Hightech für Gmünd aus Gmünd 

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Dr. Felix Friederich mit dem Kernprodukt seiner Firma: Der schwarze Kasten im Aktenkoffer-Format ist eines der Batteriespeichermodule, die in sogenannter modulare Bauweise zusammengeschaltet werden.
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Photovoltaik, Batteriespeicher, Brennstoffzelle: Eine Gmünder Firma will im geplanten Eco-Village in der Buchstraße eine Modellprojekt für die grüne Energieversorgung schaffen.

Schwäbsich Gmünd

Einen Erdgasanschluss braucht die neue Wohnsiedlung, die in der Buchstraße gebaut wird, nicht mehr. Das „Eco-Village“ mit rund 300 Wohnungen auf dem früheren TSB-Sportplatz soll energetisch so gut wie autark werden – mit Hilfe von Photovoltaik-Strom und einer mit Wasserstoffbetriebenen Brennstoffzelle. Die Gmünder Firma, die gute Chancen hat, den Auftrag zu bekommen, sitzt in der direkten Nachbarschaft: die Unicorn Engineering GmbH im Unipark.

Batteriespeicher sind das Kernprodukt der Firma, die vor sechs Jahren gestartet ist und heute in Gmünd über 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat. Gefertigt werden die Speicher in Slowenien, „aber es ist alles komplett in Gmünd entwickelt und getestet worden“, sagt Geschäftsführer Dr. Felix Friederich.

Aber die Gmünder wollen mehr, die Zukunft liegt darin, komplette Lösungen zur CO2-neutralen Energieversorgung im Angebot zu haben: Photovoltaik, Batteriespeicher und Brennstoffzelle. „Erst im System wird es richtig spannend“, sagt Friederich. „Uns war klar, wir müssen im Bereich Brennstoffzelle auch Kompetenz aufbauen.“

Das Eco Village, der neuen Wohnsiedlung an der Buchstraße, soll das erste große Pilotprojekt werden. „Es wäre das erste Objekt, das nur über Brennstoffzelle betrieben wird“, sagt Friederich. Sicher hat Unicorn den Auftrag noch nicht, aber die Chancen stehen nicht schlecht. „Wir sind bei Gebäuden in dieser Leistungsklasse ziemlich alleine“, sagt Michael Preiß, der als Berater der Firma fungiert.

Leistungsklasse hieße im Fall der neuen Siedlung auf dem früheren TSB-Sportplatz: Eine Anlage mit 300 Wohnungen komplett mit Wärme und Strom zu versorgen. „Wir sind in der Leistungsklasse von 25 Kw, Wettbewerber wie Viessmann bieten im Moment drei Kilowatt an“, sagt Preiß. Das werde nicht so bleiben, aber derzeit ist es ein Alleinstellungsmerkmal in Deutschland - „weil sich im Moment alle auf E-Fahrzeuge stürzen“, sagt Preiß.

Die Grundausrüstung auf den Dächern des Eco-Village werden Photovoltaik-Module sein. Zumindest im Sommer kann so mehr Strom erzeugt als verbraucht werden, mit der überschüssigen elektrischen Energie soll durch Elektrolyse Wasserstoff erzeugt werden – mit dem wiederum die Brennstoffzelle betrieben wird. „Die ist das Herzstück der Anlage“, sagt der Gmünder Energieberater Stefan Preiß, der die thallos AG, den Bauträger des Eco Village, berät. Die Siedlung wird damit ihr eigenes Blockheizkraftwerk haben, betrieben von einer Brennstoffzelle. Die eigenen Batteriespeicher will Unicorn natürlich auch einsetzen: „Gepuffert wird nur über Batterien“, sagt Friederich. In Teilen muss Wasserstoff noch eingekauft werden, am besten natürlich so genannter grüner, also CO2-neutral erzeugter. Dafür hoffen Friederich und Preiß auf Angebote, die es im Moment noch nicht gibt. „Da wird in den nächsten 12 bis 24 Monaten noch enorm viel entwickelt werden.“

„Wollen in Gmünd produzieren“

Die Anlage in der Buchstraße könnte eine Lösung für Gmünd aus Gmünd sein: „Wir wollen im Idealfall auch in Gmünd produzieren“, sagt Michael Preiß. 3000 bis 4000 Quadratmeter Produktionsfläche brauche man für die Endmontage. Allerdings stünden bis jetzt keine Zuschüsse bereit – das nennt Preiß als Voraussetzung für eine Produktion in Gmünd. Und er fügt kritisch hinzu: „Wir sind eben kein Big Player wie Daimler oder Bosch - als kleine Firma kriegst du in Baden-Württemberg schon Schulterklopfen, aber es fehlt konkrete, finanzielle Beteiligung.“ In anderen Bundesländern stelle sich die Lage anders dar: „Wir haben gute Signale für Förderoptionen aus anderen Bundesländern, wir müssten zum Beispiel nur 60 Kilometer nach Osten fahren.“

Es ist alles in Gmünd entwickelt worden.“

Dr. Felix Friederich, Geschäftsführer Unicorn Engineering

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