Die Wette an der Sektbar mit Folgen

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Immer ein Höhepunkt: Machtübernahme im Bezirksamt.
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Wie der Fasching nach Herlikofen kam und was ein geraubter Rabe mit dem Carnevalsverein Grabbenhausen zu tun hat.

Schwäbisch Gmünd-Herlikofen. Es war schon lange Jahre ein „stiller Traum“ gewesen von Rudi Pflieger, mehr Fasching nach Herlikofen zu bringen. In seinem Musikverein Herlikofen warb Pflieger immer wieder für mehr Fasching, seine große Chance kam auf einem Faschingsball des Vereins 1983 an der Sektbar. Mit seinem Bekannten Karl-Heinz Kraus schloss Rudi Pflieger die Wette ab, dass er es noch auf dem Ball schaffen werde, eine komplette Faschingsgesellschaft im Saal einmarschieren zu lassen.

Die Karnevalsgesellschaft „G'sälzhafhausen“ sei an diesem Abend als Stimmungsmacher beim Musikverein zu Gast gewesen und machte den Spaß gerne mit - damit habe der spätere Präsident des Carnevalsvereins Grabbenhausen auch die letzten Zweifler überzeugt, erzählt die aktuelle Grabben-Präsidentin Anja Spieser. Zügig wurde die Gründung einer „karnevalistischen Abteilung“ mit dem Namen „Carnevalsverein Grabbenhausen“ auf einer konstituierenden Sitzung am 4. Mai 1983 geschafft.

Der Name der Faschingstreibenden „Carnevalsverein Grabbenhausen“ gehe auf ein Ereignis zurück, das sich in den 1920er Jahren zugetragen haben soll. Anlässlich eines Sportfestes in Lorch im Remstal, bei dem auch Herliköfer Sportler teilnahmen, wurde ein ausgestopfter Rabe zuerst entwendet und später wieder zurückgegeben. Daraufhin verpasste man den Herliköfern den Spottnamen „Grabben“. Der örtliche Carnevalsverein machte diesen bei seiner Gründung im Gründungsjahr zu seinem Markenzeichen, lokale Künstler gestalteten eine einzigartige Figur mit Maske und Häs', und eine Gruppe fand sich zusammen, die – seitdem sie sich etabliert hat – mit ihrem schwarzen „Outfit“ einen auffälligen Glanzpunkt bei allen Umzügen darstellt und allen Zuschauern vermeldet, „hier kommt der Carnevalsverein Grabbenhausen“.

Zu dem auffälligen Häs gehört auch der Schlachtruf, ein dreifaches „Grabba Ahoi“. Die Herlikofer Narren starten traditionell am 11.11. um 11.11 Uhr, indem der „Grabb“ beim Geesbach  aus seinem Sommerschlaf geweckt wird. Mit dem Start in die „fünfte Jahreszeit“ steht bei den Grabben zudem die Wahl des „Königsgrabb“ an, in diesem Jahr wurde Celine Linek als „oberster Grabb“ in Amt und Würden versetzt.

Mit der Gründung des CV Grabbenhausen hielt der Fasching eindeutig und lautstark Einzug in Herlikofen, einer der wichtigsten Termine ist der „schmotzige Donnerstag“, an dem die Grabben nicht nur den Narrenbaum stellen. Auch für den Ortsvorsteher brechen dunkle Zeiten an, er kann sich verbarrikadieren, verstecken und verkleiden, wie er möchte, die Grabben stürmen das Bezirksamt und schrecken auch nicht davor zurück, mittels Leitern durch die Fenster das Bezirksamt in ihre „Gewalt“ zu bekommen.

Der Königsgrabb übernimmt bis Aschermittwoch mit der Unterstützung des Prinzenpaars als Dreigestirn die Regierungsgeschäfte. Für die knapp 100 aktiven Mitglieder vergeht die närrische Jahreszeit wie im Flug, viele Termine und Auftritte stehen an. Prunksitzung, Partynacht und die Teilnahme an Umzügen machen ein „Grabbenleben“ aus. Unter großem Jammern und Wehklagen beenden die Grabben am Aschermittwoch die  närrische Saison, wenn der Grabb wieder „zu Grabe“ getragen wird. Auch unterm Jahr kommt die Geselligkeit mit gemeinsamen Unternehmungen nicht zu kurz, die „Grabba-Hotsche“, die „Hofkutsche“ des Dreigestirns, muss gewartet und gepflegt und das umfangreiche Programm des CV Grabbenhausen organisiert werden. Dazu trifft sich der Elferrat gemeinsam mit dem „Dreigestirn“ Königsgrabb und Prinzenpaar  regelmäßig. Hier hätten sich die Hierarchien etwas verschoben, sagt die Präsidentin lachend und erzählt, dass auch Frauen seit einigen Jahren im Elferrat sitzen, darauf lässt die Präsidentin ein dreifaches „Grabba ahoi“ hören.

Eine Frau aus Präsidentin 

Die Spitze des Vereins bildet seit Frühjahr 2022 die Präsidentin Anja Spieser zusammen mit Vize Peter Franz. Zuvor leitete Jürgen Kolhep 25 Jahre lag die Geschicke des CVG. Dazu gehören Kinder-, Teenie-, Junioren- und Prinzengarde, die Tanzmariechen, das Damen- und Männerballett, die Maskengruppe, die Geesbachbruddler und die Geesbachgrabben. Ganz an der Spitze stehen der Königsgrabb Celine I. und das Prinzenpaar der diesjährigen Saison, Nadine l. und Yannick l.

Ein Verein, viele verschiedene Gruppen: der CV Grabbenhausen.
Das Dreigestirn des CV Grabbenhausen.

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