Junge FC Heidenheim-Fans angegriffen

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Die Polizei bewacht Fußballfans.
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Ein ehemaliger VfR-Ultra erhält eine Geldstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung im Mai 2019.

Aalen. Weil er fünf junge Aalener Fans des FC Heidenheim angegriffen und verletzt hat, stand ein 27-jähriges ehemaliges Mitglied der „Crew11“, einer Ultra-Gruppierung des VfR Aalen, vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Aalen. Die Anklage: besonders schwerer Raub mit besonders schwerer Erpressung und gefährliche Körperverletzung in Tateinheit von drei Fällen.

Den Fans aufgelauert

Der Angeklagte M. hatte am 4. Mai 2019 einen Anruf bekommen, dass sich in Wasseralfingen Fans des FCH in Fanmontur aufhielten und Richtung Bahnhof liefen, so Staatsanwältin Andrea Koller. Er habe den fünf damals 17- und 18-Jährigen aufgelauert, in der Absicht, ihnen die Fanschals abzunehmen. Er habe gedroht, einen dreimal ins Gesicht geschlagen, im Gerangel selbst zwei Schläge mit einer Bierflasche abbekommen und dann drei der Jugendlichen mit Pfefferspray verletzt. Sein erstes Opfer habe er getreten, drei der FCH-Fans die Schals abgenommen.

Gefrustet wegen Plakaten

Der Angeklagte bestätigte den Ablauf im Wesentlichen. Er sei als VfR-Ultra gefrustet gewesen, dass am 1. Mai FCH-Ultras in Aalen Plakate und Aufkleber aufgehängt hätten. Bei dem Anruf sei gesagt worden, dass die fünf FCH-Ultras seien. Er habe das in einen Chat der VfR-Ultras geschrieben, um Hilfe zu rufen. Als er die „Jungs“ sah, habe er erkannt, dass es nur „normale“ Fans waren, trotzdem griff er an. Nach dem ersten Gerangel und den Schlägen seien zwei weitere VfR-Ultras mit einem Auto gekommen, hätten den Jungs mit Drohungen die Schals abgenommen und das Hauptopfer getreten. Da sei er „nur danebengestanden“, weil ihm von den Schlägen mit der Flasche schwindelig war und er geblutet habe. Dann sei die Polizei gekommen, worauf er und die weiteren Täter zu Fuß geflohen seien. Er sei zehn bis zwölf Jahre in der „Crew11“ gewesen, nach dem Vorfall und den Ermittlungen aber ausgetreten. Sein Anwalt ergänzte, dass M. die beiden anderen Täter zwar kenne, aber ihre Identität nicht angeben werde. Er habe sich nach der Tat bei den Opfern per Brief entschuldigt. M. sagte, wenn es richtige Ultras gewesen wären, hätte er das Pfefferspray angewendet und wäre härter vorgegangen.

Pfefferspray in die Augen

Die fünf jungen Männer, die damals zu einem Spiel nach Heidenheim fahren wollten, bestätigten die Schilderung des Angeklagten weitgehend. Die Schals habe er ihnen nicht abgenommen. Drei von ihnen hätten Pfefferspray in die Augen bekommen, der Hauptgeschädigte habe Prellungen im Gesicht und am Körper erlitten. Zwei der Männer waren Richtung Alfing geflüchtet, aber zurückgekommen, als die Polizei gekommen war. Einer führte aus, dass eine junge Frau beim Bäcker, bei dem sie eingekauft hatten, ihre „Fanmontur“ kritisch angeschaut und dann telefoniert hatte.

M. entschuldige sich, übergab den drei Verletzten Schmerzensgeld, alle akzeptierten die Entschuldigung. Die Frau sagte zunächst aus, sie könne sich an nichts erinnern. Als Staatsanwältin und Richter Martin Reuff sie darauf aufmerksam machten, dass auch ein Verfahren wegen Falschaussage und Anstiftung zu einer Straftat eingeleitet werden könnte, gab sie zu, M. angerufen zu haben. Sie habe aber nicht geahnt, dass „sowas passieren könnte“. Reuff verlas drei Einträge im Zentralregister des Angeklagten wegen Strafbefehlen über Geldstrafen für Sachbeschädigung, Beleidigung und Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung, alles in Zusammenhang mit Geschehen rund um Spiele des VfR.

Bedenkenlos zugeschlagen

Die Staatsanwältin forderte in ihrem Plädoyer wegen einem minderschweren Fall von gefährlicher Körperverletzung eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 40 Euro. Mit dem Raub der Schals habe M. nichts zu tun. Verteidiger Hubel schloss sich diesem Strafmaß an. Die Kammer beschloss eine Strafe von 120 Tagessätzen. Der Angeklagte habe bedenkenlos zugeschlagen. Er habe aber gestanden, obwohl ihm die Tat sonst kaum hätte nachgewiesen werden können. Zudem habe er sich von der Szene abgewendet. „Ultras mach viel Gutes, aber Straftaten und Gewalt gehen gar nicht“, so Reuff. Jürgen Eschenhorn

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