Mit Humor durch schwere Zeiten

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Camillia und Girgis Rozaik
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Camillia und Girgis Rozaik kommen ursprünglich aus dem Sudan und haben in Herlikofen eine neue Heimat gefunden. Heute feiert das Paar Diamantene Hochzeit.

Schwäbisch Gmünd-Herlikofen

Seit 25 Jahren leben Camillia und Girgis Rozaik in der Gmünder Straße 11 in Herlikofen. Das Paar stammt ursprünglich aus dem Sudan. Die Zustände in der Heimat – Bürgerkriege, andere Konflikte und Armut – haben das Paar lange Zeit belastet. Daher beschlossen die beiden, das afrikanische Land zu verlassen. Mit ihrer Ausreise hatten sich die Rozaiks damals ein besseres Leben erhofft. Eine Hoffnung, die sich bewahrheitete. Denn das Leben in Schwäbisch Gmünd sei „sicherer und besser“, bestätigt Camillia Rozaik, die aber zugibt, immer noch Heimweh zu haben.

Seltene Familientreffen konnten nur in Ägypten stattfinden, erklärt das Paar. Kennengelernt haben sich Camillia und Girgis „beim Beten in der Kirche“, schmunzelt die Ehejubilarin. Der orthodoxe Glaube ist immer noch ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens: Große Heiligenbilder schmücken die Wände ihrer Wohnung.

Die Hochzeit fand vor 60 Jahren traditionell im großen Rahmen statt. Der Gang zur Trauung in der Kirche spielte dabei eine übergeordnete Rolle. Die Feierlichkeiten mit Familie, Freunden und Nachbarn wurden im großen Garten von Camillias Elternhaus begangen.

Traditionelle Rollenverteilung

Zum Unterhalt der Familie beitragen konnte die damals junge Camillia nicht: „Frauen finden im Sudan keine Arbeit“. Mit ihren drei Kindern war Camillia trotzdem ausgelastet und während Girgis eine Anstellung bei den Ford-Werken innehatte, sorgte Camillia durch den Anbau von Obst und Gemüse für die gesunde Ernährung der Familie. Heute noch schwärmt sie von der fruchtbaren Erde in ihrer Heimat.

Als Girgis vor 25 Jahren in den Ruhestand ging, verließ das Paar die geliebte, aber gefährliche Heimat. Für die Flugtickets brauchte das Paar seine kompletten Ersparnisse auf, aber eine Alternative gab es für die Girgis damals nicht „Geld oder Leben“, bringt es Camillia auf den Punkt.

Trotzdem haben Camillia und Girgis ihre Zuversicht und ihren Humor nicht verloren. Die fremde deutsche Küche hat sich Camillia über Youtube-Videos angeeignet. Girgis ist gesundheitlich angeschlagen, das Gehen fällt ihm schwer. Camillia kümmert sich darum, „dass es ihm gut geht“.

Für die Zukunft hat das Paar nur einen großen Wunsch: Die Wohnung in der Gmünder Straße müssen die beiden wohl bald verlassen, eine neue Bleibe ist noch nicht in Sicht. Das belastet Camillia sehr. Trotzdem verlieren die Girgis ihre Zuversicht nicht und hoffen auf eine neue Wohnung, in der sie noch lange Zeit gemeinsam leben können.

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