Harsche Kritik an Andritz Ritz

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Betriebsrat und Gewerkschaft kämpfen weiter um die Zukunft des Standorts von Andritz Ritz auf dem Gügling. Archivfoto: Tom
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Unternehmen will in Gmünd Stellen streichen und erklärt offenbar Verhandlungen für gescheitert.

Schwäbisch Gmünd. Der Konflikt um den Stellenabbau bei Andritz Ritz in Schwäbisch Gmünd spitzt sich zu. Laut Angaben des Betriebsrats und der IG Metall haben die Anwälte des Konzerns die Verhandlungen für gescheitert erklärt und wollen nun vor das Arbeitsgericht in Stuttgart ziehen, um die Einsetzung einer Einigungsstelle zu erzwingen. Der Konzern will, wie berichtet, die Hälfte der 120 Arbeitsplätze in Gmünd abbauen und die restlichen Mitarbeiter in eine neue Firma transferieren. Dagegen wehren sich die Arbeitnehmervertreter. Vor einigen Tagen hatte sich Gmünds OB Richard Arnold schriftlich an den Andritz-Ritz-Chef Dr. Wolfgang Leitner gewandt und in diesem Brief den Konzern ungewöhnlich scharf kritisiert, der Umgang der Unternehmensführung mit dem Standort und den Mitarbeitern sei nicht verantwortungsvoll. Betriebsrat und IG Metall hatten sich in den vergangenen Wochen mit Verweis auf die anstehenden Verhandlungen öffentlich bedeckt gehalten – doch genau die haben aber laut Aussage der Arbeitnehmervertreter noch gar nicht stattgefunden.

Noch keine Verhandlungsrunde

„Wir hatten bis jetzt noch keine Verhandlungsrunde und dann flattert ein Brief des Arbeitsgerichts herein“, erklärt Betriebsratschef Thimo Schabel. „Weder verstehen wir die Haltung des örtlichen Managements noch die Vorgehensweise der Arbeitgeberanwälte.“ Die IG Metall sieht eine „Provokation“ der Arbeitgeberanwälte sowie eine „knallharte Geschäftspraxis der Kanzlei Noerr“. Deren Anwälte vertreten den Konzern. „Die Praxis lautet: mit dem Kopf durch die Wand, koste es was es wolle“, so Peter Yay-Müller von der IG Metall. Der Gewerkschafter ist erbost. „Es zeigt sich eine Haltung der Arbeitgeberanwälte, die ohne Skrupel versuchen, betriebliche Verhandlungen zu vermeiden und die Verantwortung und den unliebsamen Ballast auf eine Einigungsstelle und damit die gerichtliche Ebene abzuwälzen“, erklärt er.

Der Konzern selbst hat sich in den vergangenen Wochen weder zu den Verhandlungen noch zu den aktuellen Vorwürfen der Arbeitnehmerseite geäußert. Eine erneute Anfrage dieser Zeitung am Freitag blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Laut Darstellung des Betriebsrats und der Gewerkschaft haben sich die Parteien vor Gericht bereits getroffen. Während eines Gütetermins habe die Richterin Unternehmen und Arbeitnehmervertretern empfohlen, einen weiteren Verhandlungsversuch auf betrieblicher Ebene zu unternehmen, führt Yay-Müller aus. Würde dieser scheitern, bliebe nur die Einsetzung einer Einigungsstelle. „Selbst diesen Versuch einer gütigen Einigung hat die Kanzlei Noerr abgelehnt und einen Gerichtsbeschluss herbeigeführt“, so der Gewerkschafter. Wenn die Kanzlei „ohne Einigungswillen weiterhin den Ton angeben will“, sehe sich der Betriebsrat gezwungen zu prüfen, ob weitere Mittel notwendig sind.

Nach Auffassung von Betriebsrat und IG Metall gehe es darum, eine für alle Beteiligten möglichst zufriedenstellende und faire Lösung zu finden. Arbeitnehmerseite und OB Arnold wollen „daher eine Verfahrensweise, welche letztendlich sowohl das Interesse des Konzerns als auch die Interessen der Kunden im Sinne eines reibungs- und möglichst verlustfreien Transfers an Wissen und Know-how beschreibt“.

Bislang, so Yay-Müller, hätten die Arbeitgeberanwälte Vorbedingungen geäußert und Regelungen diktieren wollen. „Wir wünschen uns ein verantwortungsvolles Vorgehen, ein argumentatives Einlassen auf verschiedene Themen und die Problemstellungen,“ erklärt Rolf Praschl, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender. rs

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