Guten Morgen

Hölderlin und die Pubertät

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Bernd Müller
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über die Gmünder VHS, die einen hochfliegenden Dichter rehabilitiert

Manch jugendlicher Tübingen-Besucher weiß wohl nur, dass da „ein Turm so heißt“. Bringt einen im digitalen Zeitalter auch nicht weiter, Friedrich Hölderlin, den hochfliegendsten Wort-Ikarus der Deutschen und seine Zeilen zu kennen. Wie er schrieb, schreibt längst keiner mehr: Wenn Hölderlin Begeisterung meinte, sagte er „Göttliches Feuer“; am Ufer von Flüssen hörte er den „Titanensang der Ströme“, von der Sonne kommt der „schöpfrische Strahl“. Auch Goethe soll vom hohen Ton des jungen Kollegen Hölderlin eher genervt gewesen sein. „Überspannt“ nannte Schiller dessen Dichterei. Die Gmünder Volkshochschule unternimmt nun, 179 nach seinem Tod, die verdienstvolle Aufgabe, den Hölderlin wieder ein wenig irdischer zu machen. „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“ - O-Ton Hölderlin auf der Titelseite des neuen VHS-Programmhefts. Drinnen, im Heft, werden dann zum Beispiel Wurstbrot-Männer aus der kulinarischen Ödnis geleitet: im Kochkurs für Männer. Gerettet werden auch Eltern, die arm dran sind: Weil sie vor lauter Pubertieren zu Hause vielleicht ein wenig mit den Nerven runter sind. Für die gibt’s einen Kurs, der sie wieder hochzieht - was ja fast schon wieder ein bisschen hölderlinmäßig ist: „Pubertät kann Spaß machen.“ Bernd Müller

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