Holzbetriebe: Froh, wenn ein Auftrag flöten geht

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Seit 40 Jahren ist Alfons Rieg im Geschäft, aber so etwas hat er noch nie erlebt. In den letzten Monaten hat sich die Lage im Einkauf komplett verändert: Die Preise haben sich zum Teil verdoppelt, manche Holzsorten sind zeitweise nicht lieferbar.
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Hohe Preise, knappes Material, finanzstarke US-Aufkäufer: Holzbaubetriebe in der Region kämpfen mit einem Umbruch am Markt.

Schwäbisch Gmünd

Du musst fast betteln, dass du was kriegst“, sagt Alfons Rieg, wenn er von seinem Werkstoff spricht. Seit 40 Jahren ist der Holzbauer im Geschäft, aber so etwas hat er noch nie erlebt. In den letzten Monaten hat sich die Lage im Einkauf komplett verändert: Die Preise haben sich zum Teil verdoppelt, manche Holzsorten sind zeitweise nicht lieferbar.

Im vergangenen Sommer ging es los. Bis dahin hat Alfons Rieg, Betriebsleiter der gleichnamigen Firma in Lindach, etwa 270 Euro für den Festmeter gehobeltes Holz bezahlt. „Jetzt zahle ich 450 bis 470.“ Wenn er vor einem dreiviertel Jahr Holz gekauft hat, dann hat er immer ein bisschen am Preis gehandelt. „Das ist vorbei“, sagt er heute. Man frage nur noch: „Wann kannst du liefern?“

Was ist passiert? Es sieht nach einem Lehrstück aus, das davon erzählt, wie Marktwirtschaft und Globalisierung fragwürdige, ökologisch absurde Ergebnisse erzeugen können. Ganz am Anfang steht ein Holzschädling, der in Kanada die Kiefernwälder zerstört. Normalerweise importieren die USA viel Bauholz von dort - jetzt kaufen sie in Europa Fichtenholz ein.

Alfons Rieg erlebt derzeit jeden Tag, was das für den heimischen Markt bedeutet. Von Lieferanten bekommt er Briefe, in denen solche Sätze stehen: „...müssen wir alle derzeit gültigen Preisvereinbarungen mit sofortiger Wirkung aufkündigen.“ Es gibt Aufträge, bei denen Rieg und andere Holzbauer ein Minusgeschäft machen, weil sie vor Monaten einen Preis zugesagt haben, der nun die Kosten nicht mehr deckt. „Ich kenne Chefs, die sind nicht böse, wenn sie einen Auftrag zurückbekommen. Die sind nur noch am Verhandeln mit Kunden.“ Der Preisanstieg wird in nächster Zeit bei den Kunden ankommen. Was das für Häuslebauer in etwa bedeutet, kann Rieg vorrechnen. „Ein durchschnittliches Fertighaus hat etwa 150000 Euro Materialkosten, und es stecken je nach Ausführung 50 bis 60 Festmeter Holz drin.“ Fünfstellig fällt der Aufschlag auf jeden Fall aus. „Und der Hausbau ist vorher schon richtig teuer gewesen“, sagt Rieg.

Der Betriebsleiter vermutet, dass Knappheit und Preisanstieg durch Spekulationsgeschäfte noch verschärft werden. „Die Haushersteller haben die Auftragsbücher voll. Ich denke, die kaufen auch auf Vorrat, weil sie große Angst haben, in ein paar Monaten noch mehr bezahlen zu müssen.“

Wer verdient daran?

Und wer verdient an der Entwicklung? Die Waldbesitzer im Ostalbkreis nur bedingt. „Die klassische Aussage der Sägewerksbetreiber ist die, dass Rundholz nichts mit dem Schnittholzmarkt zu tun hat“, sagt Helmut Stanzel von der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Schwäbischer Limes, einer Gemeinschaft zur Holzvermarktung. „Letztes Jahr gab es 60 Euro für frisches Holz, jetzt sind es 82 bis 85.“

Mal schnell mehr Holz fällen, geht nicht. Der Holzmarkt ist sehr träge. „Normalerweise endet der Holzeinschlag Ende März, wenn die Vegetationsperiode beginnt.“ Zwischen April und Mitte August passiert nichts, so Stanzel, es sei denn, es entsteht durch Sturm oder Käferbefall so genanntes Schadholz. „Wir werden noch eine Weile Knappheit haben“, glaubt er.

Profiteure der Preisspirale sind vor allem Sägewerke. „Die großen Sägmüller, die den Markt bestimmen, die machen gerade richtig Reibach“, sagt Alfons Rieg. Weil in der Vergangenheit die Margen klein waren, „ging es nur über die Masse“, so Rieg – weshalb große Firmen vor allem aus Österreich viele Werke hierzulande aufgekauft haben.

Für Alfons Rieg bedeutet der amerikanische Holzhunger derzeit vor allem: Kopfzerbrechen. Kalkulieren ist derzeit eher ein Ratespiel: „Ich habe Angebote daliegen, und ich weiß nicht, was ich reinschreiben soll.“ Rieg hofft, dass sich der Markt bald wieder normalisiert. Zumal die Nachfrage nach dem umweltschonenden heimischen Baustoff groß ist: „Das ist über Jahre forciert worden. Holz boomt, die Leute wollen mit Holz bauen.“

Ich weiß nicht, was ich in die Angebote reinschreiben soll.“

Alfons Rieg,, Betriebsleiter

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