Herliköfer Glücksfälle und Sanierungsfälle

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Thomas Maihöfer vor seinem Sorgenkind: der über 60 Jahre alten Gemeindehalle.
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Herlikofens Ortsvorsteher Thomas Maihöfer spricht im Interview über gute Nahversorgung im Ort, fehlende Entwicklungsmöglichkeiten und „Baustellen“, die man anpacken sollte.

Schwäbisch Gmünd-Herlikofen

Die Nahversorgung ist überdurchschnittlich gut, eine große Firma kommt neu in den Ort, und die Straße zwischen Herlikofen und Gmünd ist top saniert. Doch es gibt auch Bereiche, wo es klemmt in Herlikofen: Die Gemeindehalle ist veraltet, die Feuerwehr hat zu wenig Platz und die Internetversorgung nicht zeitgemäß in Teilen des Orts. Ortsvorsteher Thomas Maihöfer (52) erzählt im Interview, was sein Dorf ausmacht – und was Herlikofen braucht in den nächsten Jahren. 

Vor zwei Jahren war die Frage, ob es weiter einen Supermarkt und Metzger gibt im Ort.

Ja, das war ein Meilenstein, dass es uns gelungen ist, das zu erhalten. Wenn ich sehe, wie es in Hussenhofen oder Bargau aussieht, können wir uns glücklich schätzen. Aber da steckt viel Arbeit dahinter, damit alles erhalten bleibt. Vor allem ältere Leute sind darüber gottfroh. 

Sogar eine ausgewachsene Bankfiliale der Kreissparkasse gibt es – während die in Hussenhofen nun geschlossen wird. Wird das so bleiben?

Das ist glücklich gelaufen: Die Filiale war mitten im Ort, und die Kreissparkasse hat etwas an der Hauptstraße gesucht. Nachdem Räume gefunden waren, hat die KSK das richtig als Zentrum ausgebaut. Ich denke, es wird erhalten bleiben, aber man soll nie nie sagen. Ich kann natürlich nicht für die KSK sprechen.

Wie sieht’s mit dem Internet aus?

Da ist Herlikofen noch unterversorgt, da arbeiten wir mit Hochdruck dran. Denn gutes Netz ist ein wichtiger Standortfaktor, auch um neue Bürger zu gewinnen. Im Moment ist es noch kunterbunt: Wir haben Teilbereiche, die Glasfaser haben und Teile, die unterversorgt sind, die demnächst gefördert werden können von der Stadt aus.

Wie ist die Relation?

Rund 40 Prozent sind gut versorgt, 60 Prozent noch verbesserungsfähig. 

Stichwort „neue Bürger gewinnen“: Flächenverbrauch wird zunehmend kritisch gesehen – braucht Herlikofen aus ihrer Sicht Flächen zur Entwicklung?

Ich denke, man muss eine gesunde Mischung haben. Im Gmünder Feld III hatten wir eine achtfache Überzeichnung.  Darum wäre es wichtig, im Flächennutzungsplan Flächen vorzusehen – das heißt ja nicht, dass die alle gleich bebaut werden, aber es gibt dann zumindest Möglichkeiten, sich zu entwickeln. Doch im Moment haben wir nichts mehr, Herlikofen ist komplett blank: Wir haben weder bei Wohnflächen und Gewerbeflächen etwas anzubieten.

Beim weiteren Ausbau Gmünder Feld gibt es wenig Bewegung im Moment. Für planerische Großbaustellen wie Aspen geht eben viel Kraft und Manpower drauf. 

Wie gut oder nicht ist Herlikofen versorgt mit Wohnraum?

Auch wenn die Nachfrage nach Bauplätzen nachgelassen hat: Die Frage, weißt du von einer leerstehenden Wohnung, die gibt es bald täglich. Aber dass jemand eine Wohnung anbietet, das habe ich sehr, sehr selten. 

Im Gewerbegebiet gewinnt Herlikofen mit der Firma Eichele einen großen Arbeitgeber hinzu.

Darüber sind wir sehr froh im Ortschaftsrat. Aber auch Eichele braucht vielleicht irgendwann noch weitere Flächen für Wachstum. Die Ansiedlung ist auf jeden Fall eine Win-win-Situation, das kann zum Beispiel auch zu einer Kooperation mit der Pestalozzischule führen, deren Schüler dann ein Praktikum machen können.

 Thema Ortsentwicklung: Auch beim Feuerwehrhaus scheint Herlikofen noch unterversorgt, oder?

Ja, das Thema begleitet uns schon jahrelang, bis auf Weiler und Degenfeld hat es in allen Ortsteilen schon Ausbau gegeben. Nachdem jetzt das Projekt in Weiler in Planung ist, sind danach wir dran. Wir brauchen eine neue Bleibe, wir haben immerhin 32 aktive Feuerwehrleute und über 20 Jugendliche, und die Feuerwehr ist im Ehrenamt ein wichtiger Kern für den Ort.

Ich bin ja selber bei der Feuerwehr und kenne die beengte Situation genau: Wir müssen erst mal die Fahrzeuge rausfahren, damit wir uns überhaupt umziehen könne. Geschweige denn, dass eine Trennung von Männern und Frauen möglich ist, und Duschmöglichkeiten gibt es auch keine. 

Muss es ein Neubau sein an anderem Standort?

Das ist einmal analysiert worden: Um das vernünftig unterzubringen, was wir grade haben, reicht der Platz am Bezirksamt nicht aus: Die Feuerwehr Herlikofen braucht mindesten 2000 bis 2500 Quadratmeter. Wie das dann wird, das ist offen, ich kann mir auch eine Kombination mit einer anderen Nutzung wie in Weiler vorstellen, da gibt es viele Ideen, man kann auch Wohngebäude integrieren.

Gibt‘s dafür eine mögliche Fläche?

Die gibt es nicht, dafür muss der Flächennutzungsplan erst fortgeschrieben werden. Es gibt einige gute Ansätze, es sollte natürlich in der Nähe der Hauptstraße sein. Eine Entwicklung ist auch darum so wichtig, weil da gerade ein Umdenken stattfindet: Dass wir außen in den Teilorten immer mehr Aufgaben von der Innenstadt-Feuerwehr übernehmen, weil die Probleme mit der Manpower hat, da muss man zwangsläufig umdenken.

 Was ist mit den kleineren Dingen auf dem Herliköfer Wunschzettel? Die in die Jahre gekommenen Pflastersteine im unteren Bereich der Kerkerstraße nerven manche Anwohner.

Als das eingebaut wurde, gab es ja noch keine 30er-Zone im Ort, also hat man an so markanten Stellen den Verkehr beruhigt. Auch Rollgeräusche und Lärmentwicklung werden heute anders gesehen als vor zehn, zwanzig Jahren. Wir sind schon dran, das soll zurückgebaut werden, aber im aktuellen Doppelhaushalt ist zunächst nichts drin.

Wird der Bolzplatz bald zum Bikepark?

Es ist der Wunsch von Jugendlichen, so einen Bikepark zu haben. Doch auch das ist im Moment eine Kostenfrage. Aber ich habe natürlich noch ganz andere Baustellen. 

Die wären?

Hauptbaustelle ist und bleibt die Gemeindehalle, das ist ein Unding. Vieles ist noch aus der Bauzeit von 1955 bis 60. Man müsste das ganze Dach und die ganze Fensterfront erneuern; da kämpfe ich einfach weiter. Dann das Feuerwehrhaus und der Friedhof. Vom Bezirksamt, wo es teilweise fingerdicke Risse in den Wänden hat, will ich jetzt gar nicht reden.

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