Fahrende: fröhlich und frei

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Die Mitglieder des französischen "Ambulance Theatre" sind keine Zirkusprofis, aber sorgen für Lebensfreude.

Zirkus Das "Ambulans Theatre" gastiert aus einer Notsituation heraus etwas verlängert "Im Lachgang" in Zimmern.

Schwäbisch Gmünd-Hussenhofen

Sie bieten ein buntes und fröhliches Bild, die zwölf Mitglieder des französischen "Ambulance Theatre". Rustikale Schäferkarren mit außen angebrachten Kaminrohren lagern auf der freien Wiese "Im Lachgang" in Zimmern bei Hussenhofen. Pferde grasen neben zwei Eseln, ein kleiner Hundewelpe versucht, mit den anwesenden Hühnern zu spielen. Diese flüchten in ihren an der Bodenplatte eines Schäferkarrens angebrachten Hühnerstall.

Neulich seien ein Dutzend junger Leute "Im Lachgang" aufgeschlagen, erzählt Anwohner Christian Franke. Eines der Pferde hatte einen medizinischen Notfall, schnelle Hilfe war angesagt. Noch am selben Abend fand Christian Franke einen Tierarzt, der dem fahrenden Volk einen "Hausbesuch" abstattete. Das Tier wurde zur besseren Genesung auf dem landwirtschaftlichen Anwesen der Familie Wilhelm Gölz in Kälberstall untergebracht. Heu, Stroh, Strom und Wasser kamen von den Anliegern "Im Lachgang".

Seit zwei Jahren seien sie unterwegs, erzählen Maitilde und Maélle. Ihre Heimat liege in Frankreich, ihre Reise führte sie durch ganz Europa – Italien und Griechenland seien nur einige Stationen gewesen. Wo sie auftauchen, herrscht Lebensfreude pur.

"Wir treten auch vor kleinen Gruppen auf", erzählt Maitilde. Gelernte Artisten sind sie nicht, Medizinstudenten, Architekten und Zimmermänner bevölkern den kleinen Zirkus, mal steigt einer aus, mal schließt sich einer an. Sie sind bescheiden und freuen sich über Sach- und Geldspenden, ihre "Motoren" haben ein PS, die Schäferkarren werden von den Pferden gezogen, Ziegen und Hühner sorgen für Milch und Eier.

In Deutschland hätten sie viel Sympathie entgegennehmen können, freuen sich die Tänzer, Musikanten, Jongleure und Artisten. Ein spontaner Auftritt am Wochenende auf dem Gelände "Im Lachgang" sorgte für etwas Abwechslung und spülte ein wenig Spendengelder in die durch die Tierarztkosten gebeutelte Kasse. "Alles im coronaverträglichem Rahmen", versichert Christian Franke.

Doch das Gelände wurde am Dienstag auf Behördenanordnung geräumt. Die Straßenmusiker sind an den Rand von Zimmern ausgewichen. Sobald das kranke Pferd wieder "vor den Karren gespannt werden kann", wird das fahrende Volk abseits der Bundesstraßen seine Reise Richtung Stuttgart fortsetzen. Mehr als zwölf Kilometer Strecke schaffen die Pferde nicht am Tag, von daher ist es gut möglich, dass der bunte Anblick bald in Lorch zu finden ist.

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