Juri hat nun eine ganze Geige

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Bei der Überreichung der Geige (v.l.): Schulleiter Alexander May, Geigenbauer Frank Lehnert, Juri, Musiklehrer Thomas von Abel, Julia Schaulska. Foto: Tom
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Der junge Ukrainer war zu groß für eine Dreiviertelgeige geworden. Wie Musiklehrer Thomas von Abel und Geigenbauer Frank Lehnert es ermöglichten, dass Juri weiterspielen kann.

Schwäbisch Gmünd-Hussenhofen

Eifer wird belohnt, das erlebte Juri in der Mozartschule in Hussenhofen: Der Gmünder Geigenbauer Frank Lehnert überreichte ihm eine Geige als Leihgabe.

Juri und seine Schwester kamen mit ihrer Mutter Anfang März als Flüchtlinge aus der Ukraine nach Schwäbisch Gmünd. An der Mozartschule konnten sie am Unterricht teilnehmen. In Rechberg überlegte währenddessen der Instrumentallehrer Thomas von Abel, wie er Flüchtlingskinder unterstützen könnte. Ein Telefonat mit Rektor Alexander May brachte die Verbindung, denn Juri aus der Ukraine wollte weiter Violine lernen.

In der Mozartschule trafen sich von Abel, Juri, seine Mutter Julia Schaulska gemeinsam mit Rektor May und der Kollegin Irina Gladki. Letztere als Übersetzerin. Denn Deutschkenntnisse waren zu der Zeit noch kaum vorhanden. Das hat sich aber geändert: „Die Kinder lernen so schnell!“, freut sich Julia Gladki. Julia Schaulska hingegen seufzt: „Für mich ist es viel schwerer“, übersetzt Gladki.

Juri begann mit einer 3/4-Geige aus dem „Vorrat“ von Thomas von Abel. Aber er ist rausgewachsen und brauchte nun eine ganze Geige. Von Abel sprach den Geigenbauer Frank Lehnert an, ob er eine Geige dieser Größe zur Verfügung habe. Lehnert stimmte begeistert zu, sie auszuleihen. Das neue Instrument hat schon über hundert Jahre auf dem Buckel. Es ist vorzüglich eingespielt und gut „in Schuss“. Das Instrument, Baujahr 1900, aus der einst bekannten Geigenbauer-Gegend Vogtland, erklingt in einem warmen Ton.

Juri und seine Mutter sind überrascht und glücklich, dass ein kostenloser Musikunterricht überhaupt möglich ist. Als sie ihren Sohn zum ersten Mal fragte, welch ein Instrument er spielen möchte, war Juri fünf Jahre alt. Im Urlaub in den Karpaten hatte er eine Trembita gehört. Die wollte er erlernen. Diese Holztrompete, traditionell von Hirten gespielt, ist eine bis zu drei Meter lange zylindrische Holzröhre mit einem Durchmesser bis zu fünf Zentimetern. Sie hat keine Fingerlöcher, der Naturton umfasst zweieinhalb Oktaven.

Am Anfang zu schwer

Trembita konnte er nicht erlernen, weil seiner Musikschule vor Ort dieser Unterricht fehlte im Programm. Julia Schaulska, selbst Musiklehrerin, fragte ihren Sohn, ob er ein anderes Instrument erlernen wolle. Seine Antwort: „Violine!“ Doch nach einem Jahr gab Juri zunächst auf, das sei zu schwer, und begann mit Klavierunterricht.

Jetzt sieht Juri das anders. Jeden Montagmittag hat er Violinunterricht bei Thomas von Abel in der Mozartschule. Juri und sein Lehrer schaffen es, sich dank Juris wachsendem Deutschvokabular und per Übersetzungsapp gut zu verständigen. Wenn es irgendwo hapert, springt Irina Gladki hilfreich übersetzend ein. Der Unterricht läuft inzwischen so erfolgreich, dass Juri beim Konzert des Parler Gymnasiums Anfang Juli im Orchester mitspielen konnte.

Juris Mutter ist tief berührt, dass ihr Sohn auf solch einem guten Instrument üben und spielen kann. Denn er liebt es, Musik zu machen, zu singen und zu tanzen. „Das ist für die Seele!“, so die Mutter.

Frank Lehnert freut sich, dass er mit diesem 1200-Euro-Instrument als Leihgabe das Engagement von Thomas von Abel unterstützen kann. Es wurde ein Leihvertrag unterzeichnet in der Mozartschule in Anwesenheit von Rektor Alexander May. Er hat Julia Schaulska, die Lehrerin und Konrektorin aus der Ukraine, in seine Schule eingebunden. Sie unterrichtet ukrainische Kinder in Mathematik in den Grundschulklassen. „Im Juli werden wir 38 ukrainische Schülerinnen und Schüler bei uns haben,“, erläutert May. Für deren Eltern gibt es vormittags Deutschunterricht in der Mozartschule.

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