Ja zur Testpflicht – doch der Staat soll die Kosten tragen

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Aileen Häberle von der Kaiserberg International Trading GmbH und ihre Kollegen testen sich gegenseitig, bevor sie mit ihrer Covid-19-Teststation zu den Unternehmen fahren.
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Wie Unternehmer im Gmünder Raum die seit einer Woche geltende Testpflicht in Betrieben umsetzen und wie die Mitarbeiter mitziehen.

Schwäbisch Gmünd

Seit genau einer Woche müssen Unternehmer allen Mitarbeitern Corona-Schnelltests anbieten, die nicht ausschließlich im Home-Office sind. Wie setzen Unternehmer die Testpflicht um? Und wie nehmen Mitarbeiter das für sie freiwillige Angebot an?

Im Handwerk: Im Elektrotechnik-Betrieb Hamler sind die Tests am Montag angekommen, die Alexander Hamler, Obermeister der Elektro-Innung, vor eineinhalb Wochen bestellt hat. Sofort, nachdem die Bundesregierung die Testpflicht beschlossen hatte, habe er die von der Kreishandwerkerschaft empfohlenen Spucktests zum Stückpreis von 4,95 Euro geordert. Doch zweimal habe sich das zugesagte Lieferdatum verzögert, bis die 100 Tests eingetroffen sind. Alle 15 Mitarbeiter haben sich gleich testen lassen, das Ergebnis sei bei allen negativ ausgefallen.

Die Mitarbeiter im Kundendienst bekommen nun zwei Tests pro Woche, die anderen einen. Wobei: Falls sich jemand nicht wohlfühle, dürfe er gerne weitere Tests machen. „Mir ist lieber, die Leute testen sich öfter. Das gibt uns ein sichereres Gefühl“, sagt Alexander Hamler.

Er findet, die Testpflicht für Unternehmen kommt „viel zu spät“: Das hätte die Regierung schon vor einem Jahr beschließen sollen, dann aber auch die Tests zur Verfügung stellen müssen. Denn „der nationale Gesundheitsschutz ist Aufgabe der Politik“. Gerade bei größeren Betrieben gehe die Testpflicht richtig ins Geld. Neben den Anschaffungskosten sei der zeitliche Aufwand immens: für die Dokumentation, aber auch, wenn die Mitarbeiter sich während der Arbeitszeit testen. Er wisse von einem Betrieb mit 150 Mitarbeitern, den dies nun 4500 Euro im Monat koste – zusätzlich zu den Mehrkosten für Masken und der coronakonformen Umorganisation der Teams.

Mir ist lieber, die Leute testen sich öfter.“

Alexander Hamler, Obermeister der Elektro-Innung

Bei Banken: Die Kreissparkasse Ostalb bietet für die Mitarbeiter in den über 40 Filialen zwei Selbsttests pro Woche für daheim an, berichtet KSK-Sprecher Holger Kreuttner. Für die 220 Mitarbeiter in der Gmünd er Hauptstelle und die 260 Mitarbeiter der Aalener Hauptstelle seien montags und mittwochs jeweils ab 8 bis 10 Uhr Teststationen in Zelten auf dem Parkplatz eingerichtet. Mitarbeiter des Unternehmens Kaiserberg nehmen in dieser Zeit die Tests ab. Am ersten Testtag vergangenen Mittwoch seien in Gmünd 58 Personen getestet worden, in Aalen wurden 75. Am Montag waren es 68 in Gmünd, 72 in Aalen. Drei bis sieben der Getesteten seien Externe gewesen. Denn dieses Angebot können auch andere Bürger nutzen, erklärt Holger Kreuttner. Allerdings sei eine Anmeldung vorab nötig, damit keine Warteschlangen entstehen: In Schwäbisch Gmünd unter der Rufnummer (07171) 6080, in Aalen unter (07361) 5080.

In der Gastronomie und Hotellerie: Dagobert Hämmerer, Vorsitzender des Hotel– und Gaststättenverbands Dehoga im Ostalbkreis, hat 1500 Schnelltests bestellt, um jeweils zwei an die Verbandsmitglieder zu schicken. Das solle ein Wink sein, bei den Schnelltests gut mitzuziehen. Er unterstütze die Testpflicht. Denn „ohne Tests und Impfungen können wir nie öffnen“. Doch es sei nicht richtig, dass der Staat die Kosten den Betrieben auferlegt. Besonders belastete Betriebe können diese Ausgaben bei einem Antrag auf Überbrückungshilfe geltend machen. Die Frage sei nur, wann sie die Kosten teilweise erstattet bekämen, sagt Dagobert Hämmerer. Er habe die letzte Finanzhilfe im Dezember erhalten. Seit Januar sei nichts bei ihm angekommen – und damit sei er nicht allein.

In der Industrie: Bosch AS stelle Mitarbeitern, deren Tätigkeit eine Anwesenheit am Standort erfordere, mehrmals in der Woche Covid-19-Antigen-Selbsttests zur Verfügung, berichtet Unternehmenssprecherin Julia Naidu. In Schwäbisch Gmünd seien seit vorletzter Woche regelmäßige Antigen-Selbsttests für Mitarbeiter, die für ihre Arbeit vor Ort tätig sein müssen, sowie bereits seit mehreren Monaten der Einsatz des von Bosch entwickelten PCR-Schnelltests mit Bestandteil der Teststrategie von Bosch AS. Denn „wir unterstützen den gesellschaftlichen Ansatz der verdachtsunabhängigen Testung auf Covid-19 mit Selbsttests und appellieren an die Mitarbeiter, sich im Interesse der Gemeinschaft an den Tests zu beteiligen“. Um Ansteckungen zu verhindern, stelle Bosch AS den Mitarbeitern nach medizinischen Vorgaben gefertigte Masken zur Verfügung. Doch ein großer Teil der etwa 4500 Mitarbeiter am Standort Schwäbisch Gmünd habe Aufgaben, die von Zuhause aus erledigt werden können. Wo es möglich ist, setze Bosch AS auf Home-Office. Derzeit arbeiteten über 80 Prozent der Mitarbeiter mit Bürotätigkeiten von Zuhause aus.

Unterwegs, um in Betrieben zu testen

Die Kaiserberg International Trading GmbH, ein Tochterunternehmen der Spedition Häberle GmbH auf dem Gügling, bietet seit gut sechs Wochen bei Unternehmen im Umkreis von rund 70 Kilometern Schnelltests an. „Aktuell testen wir rund 6000 Leute pro Woche“, berichtet Projektleiterin Aileen Häberle. Ein Test koste die Betriebe je nach Anzahl der Mitarbeiter zwischen 10 und 15 Euro. Doch diese „von medizinisch geschulten Mitarbeitern abgenommenen Tests“ seien viel genauer als die Selbsttests, für die Unternehmer 4 bis 5 Euro bezahlen. Seitdem die Testpflicht in Kraft getreten ist, müssen Unternehmen für die Kosten der Tests aufkommen, zuvor finanzierte diese der Staat wie die anderen Bürgertests auch. Seither sei die Nachfrage nach der mobilen Covid-19-Teststation leicht rückläufig, sagt Aileen Häberle.

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