Jäger mahnen zur Vorsicht: Hunde wildern in Weiler

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Rehe sind durch Hunde gefährdet.

Jäger finden zu Tode gebissene Rehe und appellieren an Hundehalter zu mehr Vorsicht.

Schwäbisch Gmünd. Die Jäger unterm Bernhardus schlagen Alarm: Sie haben kürzlich innerhalb von drei Tagen drei von Hunden gerissene Rehe in den Jagdrevieren bei Weiler gefunden. Jagdpächter Herbert Baur stieß am Ölmühlenweg auf einen Rehbock, den ein Hund offenbar am Hinterleib gepackt und den Bauch und Rücken verbissen hatte. Am folgenden Tag fand der Jäger unweit des Parkplatzes bei der Kirche in Weiler eine trächtige Geiß, die offensichtlich auch durch Bisse an Bauch, Rücken und Hüfte gestorben war. Die Geburt stand offenbar kurz bevor, doch die Kitze sind im Mutterleib verendet.

Auch der dritte Fund am nächsten Tag betraf eine verendete Geiß mit Gesäuge, die allerdings bereits gesetzt hatte. Jagdpächter Arthur Grupp hat diese am Wanderparkplatz Furtlepass entdeckt. Er verständigte sofort seine Jägerkollegen, die mit der Wärmebilddrohne nach den Kitzen suchten – ohne Erfolg. Die Spuren in der angrenzenden Wiese lassen auf eine Hetze schließen, der die Geiß ausgesetzt war. Sie münden in eine Blutspur – in der Jägersprache Schweißspur – quer über den Parkplatz. Die Hundehalter müssen den Riss bemerkt haben, schlussfolgert Herbert Baur. Er nennt es „unverantwortlich“, dass sie nicht sofort über die Polizei den Jagdpächter informiert haben. Denn dann wären die Kitze vielleicht noch zu retten gewesen. Zumal: Dieser Hund müsse bereits Erfahrung mit Wilderei haben. Darauf deuteten die gezielten Bisse am Hals des Rehs hin.

Sicher kein Wolf

Warum sind sich die Jäger so sicher, dass ein Hund die Rehe getötet hat und kein Wildtier, gar ein Wolf? Die Fundorte an Wanderwegen und Parkplätzen seien ein Indiz, die Bissspuren wären bei Wölfen wesentlich größer, vor allem aber reißen Wölfe Beute, um sie zu fressen, antwortet Herbert Baur. Da wäre deutlich weniger übrig von den Rehen.

Er und Arthur Grupp haben wegen der Hunderisse Anzeigen bei der Polizei erstattet. In solchen Fällen liege der Straftatbestand der Wilderei vor, sagt Polizeisprecher Jonas Ilg. Wenn Tiere gerissen wurden, die zu dieser Zeit nicht bejagt werden dürfen, zudem ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Das Strafmaß richte sich nach dem Verdienst des Beschuldigten, in solchen Fällen des Hundehalters. Diese zu ermitteln, sei im Grunde nur möglich, wenn es Zeugen gab.

Den Jägern ist durchaus bewusst, dass solche Fälle selten aufgeklärt werden. Doch ihnen ist wichtig, dass sie im Polizeibericht auftauchen, um Hundehalter, aber auch mögliche Zeugen dafür zu sensibilisieren. Gerade jetzt während der Setzzeit. In dieser kann eine Hetze für trächtige Geißen auch dann zur Gefahr werden, wenn der Hund sie nicht erwischt. Denn durch den dadurch entstehenden Stress steige das Risiko für Fehlgeburten, weiß Herbert Baur.

Neben Rehen seien auch andere Tiere betroffen: Feldhasen, die nun zum zweiten Mal setzen etwa, oder Bodenbrüter wie die Feldlerche. Hunde gehören „vom Instinkt her zu den Hauptfeinden der wildlebenden Tiere“, informiert auch die Jägervereinigung Schwäbisch Gmünd. Deren Pressesprecher Werner Rupp bittet daher um erhöhte Vorsicht im Wald. Dem schließen sich Herbert Baur und seine Jagdkollegen an: „Wir appellieren zu mehr Rücksicht auf die Lebensräume des Wildes und bitten um weniger Egoismus.“

Wahrer „Hundetourismus“

Probleme mit Hunderissen habe es schon immer gegeben. Doch gerade jetzt in Zeiten von Corona ziehe es noch mehr Menschen in die Natur. Die Jäger bemerken gar einen wahren „Hundetourismus“, wenn etwa Leute aus dem Großraum Stuttgart mit ihren Tieren hierher kommen.

Dass es dieses Jahr mehr Anzeigen wegen wildernder Hunde gibt, kann Jonas Ilg seinem Eindruck nach nicht bestätigen. Allerdings fehle dazu noch die Datenlage. Auch Ordnungsamtsleiter Gerd Hägele sind derzeit nicht mehr Fälle als in den Vorjahren bekannt.

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