Heiraten 2022: von Corona in die „Traufe“

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Ein Brautpaar hält sich während der Trauung die Hände.
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Im Gmünder Standesamt sind die Heiratszahlen konstant – aber die beiden christlichen Kirchen haben in diesem Sommer viele Paare im Nachholmodus.

Schwäbisch Gmünd. Robert Kloker und seine Pfarrerskollegen sind in einem Bereich ihrer Arbeit besonders gefragt in diesem Sommer. „Wir haben Hochzeitspaare, die sich schon vor zwei Jahren angemeldet haben“, erzählt Kloker, Katholischer Dekan und Leitender Pfarrer der Seelsorgeeinheit Schwäbisch Gmünd Mitte. Es ist ein Nachholsommer: Vereinsfeste, Jubiläumsfeiern, Hauptversammlungen – und natürlich Hochzeiten.

Klokers weltliche Kollegen in Sachen Eheschließungen vom Gmünder Standesamt sind weniger vom coronabedingten Nachholbedarf betroffen. „Wir können dieses Jahr nicht von einem Boom sprechen“, sagt Stadtsprecherin Ute Meinke. „Viele Brautpaare haben auch in der Corona-Pandemie standesamtlich geheiratet, allerdings in sehr kleinem Rahmen und viele mit dem Wunsch, später ein großes Fest nachzuholen.“

Großes Fest, das heißt oft: mit kirchlicher Trauung. So erlebt das auch der evangelische Pfarrer Kaupp. Er hat in diesem Sommer vier Hochzeiten ausgemacht - „sie waren alle verschoben“, sagt er. Es sind nicht nur die Hochzeiten, die ins Jahr 2022 weitergewandert sind: „Mir sind in diesem Jahr besonders viele Taufanmeldungen aufgefallen“, sagt Kaupp. Manche werden gleich zusammen mit der Hochzeit nachgeholt. „Dann haben wir eben eine Traufe.“

Beim Gmünder Standesamt ist die Zahl der Eheschließungen bisher in diesem Jahr etwas höher als in den Vorjahren. „Bis Mitte Mai waren es 64 durchgeführte Trauungen“, sagt Meinke. 2020 seien es bis dahin 55, 2021 zum selben Zeitpunkt nur 45 Trauungen gewesen.

Das könnte aber an „schönen Heiratsdaten zu Jahresbeginn liegen, am 2.2.22 und dem 22.2.22 haben viele Brautpaare geheiratet“.

Die Hochsaison beim Heiraten geht jetzt allerdings erst los, eine sommerliche Hochzeit bevorzugen die meisten Paare. Das sehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Standesamt an einer dreistelligen Zahl an Reservierungen für Trautermine. Das beliebteste Gmünder Trauzimmer ist laut Ute Meinke aktuell das Rokokoschlösschen mit 108 Reservierungen, gefolgt von der Uhrenstube mit 90 Reservierungen. Auch im Freien hat die Saison wieder begonnen: „Beide Gmünder Grüne Trauzimmer sind diese Jahr gleichmäßig nachgefragt, im Familienpark in Wetzgau sind es 14 Reservierungen, im Stadtgarten 15.“ Stark nachgefragt seien besonders die Trauungen an den Samstagen, erzählt Meinke. „Es sind alle Samstagstermine bis Mitte Oktober belegt.“

Auch bei der evangelischen Kirchengemeinde in Aalen „geht es wieder richtig los“, sagt Pfarrer Bernhard Richter. Der Boom geht sogar schon über dieses Jahr hinaus: „Auch für 2023 gibt es bereits eine ganz große Zahl von Hochzeitsanmeldungen“, erzählt Richter.

Ein Paar allerdings wollte die kirchliche Trauung nicht mehr nachholen, erzählt der Pfarrer. Ursprünglich wollten die beiden Anfang Mai 2020 kirchlich heiraten. Nach zweimal Verschieben haben sie jetzt aufgegeben. Richter: „Dafür habe ich Verständnis.“

Trauräume in Gmünd

Die verschiedenen Trauräume in Gmünd: Uhrenstube beim Spitalhof, Barockzimmer im Rathaus, Rokokoschlösschen, Refektorium im Prediger und Burgruine Hohenrechberg. „Grüne Trauzimmer“ gibt es im Familienpark in Wetzgau und im Stadtgarten.

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