„Hüttengaudi“ mit gefälschten Impfpässen

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Symbolbild - Impfpass
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Amtsrichter Heth verurteilt zwei Frauen wegen Beschaffung und Handel mit Falsch-Dokumenten.

Schwäbisch Gmünd. Auf einer Montagsdemo habe ihr ein anderer Teilnehmer ein Angebot gemacht, das sie meinte nicht ablehnen zu können: Blanko-Impfpässe mit eingetragenen Corona-Impfungen für nur 320 Euro das Stück. Am Donnerstag, als sie sich vor dem Amtsgericht dafür verantworten musste, sagte sie: „Das war der falsche Weg.“

Staatsanwalt Frank legte der 59-jährigen G. und ihrer Mitarbeiterin O. zur Last, die Herstellung und den Verkauf gefälschter Impfpässe zumindest vorbereitet zu haben. Dem Verdacht der Herstellung wurde in dieser Verhandlung nicht weiter nachgegangen. Für den Verkauf der Fälschungen sei in sozialen Medien das Codewort „Hüttengaudi“ verwendet worden, so Frank. Die 59-Jährige habe auch für sich selbst einen solchen gefälschten Ausweis ausgestellt, ebenso für ihre Mutter, die in einem Pflegeheim im Gmünder Raum wohnt.

G. betreibt ein Geschäft, das dem Bereich der körpernahen Dienstleistungen zugerechnet wird, auf den während der Pandemie besonders viel zukam. Die 59-Jährige berichtete, dass viele Kunden sie in dieser Zeit heftig unter Druck gesetzt hätten: Sie verbreite das Virus, sie sei für den Tod von Menschen verantwortlich - solche Vorwürfe seien im Herbst 2021 alltäglich geworden. Sie habe sich psychisch am Ende gefühlt. Impfen lassen wollte sie sich dennoch nicht, auch wenn sie zuvor schon andere Impfungen bekommen habe. Aber gegen den Corona-Impfstoff habe sie einen extremen Widerwillen. Dass sie mit dem bekannten Gegner der Coronamaßnahmen und Organisator der Montagsdemos im Gmünder Raum, Stefan Schmidt, gemeinsame Sache gemacht habe, bestritt G. jedoch entschieden.

Doch das Angebot, dass sie auf einer Demo bekommen habe, war offenbar zu verlockend: Mit einem gefälschten Impfpass hätte sie ihren Impfschutz belegen und so Vorwürfe zurückweisen können. Sie habe allerdings nur für sich und ihre Familie Falsch-Ausweise gekauft, ein Weiterverkauf sei nicht geplant gewesen. Auch ihre Mutter im Pflegeheim habe sie mit einem Exemplar ausgestattet, andere Angehörige hätten das Angebot abgelehnt. So habe sie auch ihrer Mitarbeiterin O. einen gegeben. Die verweigerte nämlich eine Corona-Impfung ebenso kategorisch, wie sie vor Gericht sagte.

Die beiden Frauen versicherten, dass sie nie einen Handel mit den falschen Pässen vorgehabt haben. Allerdings, sagte G., habe sie ein paar Stück übrig gehabt und mit Kunden darüber gesprochen. Sie habe jedoch nur den Preis verlangt, den sie selbst bezahlt habe: 320 Euro pro Stück. Zu einem Verkauf sei es nie gekommen. Richter Johannes Heth sagte dagegen, dass der Preis für falsche Impfpässe damals nach Erfahrungen der Ermittler bei rund 150 Euro gelegen habe.

G.'s Verteidigerin Silke Treuter schilderte, dass ihre Mandantin mitten in der damaligen Corona-Hysterie gestanden habe - und dann den falschen Schritt getan habe. Die gekauften Fälschungen seien allerdings außer dem „Pass“ für die Mutter nie eingesetzt worden.

Eigentlich sollte der Fall ohne Verhandlung durch einen Strafbefehl erledigt werden, gegen den die beiden Frauen jedoch Einspruch eingelegt haben. Richter Heth senkte in seinem Urteil die Strafen, doch die Schuldzuweisung hielt er aufrecht. G. soll eine Geldstrafe von insgesamt 4500 Euro zahlen, O. eine von 1400 Euro. Die beiden Frauen seien bisher nicht vorbestraft und „im Zuge der Corona-Pandemie auf Abwege geraten“, so seine Begründung. Zudem seien sie „politischer Verblendung“ aufgesessen. Trotzdem war sich Heth sicher, dass G. mit den Falsch-Pässen durchaus ein Geschäft vorgehabt habe. Das ergebe sich schon aus sichergestellten Chat-Verläufen. Da sei es um mehr als die Pässe für ihre Familie gegangen. Besonders gefährlich sei der Einsatz eines falschen Impfpasses in einem Seniorenheim. Der Richter erinnerte an den Corona-Ausbruch Anfang 2021 in einem Gmünder Pflegeheim, bei dem mehr als ein Dutzend Bewohner gestorben sind. ⋌Wolfgang Fischer

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