass dem damaligen Bürgermeister Glos eine Chronik mit dem Titel „Geschichte der Gemeinde Großdeinbach“ für das Gemeindearchiv. Mit der Eingemeindung von Großdeinbach 1972 ging auch die Zuständigkeit für das Ortsarchiv an die Stadt Schwäbisch Gmünd über. Heute wird das Gemeindearchiv unter der Bestandsnummer B02.04 im Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd verwahrt und im Zuge des Ortsjubiläums 2021 neuerschlossen. Eine Ortschronik von Großdeinbach ist für das Jahr 2023 angedacht.

Zum diesjährigen Ortsjubiläum, dessen geplante Feier aufgrund der Corona-Pandemie ausfallen musste, hat das Stadtarchiv bei den Nachfahren des 1990 verstorbenen Gustav Brude die Genehmigung zur Digitalisierung und Onlinestellung der Ortschronik eingeholt.

Im Pfarrhaus geboren

Gustav Brude wurde am 13. Februar 1900 im Pfarrhaus in Großdeinbach als viertes von sieben Kindern geboren. Sein Vater war Pfarrer Eugen Thomas Brude (gebürtigaus Onolzheim im Oberamt Crailsheim) und seine Mutter Maria Louise Friederike Brude geborene Neff (gebürtig aus Sulzbach a. d. M.). Er wuchs in Großdeinbach auf und ging dort zur Schule. Im September 1914, zu Beginn des Ersten Weltkriegs, zog die Familie nach Ellwangen. Brude wurde im letzten Kriegsjahr noch einberufen und begann nach dem Krieg eine Ausbildung in der Landwirtschaft. 1922 ging er für sein Studium im Bereich Landwirtschaft und Naturwissenschaft zunächst nach Halle und später nach Leipzig. Er verdiente sich nebenbei seinen Lebensunterhalt in Braunkohlewerken und auf einem Rittergut der von Trotha, wo er auch drei Jahre lang wohnte. Nach seinerPromotion arbeitete er als Gutsbeamter in einem großen Betrieb in Teutschental und Salzmünde bei Halle. Mit dem Ziel, sein Wissen an junge Landwirte weiterzugeben, lehrte Brude im Anschluss an seine Tätigkeit mehrere Jahre in Württemberg und in Sachsen. Ab 1937 arbeitete er in Stuttgart. 1929 heiratete er in Ulm die aus München stammende Gertrud Broscheck.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Brude 1940 in ein Stabsamt nach Berlin beordert und danach zur Wehrmacht einberufen, wo er als Landwirtschaftsoffizier zunächst in Franche-Comté und ab 1943 in Rom stationiert war. Mit dem Vorstoß der Alliierten zog sich die deutsche Besatzung und mit ihr auch Gustav Brude überVerona in die Hochalpen zurück. Dort erlebte er während des Aufbaus einer sogenannten „Alpenfestung“ das Ende des Zweiten Weltkriegs und kam in amerikanische Gefangenschaft. 1946 kehrte er nach Württemberg zurück. Die Wohnung in Stuttgart war während des Kriegs durch die Bombardierung zerstört und die Familie in die Region um Bad Urach evakuiert worden. Brude konnte eine Stelle im Landwirtschaftsministerium antreten und so zog die Familie zurück nach Stuttgart.

Die Zeit nach dem Krieg nutzte er rege, um die alte Heimat in und um Großdeinbach zu besuchen, wiederzuentdecken und zu erforschen. Schon in seiner Kindheit hatte ihn der Limes im Rotenbachtal oder das Kastell in Kleindeinbach fasziniert.Diese Forschungen vertiefte er in seinem Ruhestand, so dass er zum 700.Ortsjubiläum 1971 eine umfangreiche Chronik als Ergebnis seines lebenslangen Interesses an der Regionalgeschichte zu Papier bringen konnte. Gustav Brudestarb am 23. Oktober 1990 in Neu-Anspach.

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