„Ohne Frieden ist alles nichts“

+
Pfarrer Matthias Walch predigt bei der zentralen Feier zum Volkstrauertag im Herlikofen.
  • schließen

Was bei der zentralen Gedenkfeier für Schwäbisch Gmünd thematisiert wurde und warum Erinnerungskultur für den Erhalt eines weltweit menschlichen Miteinanders wichtig ist.

Schwäbisch Gmünd-Herlikofen

Ein Volkstrauertag im Zeichen des Krieges musste am Sonntag in Herlikofen begangen werden, denn bei der zentralen Gedenkfeier mit ökumenischem Gottesdienst in St. Albanus war der Angriffskrieg auf die Ukraine omnipräsent. „Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kindern, Frauen und Männer aller Völker“, beginnt das Totengedenken, das der Abteilungskommandant der Herliköfer Feuerwehr, Peter Weber, bei der Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal verlas. Doch die Trauer um die Opfer von Kriegen und Bürgerkriegen, von Terrorismus und politischer Verfolgung hatte nicht das letzte Wort, endet das Totengedenken doch mit den Worten: „Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern.“

Dass sich im Laufe der Geschichte vieles zum Guten gewendet hat, machte Pfarrer Matthias Walch in seiner Predigt deutlich. Er erinnerte an den 30-jährigen Krieg, bei dem sich Protestanten und Katholiken im 17. Jahrhundert die Köpfe eingeschlagen hatten. „Heute feiern wir geschwisterlich miteinander Gottesdienst.“

Als mit der französischen Revolution die Monarchie und die Ständegesellschaft abgeschafft wurde, war die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung ausgebeutet und analphabetisch – „heute leben wir in einem demokratischen, rechtsstaatlichen Europa. Deutsche und Franzosen haben sich bis aufs Blut bekämpft, ein Friede mit dem Erbfeind war unvorstellbar – es kam zur deutsch-französischen Freundschaft.

Mit dem Beispiel Martin Luther King verdeutlichte Walch vollends, dass Träume keine Schäume oder naive Illusionen sind, sondern die Kraft haben, die Welt zu verändern. Mit Kings gewaltfreiem Widerstand kam es in den USA zum Ende der Rassentrennung.

Im Anschluss an den Gottesdienst, den Pfarrer Matthias Walch zusammen mit Diakon Herbert Baumgarten zelebrierte, leitete Ortsvorsteher Thomas Maihöfer zur Gedenkfeier über. Er rief besonders die in der Ukraine gefallenen Soldaten und die getöteten Zivilisten in Erinnerung und gedachte auch der russischen Soldaten, „die sich den Krieg nicht auswählen konnten und mit falschen Wahrheiten eingezogen wurden.“

„Wir sind alle Menschen“

Nach dem Lied „Tears in heaven“, vorgetragen von Mixed Generations, folgte eine Rede von Aileen und Laura Stolz: Sie gingen auf den zuvor gehörten Song von Eric Clapton ein, der das Lied geschrieben hat, als sein viereinhalbjähriger Sohn starb. „Es liegt an uns, ob wir an etwas zerbrechen, oder ob wir sehen, dass uns etwas geschenkt wird.“ Es gebe vieles, was uns trennt, sie nannten Religion, Kultur und Landesgrenzen, „alle haben wir eines gemeinsam: Wir sind Menschen.“

Die Ansprache von Gmünds Erstem Bürgermeister Christian Baron stimmte das Akkordeonorchester des Liederkranzes mit einem Andante Cantabile ein. Angesichts des Krieges in der Ukraine mahnte er, die richtigen Schlüsse aus der Vergangenheit zu ziehen und danach zu handeln. „Wann immer und wo immer wir heute helfen können, Gewalt, Hetze, Blutvergießen zu beenden und Not zu lindern, dann müssen wir es tun.“ Auch wenn es manche Entbehrung erfordere, aber einfach wegzuschauen, sei keine Alternative. Für den Frieden einzutreten, nannte Baron zuallererst ein Gebot der Menschlichkeit, aber auch ein Gebot der Vernunft. „Deutschland kann ohne den Frieden in der Welt nicht überleben, geschweige denn prosperieren.“ Am Ende seiner Ansprache zitierte Baron den SPD-Politiker Willy Brandt: „Ohne Frieden ist alles nichts!“

Nach einem weiteren Chorvortrag, „Frieden“ von Gotthilf Fischer interpretiert vom Liederkranz Herlikofen, ging es zur Kranzniederlegung auf den Friedhof, wo der Musikverein das passende Musikstück „Der gute Kamerad“ spielte.

In fast allen Gemeinden gedachten die Menschen in dieser oder ähnlicher Form der Opfer von Kriegen und Bürgerkriegen.

Feier zum Volkstrauertag auf dem Friedhof in Heubach mit Bürgermeister Dr. Joy Alemazung.
Feierliche Kranzniederlegung zum Volkstrauertag auf dem Friedhof in Lorch.

Zurück zur Übersicht: Herlikofen

Kommentare